Entscheidung im Stadtrat

Erneute Kehrtwende am Sulzbogen - Stadt wird Sozialwohnungen doch nicht selbst bauen

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Erkennen in der Auslagerung des Projekts keinen Nutzen für die Stadt: (von links) Alexa Zierl (ÖDP), Mirko Pötzsch (SPD), Adrian Best (Die Linke) und Christian Götz (BBV).

Fürstenfeldbruck – Die Stadt gibt den Bau der 18 geplanten Sozialwohnungen Am Sulzbogen nun doch aus der Hand.

Das Projekt soll an eine Wohnbaugesellschaft in Erbpacht vergeben werden. Dies würde den laufenden Etat der Großen Kreisstadt um knapp fünf Millionen Euro entlasten. Zudem erhofft man sich eine schnellere Realisierung.

Immer weitere Verzögerungen

Das Wohnbauprojekt am Sulzbogen hat eine lange Vorgeschichte. Zunächst plante man Ende 2014 auf dem städtischen Grund neben der Gnadenkirche den Bau von 13 Sozialwohnungen. Zudem sollte im Erdgeschoss ein Schülerhort untergebracht werden. Doch das Projekt verzögerte sich immer wieder.

Eigentlich Kompromiss gefunden

Vor zwei Jahren stoppte dann Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) das Projekt, weil die Kosten aus dem Ruder zu laufen drohten. Im Frühjahr 2019 einigte sich der Stadtrat nach hitziger Debatte – der damalige Planungsreferent und jetzige Vize-Bürgermeister Christian Stangl (Grüne) sah den Grund für die Verzögerungen in Raffs eigenmächtiger Amtsführung – auf einen Kompromiss: Da die Zeit für den Schülerhort drängt, soll dieser an der Cerveteristraße errichtet werden, das Projekt Am Sulzbogen, aufgrund der Auslagerung des Hortes nun mit 18 Wohnungen ausgestattet, dafür in Eigenregie und nicht wie von der CSU gefordert, durch einen externen Anbieter realisiert werden.

Wegen Krankheit und Kosten doch abgeben?

Auf der jüngsten Stadtratssitzung warb Stadtkämmerin Susanne Moroff nun dafür, das Projekt doch an eine Wohnbaugesellschaft in Erbpacht zu vergeben. Der laufende Haushalt müsse aufgrund der finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise um rund zehn Millionen Euro gekürzt werden und eine Vergabe des Projekts würde den Etat bereits um 4,8 Millionen Euro entlasten. Zudem ginge „es schneller, als wenn die Stadt das Projekt selbst realisieren würde.“ Stadtbaurat Martin Kornacher bestätigte, dass aufgrund des hohen Krankenstands in der Bauverwaltung in diesem Jahr damit nicht mehr begonnen werden könne.

Stadtrat entscheidet anders als Hauptausschuss

Hatte sich der vorberatende Hauptausschuss noch knapp gegen eine Vergabe ausgesprochen, beschloss der Stadtrat nun mit den Stimmen von CSU, Freie Wähler, FDP und einem Teil der Grünen, den Beschluss aus 2019 aufzuheben. Stattdessen soll das Projekt für 70 Jahre im Erbbaurecht an einen Anbieter mit Erfahrung im öffentlich geförderten Wohnungsbau vergeben werden. Damit bleibe die Stadt Eigentümer des Grundstücks und sichere sich die Belegungsrechte für die Wohnungen über die gesamte Laufzeit. Auf Antrag Alexa Zierls wurde festgeschrieben, dass Bauträger eine Fertigstellung bis spätestens Ende 2020 gewährleisten muss.

Vier Parteien enttäuscht

BBV, SPD, ÖDP und Die Linke zeigten sich über den Beschluss enttäuscht. Sie bezweifeln eine schnellere Realisierung. „Vielleicht warten wir unter diesen Bedingungen auf einen Investor bis zum Sankt Nimmerleinstag“, argwöhnt BBV-Sprecher Christian Götz. Die Vertreter der vier Fraktionen sind davon überzeugt, dass dies eine gute Investition für die Stadt sei. Zwar stünden die 4,8 Millionen Euro Baukosten zunächst auf der Ausgabenseite, aber man schaffe damit gleichzeitig einen Wert auf der Habenseite, der sich im Laufe der Zeit angesichts der Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt steigern dürfte. 

Fischer

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