Eine Mutter bewegt das Dorf

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Die Kids aus Oberschweinbach freuen sich jeden Montag auf Ihre „Übungseinheit“. Unterstützt wird Katja Kämpfer (2. Reihe rechts außen) inzwischen von Nadine Gschwandtner (links unten), Cathleen Bergelt (2. Reihe, links) und Michael Alert (rechts unten)

Oberschweinbach/Günzlhofen – Fußball spielen auf dem Land stellt an und für sich für die Kids kein allzu großes Hindernis dar, denn fast jedes Dorf hat seinen Fußballverein. Buben und Mädels, die sich aber nicht für die Sportart begeistern, waren dagegen in Oberschweinbach lange Zeit arm dran.

Für sie gab es im Dorf kaum eine Gelegenheit, sich sportlich „auszutoben“, jedenfalls bis vor einem Jahr.

Im Mai 2013 gründete Katja Kämpfer, Mutter von zwei Kindern, aus reinem Eigennutz, wie sie freimütig eingestand, beim VSST Günzlhofen eine Sportgruppe für Kids. „Unsere Kinder müssen sich bewegen und wegkommen von dem schwachsinnigen elektronischen Spielzeug wie Playstation oder Nintendo“, so die Motivation der 32-jährigen in einer Leichtathletik-Familie großgewordene Mehrkämpferin, die als ausgebildete Kampfrichterin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes bei Deutschen-, Europa-Meisterschaften sowie bis hin zum Weltcup-Finale eingesetzt wird. „Kinder wollen toben, klettern, hüpfen, springen und balancieren“, erläutert Kämpfer ihre Philosophie. 

Das fördere nicht nur die motorischen Fähigkeiten, sondern auch die geistigen. „Wir wollen den Kindern spielerisch die grundlegenden Bewegungsformen vermitteln, Grundtechniken verschiedener Sportarten beibringen und zum Fair Play erziehen“, so Kämpfer, und stellt zugleich klar: „Wir sind keine Geräteturnabteilung.“ Mit neun Kindern begann Katja Kämpfer, und ist heute stolz, dass inzwischen die Gruppe auf 40 Kinder angewachsen ist. „Hurra, es gibt endlich eine Alternative für die Kinder, die nicht Fußball spielen wollen“, jubelt die Lebensgefährtin von Armin Lachenschmid, ausgerechnet einem eingefleischten Fußballer des VSST. Geplant war anfangs die Übungsstunde für Kinder im Alter zwischen sieben und elf Jahren: Mittlerweile aber existiert eine zweite Gruppe für Kinder ab drei Jahren. 

„Mein Vorhaben entwickelte sich zu einem Selbstläufer“, freut sich Kämpfer über den Erfolg. Längst kann Kämpfer die wöchentliche Übungsstunde am Montagabend natürlich nicht mehr allein bewältigen bei der Vielzahl von Kids. Mit Nadine Gschwandtner, Cathleen Bergelt und Michael Alert stießen drei Elternteile aus den gleichem Beweggrund dazu: „Die Kinder müssen sich bewegen.“ Bei schönem Wetter geht`s auf den Sportplatz, bei schlechtem und im Winter in die Halle. Da fangen aber die Probleme an. In der alten Halle fehlt es an geeignetem Sportgerät. „Das wünschen wir uns“, so Kämpfer, die sich über jede Spende freut.

So auch über die 350 Euro-Spende, die der Vorsitzende des „Dorf mit Zukunft (DmZ), Christian Koch, nach einer Veranstaltung an Ostermontag, nun an die Kinderturnabteilung übergab. „Wenn ich zurückdenke, wie bewegungsmüde so manches Kind anfangs war“, lässt Kämpfer das erste Jahr Revue passieren. „Da jammerten die Kids schon nach eine Runde um den Sportplatz. Jetzt, ein Jahr später sind längst zwei Runden drin und dann bleibt noch genug Ausdauer und Kraft fürs Springen über Bananenkisten in die Weitsprunggrube. Die Kinder, die nach jedem Training mit einem zufriedenen Lächeln und den Worten „bis nächste Woche“ heimgehen, ist für uns Motivation genug, jeden Montag wieder in der Halle oder auf dem Sportplatz zu stehen“, so Kämpfer.

Dieter Metzler

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