Zweijähriges Jubiläum

Psychiatrische Klinik in Bruck zieht Bilanz

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Nach der Bilanz gaben sie noch eine Führung durch die Tagesklinik des kbo-Isar-Amper-Klinikums Fürstenfeldbruck (von links): Prof. Dr. Peter Brieger, Christine Ernst-Geyer, Josef Mederer und Dr. Nicolay Marstrander.
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Es war ein langer Weg, bis das orange Gebäude mit den hohen Fenstern in der Straubinger Straße stand. Anfangs hielt man es für nicht nötig, dann war es der Nachbarschaft ein Dorn im Auge. Doch heute feiert das kbo-Isar-Amper-Klinikum Fürstenfeldbruck zweijähriges Jubiläum.

Fürstenfeldbruck - Die zwei Jahre nennt Josef Mederer, Bezirkstagspräsident Oberbayern, gar eine Erfolgsgeschichte. Aus diesem Anlass bilanziert er gemeinsam mit dem leitenden Klinikpersonal die vergangenen Jahre.

Für jeden Landkreis eine psychiatrische Klinik

Das Klinikum wurde im September 2016 eröffnet und sichert seitdem mit 88 Betten auf vier Stationen die psychiatrische Versorgung für die Städte und Landkreise Dachau und Fürstenfeldbruck. Der Träger von kbo, der Bezirk Oberbayern, unterstützt die Klinik politisch und finanziell. Mit der Eröffnung des Klinikums kam der Bezirk Oberbayern seinem Ziel, eine wohnortnahe psychiatrische Versorgung aufzubauen, einem Schritt näher. „Wir wollen weg von großen Einrichtungen, wir wollen die Medizin zu den Menschen bringen“, sagt Josef Mederer eingangs der Pressekonferenz. „Wenn ich über zwei Landkreise fahren muss, um psychiatrische Hilfe zu bekommen, ist der Erfolg nicht mehr gegeben“, sagte Mederer weiter. Deshalb ist der Bezirk Oberbayern noch lange nicht am Ziel. „Irgendwann soll jeder Landkreis eine psychiatrische Klinik haben“, kündigt er an. Er sei froh, dass heute viel offener als früher mit psychischen Erkrankungen umgegangen wird, wie auch das Gebäude selbst zeige. 

Hell und offen für Publikumsverkehr

Eine Psychiatrie muss eben nicht in abgedunkelten Räumen mit großem Eisentor darum außerhalb der Stadt sein. Sondern es kann auch mitten im Wohngebiet mit großen Fenstern und hellen Farben sowie offenem Eingangsbereich entstehen. „Es ist das absolut Richtige, die Klinik in der Mitte der Gesellschaft zu errichten und transparent zu gestalten“, betont Nicolay Marstrander, Chefarzt des kbo-Klinikums Fürstenfeldbruck. Publikumsgäste oder einfach Nachbarn, die sich mit in das Café setzen wollen, sind willkommen. Das Klinikum öffnet außerdem ganz offiziell für die Öffentlichkeit wieder an einen Tag der offenen Tür im Oktober. 

Vorbild für ganz Deutschland

„Das Klinikum in Fürstenfeldbruck ist ein Schlagwort in ganz Deutschland geworden, mich haben schon viele Kollegen gefragt, ob sie sich das einmal ansehen können“, berichtet Peter Brieger, Ärztlicher Direktor der kbo-Isar-Amper Kliniken. 

Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten

Besonders stolz scheinen die Akteure auf die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu sein. Bei der vollstationären Behandlung kommen die Patienten und verbringen hier ihre komplette Zeit bis sie wieder ärztlich entlassen werden. Bei der teil stationären Behandlung, auch Tagespflege genannt, kommen die Patienten an den Werktagen morgens in die Klinik und fahren abends wieder nach Hause. „Der Vorteil hier ist, dass die Patienten nicht komplett aus dem Alltag herausgerissen werden, auch Alleinerziehende oder Haustierhalter ohne Angehörige profitieren von dieser Art der Behandlung“, erklärt Marstrander. Zudem gibt es die ambulante Behandlung, bei der Patienten zu Hause besucht werden. „Der individuelle Bedarf steht im Mittelpunkt, es wird genau überlegt, welche Behandlung zu welchem Patienten passt“, erklärt Mederer. 

Kurze Verweildauer

Demenz, Psychosen, Depressionen, Suchterkrankungen und Angststörungen sind eine Auswahl der Krankheiten, mit denen Menschen die Hilfe im Klinikum suchen. Im Jahr 2017 wurden 1.983 Patienten stationär, 357 Patienten in der Tagesklinik und 3.839 ambulant behandelt. Von den 88 Betten sind allerdings immer welche für den Notfall reserviert. Die durchschnittliche Verweildauer im ambulanten Bereich sei laut Marstrander mit 21 Tagen vergleichsweise kurz. Er begründet dies mit der Nachversorgung, dem breiten Behandlungsangebot und der guten Zusammenarbeit mit professionellen Dienstleistern wie der Caritas. „Menschen sollten nicht in einem Krankenhaus sein, es sollte die Ausnahme und nur für Notfälle da sein“, sagt auch Brieger. 

"Schullandheim-Atmosphäre"

Für alle, die doch die stationäre Behandlung in Anspruch nehmen, mache die „Schullandheim-Atmosphäre“, wie Marstrander es nennt, den Aufenthalt erträglich. Scheinbar ist das Klinikum auch als Arbeitgeber beliebt. „Wir haben zum ersten Mal eine Warteliste für Pflegepersonal“, sagt Christine Ernst-Geyer, Pflegedienstleistung des Klinikums. Heißt: Pfleger wollen hier unbedingt arbeiten, aber es gibt derzeit keine offenen Stellen. 

Problem-Nachbarn

 Natürlich seien die eher unschönen Seiten nicht tot zu schweigen. „Es sind auch Menschen hier, die möchten nicht behandelt werden. Diese müssen wir teilweise gegen ihren Willen hierbehalten, um sie vor sich selbst zu schützen und die Gesellschaft vor ihnen zu schützen.“ Diese Fälle seien jedoch nicht auf der Tagesordnung. Auch gibt es einige Anwohner, die weiterhin unglücklich mit ihren neuen Nachbarn sind. Nicolay Marstrander sei jedoch positiv gestimmt, dass diese noch überzeugt werden können. 

Miriam Kohr

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