Nach dem Münchner Kinderkrimipreis bearbeitet der BR die Geschichte des jungen Krimi-Autors Sebastian Karl (10) als Hörspiel 

Mit Kinderkrimi "Der Tod des Metzgers" gewann ein 10-jähriger Brucker den 1. Preis 

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Unter den Gewinner des Münchner Kinderkrimipreises 2014 waren auch Sebastian Karl (ganz vorne l.) und seine Schwester Julia. 

Fürstenfeldbruck – „Der Tod des Metzgers“ ist das preisgekrönte Krimi-Werk eines 10-jährigen Schülers aus Fürstenfeldbruck und wird von der Redaktion Bayern 2/ radioMikro demnächst als Krimi-Hörspiel bearbeitet und gesendet. Sebastian Karl, Preisträger des Kinder-Krimipreises München freut sich schon sehr, wenn es endlich soweit ist.

Die Geschwister Karl beim Interview anlässlich der Preisverleihung.

Mama Karl – sie hat selbst schon Preise für ihre Kurzgeschichten gewonnen - las eine Ankündigung über den 12. Münchner Krimi-Wettbewerb in der Zeitung und ermunterte ihren Sohn Sebastian, mitzumachen. Sebastian interessiert sich schon lange für das Schreiben, aber auch für Musik und Klavierspielen und auch für alles, was mit Batterien und Technik zusammenhängt. Die Themen liegen auf der Straße, sagte er sich, und als er zufällig beim Metzger vorbeiradelte, kam ihm eine Idee: „Der Tod des Metzgers“, wobei er nicht den freundlichen, ansässigen Metzger und dessen Mitarbeiter meinte, sondern einen fiktiven Fleischer. Und dann ließ er seiner „mörderischen Fantasie“ auf dem Papier freien Lauf. So gut, dass ihn die Moderatorin in München als erstes fragte: „Habt Ihr eine Metzgerei zu Hause?“ Da muss Sebastian passen. Sein Elternhaus ist eher im Bildungsbürgertum einzuordnen. Schöne Künste, Literatur, Musik - alles sehr erwünscht. Mamma Karl ist froh darüber und fördert ihre Kinder, wo sie kann. Es wäre ein Albtraum für sie, wenn ihre beiden Kinder stundenlang bei Computerspielen und Chatten „abhängen“ würden. Tochter Julia teilt diese Einstellung und sitzt gerne am Klavier und freut sich auf den Ballett-Unterricht. 

Sogar bei Cinderella in München durften die Geschwister im letzten Jahr als Komparsen auf der Bühne des Münchner Herkules-Saales stehen. Bei dem literarischen Wettbewerb assistierte Schwester Julia ihrem älteren Bruder, so gut es ihr möglich war, sie las die Texte und servierte auch schon mal einen Apfelsaft an den Schreibtisch. Zwei Wochen lang drehte sich beim Krimifestival in München in der alten Seidl-Villa in den Kinder-Workshops und an anderen „Tatorten“ alles um Verbrechen und deren Aufklärung , und die kleinen Detektive lernten, wie man beschattet, Codes entziffert, versteckte Aufnahmegeräte installiert und rätselhafte Verbrechen aufklärt. 

Beim Kinder-Krimipreis 2014 konnten alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 bis 14 Jahren aus München und dem Großraum München teilnehmen. Teams sollten möglichst aus Gleichaltrigen bestehen und nicht mehr als zwei Kinder umfassen. Die Kinder sollen zum Schreiben angeregt werden. Für die Teilnehmer ist es ein großer Ansporn, dass ihre Geschichten als Heft veröffentlicht werden. Schließlich erkannte die Jury im April Sebastian Karl in seiner Altersklasse für den „Tod des Metzgers“ den 1. Preis zu. Am meisten freut sich Sebastian, neben Urkunde und Gewinner-Torte, dass BR 2 seine Geschichte als Krimi-Hörspiel bearbeitet und er beim Sendetermin, der noch nicht feststeht, ans Mikrofon darf.

Er hat natürlich schon für den nächsten Krimiwettbewerb so manche Idee. Die wird aber natürlich nicht verraten. Vielleicht fährt er ja demnächst mit dem Radl beim Bäcker vorbei?

Hedwig Spies

 

Der Tod des Metzgers - von Sebastian Karl, Fürstenfeldbruck 

Kommissar Hans Bayerhammer freut sich jeden Dienstag auf sein Weißwurstfrühstück. Dazu nimmt er sich extra immer in seinem Büro frei und geht ein paar Schritte rüber, in die Metzgerei Schmidt mitten im Ortskern von Neufatzhausen. Franz Schmidt, der Inhaber der Metzgerei ist ein alter Schulspezl von ihm und als der Hans Bayerhammer vor 27 Jahren an die Dienststelle nach Neufatzhausen versetzt worden ist, haben sie sich wieder getroffen. Seitdem lädt der Franz den Hans jeden Dienstag Vormittag in seine Schlachtküche ein. Der Hans steht Punkt 10 Uhr an der Tür, da sind nämlich gerade frisch die Weißwürste fertig. So auch heute wieder. Die heißen Weißwürste kommen auf die Teller, die Brezen stehen schon auf dem Tisch und seine treue Angestellte Karin Ringerl stellt auch gleich den Senf dazu, den sie gerade selbst frisch zubereitet hat. Auf seinen hausgemachten Senf ist der Metzger Schmidt besonders stolz, den mögen so gut wie alle im Ort. Der Franz hat aber die Angewohnheit jeden Bissen aus Wurst und Senf mit einem ordentlichen Schluck Weißbier die Kehle runter zu spülen. Die beiden unterhalten sich dabei über dieses und jenes. Wie etwa über so einfache Dinge wie den verschobenen Kegelabend, der dem Franz ganz gelegen kommt, weil er dann endlich den Ameisen im Garten zu Leibe rücken kann. Aber auch über die Idee einer neuen Wurstsorte. Oder Bayerhammers spezielle Mordfälle, die er dreimal im Jahr hat. Oder auch die über die redselige Bäckersgattin Heidi und den korrupten Banker Mechl aus der Hinterhofvilla reden die Zwei ganz gern. Wie immer, wenn der Kommissar Punkt 12 Uhr wieder an seinem Schreibtisch sitzt, bringt der Franz noch schnell die Einnahmen vom Vortag zur Post. Da hat er sein Girokonto. Hin und wieder bringt er eh die Leberkässemmel-Bestellungen für die Mitarbeiter gleich mit und löst danach Frau Ringerl in der Küche und im Verkauf ab, damit sie ihre Mittagspause machen kann. Aber heute wartet Frau Ringerl vergebens. „Wo bleibt denn der Franz bloß? Es kann doch nicht so lang dauern. Der Franz ist ja meist nur eine halbe Stunde weg, selbst wenn er ratscht“. Eine Kundin kam in die Metzgerei, erzählte aufgeregt von Polizeiaufgebot am Postamt, einem Krankenwagen und dergleichen. Vielleicht auch einer Leiche? „Oh mein Gott“, ruft die Karin, „es wird doch nix mit dem Franzi sei?“ Ihrer heimlichen Liebe, denn der Franz Schmidt ist seit einigen Jahren verwitwet . Kurz drauf kommt auch noch der Kommissar leichenblass wieder in die Metzgerei und jetzt ist es klar: Der Franz, der ist tot! Tot vor dem Postamt aufgefunden! Aber warum denn? Der Notarzt meinte, keine äußeren Anzeichen für Fremdeinwirkung zu sehen. Aber ein schwaches Herz hatte er auch nicht. Deswegen wollten sie ihn auf jeden Fall untersuchen. Der Kommissar Bayerhammer, sein bester Freund begann aber gleich trotz allem in alle Richtungen zu ermitteln. Hat dem Franz vielleicht einer das Geld stehlen wollen? Aber wer wusste, dass er mit dem Geld zur Postbank wollte? Er selbst! Aber er saß zur Tatzeit an seinem Schreibtisch im Büro. Die Angestellte der Metzgerei? Die würden das doch nicht machen und waren ja zu der Zeit im Laden, weil der Hans ja weg war. Wer hatte ihn zuletzt gesehen? Wer hatte etwas beobachtet? Zeugen vor der Post sagten aus, dass der Mann aus der Filiale gekommen sei. Also muss er vorher das Geld noch los geworden sein. Quittung fand man aber keine bei seinen Papieren. Hat man ihm doch das Geld doch geklaut und ihn anschließend getötet? Aber keinerlei Spuren, kein Schlag auf den Kopf, kein Schuss … Die daraufhin befragten Schalterangestellten meinten aber, dass die bestellten Leberkässemmeln noch vom Metzgereichef persönlich geliefert worden seien und er auch seine Einnahmen vom Vortag noch einbezahlt hätte. Ehe sie ihm jedoch die Quittung geben konnten, sei er rausgelaufen weil ihm nicht gut war, wie er selbst zu ihnen sagte. Er wollte sie dann später holen. Dazu kam es aber nicht mehr. Die gerichtsmedizinische Untersuchung lieferte am nächsten Tag die Ergebnisse telefonisch ins Kommissariat: „Der Metzgermeister Schmidt war vergiftet worden! In seinem Blut wurde Ameisengift gefunden“. Ameisengift? Wie gibt’s denn das? Keiner isst das freiwillig !! Der Kommissar kam wiederum in die Metzgerei, um den Angestellten von der Todesursache zu berichten. Frau Ringerl konnte es noch immer nicht fassen und war am Boden zerstört. Für sie brach eine Welt zusammen: „ Jetzt ist mir der Franzi gestorben, den Laden könn ma zusperrn wenn er uns keine Wurst mehr machen kann und den Leuten schmeckt ja schon nimmer mehr der Senf …“ jammert sie dem Kommissar vor. „Wie bitte?! Was ist denn mit dem Senf?“ will der daraufhin wissen. „Ich hab der Frau vom Herrn Mechl extra eine Schale von dem ganz frischen Senf mitgegeben, auch wenn er noch gar nicht abgefüllt war, weil ihr Mann doch so eigen ist und nur frische Sachen mag wenn er aus der Bank kommt. Vor einer Stunde hat sie angerufen und mir gesagt, dass ihr Mann jetzt ins Krankenhaus muss weil ihm von meinem Senf schlecht geworden ist. Derweil hat der doch dem Franzi immer so gut geschmeckt …“ und schneuzt dabei wieder kräftig in ihr Taschentuch. „Senf, aha! Ich mag ja keinen Senf. Eure Weißwürste schmecken mir auch ohne Senf. Aber darf ich mir den mal ansehn? Vielleicht brauch ich eine Probe fürs Labor …“ stellt er fest. Er geht mit der schon leicht betagten Karin Ringerl hinter in die Wurstküche, wo der Hans mit dem Franz noch am Vortag zusammen die Weißwürste gegessen hat und lässt sich den Eimer zeigen, wo sie seit einem Vierteljahrhundert ihren Senf zusammen rührt. „Ja, was ist denn da alles drin?“ fragt er nach dem geheimnisvollen Rezept des Hausmacher-Senfs. „Schaun´s alles, was da steht …“ Sie zeigt auf verschiedene Dosen und Behälter. Daneben lag noch eine Tüte vom großen Einkaufscenter. „Die Sachen hat der Franz ganz frisch am Samstagnachmittag noch in München eingekauft“. Sogar der Einkaufszettel lag noch drin. Der Kommissar begutachtet die Waren. Da ergänzt Frau Ringel: „Es war alles wie immer. Nur die Senfkörner waren diesmal in einer anderen Verpackung drin. Vielleicht eine andere Firma. Ich habs nicht lesen können, weil ich meine Brille nicht dabei hatte…“ Da graut es dem Kommissar vor seinem Verdacht. Auf dem Kassenbon stand auch noch Ameisengift! Das war jetzt wohl im Senf mit drin und die gute Seele Frau Ringel hatte den eigenen Chef auf dem Gewissen. Dem Metzgermeister war wohl wegen dem Weißbier zu jedem Bissen der veränderte Geschmack gar nicht aufgefallen. Die Karin probiert den Senf schon gar nimmer, „weil es ist ja eh seit 25 Jahren immer das Selbe“, wie sie sagt. Nur diesmal nicht. Der Fall war somit schnell gelöst und welch ein Glück, dass der Kommissar Bayerhammer seine Weißwurst nur ohne Senf isst. 

ENDE

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