Betreuungseinrichtung öffnet nach zweimonatiger Verzögerung

Zentrumsnahes Spielen: Ein Kinderhaus mit Aussicht

Das neue Kinderhaus an der Unteren Bahnhofstraße wurde ausgiebig unter die Lupe genommen.
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Das neue Kinderhaus an der Unteren Bahnhofstraße wurde ausgiebig unter die Lupe genommen.

Germering – Vier Ebenen zum Austoben, neue Spielgeräte, Sandkästen und dazu eine einmalige Aussicht. Denn das neue Denk mit! Kinderhaus in der Unteren Bahnhofstraße 45 ist nicht einfach nur ein Kindergarten oder eine Krippe, es ist ein Ort des Erkundens geworden – mit Mikroplastik-freiem Kunstrasen statt Grün und einer einmaligen Aussicht über die Stadt. 

Die Lage im Herzen Germerings sticht hervor. Direkt an der S-Bahn gelegen, verbindet die Bauherrin Karin Bader urbane Architektur mit den Bedürfnissen der Kleinsten der Gesellschaft. „Im Fokus stand, dass sich die Kinder und Betreuer wohlfühlen“, sagt Bader. Die jahrelange Erfahrung der Diplom-Sozialpädagogin und Gründerin der Kinderbetreuungseinrichtung Denk mit! spricht für ein kindgerechtes Konzept. „Die Kinder sollen bedenkenlos ins Freie gehen können und so das Spiel von Regen und Trockenheit, Sonne und Schatten miterleben – ohne dass erst eine Matschhose angezogen werden muss oder weite Wege gegangen werden müssen“, erklärt die Pädagogin. Das fördere auch die Selbstständigkeit der Kinder, die durch Tore daran gehindert werden, die einzelnen Ebenen zu verlassen. Man müsse eben auf die Besonderheiten der Lage eingehen. Eines wird beim Anblick des herannahenden Zuges nämlich schnell klar, dies ist kein Waldkindergarten im Grünen, sondern ein urbaner Ort, an dem die Kinder frühzeitig mit den Besonderheiten des städtischen Lebens vertraut gemacht werden. Und dazu gehören neben akustischen Einflüssen auch die visuelle Individualität des Grundstücks an der Unteren Bahnhofstraße. Also auch der Bahn- und Straßenlärm.

Die Nähe der Bahn sei eine der größten Herausforderungen beim Bau des Kinderhauses gewesen. Die exponierte Lage des Gebäudes ruft folglich viele Kritiker auf den Plan. Nichtsdestotrotz sind die 86 zur Verfügung stehenden Plätze bereits alle vergeben. Architekt Wolfgang Moll verbaute eine umlaufende Glasbarriere mit Sicherheitsglas, die sowohl dem Schallschutz, aber auch der Blickfreiheit diene. „Das Budget und der Immissionsschutz waren eine Herausforderung“, meint der Architekt. Beim Einfahren sei die Bahn kaum noch zu hören, da sind sich Oberbürgermeister Andreas Haas, Referent für Kindergärten und -krippen, Horte, Schulsozialarbeit Johannes Landendinger und Leiter des Amtes für Jugend, Familie, Senioren, Soziales und Schulen Martin Rattenberger beim Besichtigungstermin mit dem Architekten und der Bauherrin einig. Auch bei der Höhe habe Moll auf die speziellen Bedürfnisse der Kinder geachtet, so wurde die Glasbarriere höher als ursprünglich erforderlich, denn „Sicherheit geht vor“, das betont auch Bader.

Durch das Sicherheitsglas kaum mehr zu hören, die S-Bahn.

Zudem sei beim Neubau gleich an die Barrierefreiheit gedacht worden, ein Aufzug führt bis zur Dachterrasse. Ein Fakt, der bei Landendinger besonders gut ankommt. Kritisch beäugt wurde hingegen der Kunstrasen. Immerhin 900 Quadratmeter wurden auf der Außenfläche verlegt – das Aufstellen von Beeten und Pflanztrögen erfolge dann im Frühjahr. „Wir haben hier etwas hochwertiges genutzt, ohne Mikroplastik“, erklärt Moll. Ein weiches Gefühl, wenn die Kinder darauf sitzen war Bader ebenso wichtig wie die Tatsache, dass dieser Spielbereich dauerhaft bespielt werden könne, auch dank der Abflussrinnen. Die Entscheidung fiel bewusst gegen Kies. „Den hätten die Kinder nur gegen die Scheiben geworfen“, sagt Bader. Auch zunächst angedachte Kletterelemente mussten aufgrund des Sicherheitsrisikos verworfen werden. Zwei Monate länger hat der Bau letztendlich mit den Verzögerungen gedauert und auch die Kosten blieben nicht im Budget. Mit dem Erwerb des Grundstückes belaufen sich diese auf 5,6 Millionen Euro, wobei die Stadt rund 2,4 Millionen dazu zahlt. „Das Geld steckt nicht in goldenen Wasserhähnen, sondern in den Spielflächen der Kinder“, so Bader, die kein Einsparungspotenzial gesehen hat und sich letztlich mit dem im November offiziell eröffneten Kinderhaus zufrieden zeige. Die fünfgruppige Einrichtung sei eben „kein alltägliches Gebäude“, das bescheinigte auch OB Haas.

Die Kindergartenkinder können von der Dachterrasse auf die Untere Bahnhofstraße blicken.

Fachkräftemangel beschäftigt auch Stadtverwaltung

Eines der größten Probleme sehen Bader und Rattenberger nach Eröffnung der Einrichtung weiterhin im Fachkräftemangel. Die Nachfrage nach Krippen- und Kindergartenplätzen sei in Germering sehr hoch, wie Amtsleiter Rattenberger bestätigt. Bei jungen Familien ist die Stadt beliebt. Durch den steten Bau neuer Einrichtungen wären zwar genügend Plätze vorhanden, ohne Personal sei das aber schwer umzusetzen.

Becker

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