Mit Abstand zu Gott

Kirchen im Landkreis dürfen unter Auflagen wieder Gottesdienste feiern

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Nicht nur offene Türen bei der Erlöserkirche, nun auch wieder Gottesdienste.

Landkreis - Die meisten Kirchentore waren geöffnet, doch den Weihrauchgeruch, den Kerzenschein und die Gesänge suchte man vergebens. Seit den Ausgangsbeschränkungen finden keine Gottesdienste mehr in den Gotteshäusern statt. Doch seit dem 4. April ist dies wieder erlaubt – unter strengen Auflagen. Dabei wird eines klar: Vor allem die Gesänge wird man vorerst weiterhin vermissen.

„Die Kirche sieht furchtbar aus“, sagt Markus Ambrosy von der evangelischen Erlöserkirche. Damit meint er die vielen bunten Hinweisschilder, die einem vor allem etwas verbieten. Die neue Art Gottesdienste zu feiern, nennt er deshalb „ungewohnt“. Sicherheitsabstand von zwei Metern zwischen den Gläubigen, keine freie Platzwahl, Mundschutz und Desinfektionstücher zählt Ambrosy die nötigen Übel in Zeiten von Corona auf. Einweiser werden den Gottesdienstbesuchern ihre Plätze zeigen. „Wir haben schon gescherzt, dass wir uns Flugbegleiter-Uniformen zulegen“, erzählt Ambrosy und weiß, dass man in der Krise seinen Humor nicht verlieren darf. Mit dem Einhalten des Mindestabstandes bleiben in der Erlöserkirche noch 30 Plätze.

Gläubige für das Abendmahl müssen sich vorab melden

Das „Notprogramm“ oder die „reduzierte Form“ eines Gottesdienstes dauert nicht länger als 60 Minuten und gesungen wird nicht. „Unter den Masken bekommt man eh schlecht Luft, da ist Singen nicht möglich“, erklärt Ambrosy dazu. Auch das Abendmahl fällt aus – zumindest bei der Evangelischen Erlöserkirche. „Es ist eigentlich ein Mahl der Gemeinschaft, mit Zange und Desinfektionsmittel wäre Corona präsenter als der Gottesdienst selbst“, erklärt er. Anders sehe es da beispielsweise bei der Brucker Klosterkirche aus, wie Pfarrer Otto Gäng erzählt: „Vor dem Abendmahl wird der Ablauf den Besuchern nochmal genau erklärt.“ Hier müssten sich die Besucher außerdem vorab telefonisch anmelden. Die Teilnehmerzahl ist auf 80 bis 100 Personen begrenzt, denn nur so viele Plätze sind mit dem Mindestabstand möglich. „Für den 11 Uhr Sonntagsgottesdienst sind wir bereits fast ausgebucht“, erzählt Gäng. 

Hochzeiten, Konfirmationen und Taufen fallen aus

Bei all dem Nachmessen und Sicherheitskonzept erarbeiten fällt dem katholischen Pfarrer eine Sache besonders schwer: „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, das man nun einfangen muss. Man schreibt selbst das Sicherheitskonzept und erwischt sich dann trotzdem bei etwas. Man muss dieses Tier sozusagen neu konditionieren.“ Auch wenn mit dem Öffnen der Kirchen wieder ein kleines Stück Normalität zurückkehrt, weiß Ambrosy, dass es lange nicht das selbe ist: „Die Leute werden nach den Gottesdiensten direkt heimgehen. Für viele ist er jedoch einer der wenigen Kontaktpunkte in der Woche. Man sitzt gern noch zusammen auf einen Kaffee oder verabredet sich. Das fällt weg.“ Zudem fallen weiter Großveranstaltungen wie Hochzeiten, Konfirmationen oder Taufen aus. 

Digitalisierung erreicht den Kirchenaltar

Doch auch positive Erfahrungen oder Erkenntnisse konnten beide Pfarrer aus der Krise mitnehmen. „Ich war total überrascht, dass wir bei unseren Video-Gottesdiensten bis zu 180 Zuschauer hatten, teilweise mehr als bei den normalen“, erzählt beispielsweise Ambrosy. Außerdem entdeckte man hier ganz neu die „offene Kirche“. „Unsere Kirchentore standen von 8 bis 18 Uhr immer weit offen, das zog viele Leute herein“, schildert er und will das ähnlich beibehalten. Auch Otto Gäng weiß: „Auch nach Corona wird sich einiges ändern“ und meint damit die Digitalisierung. So kamen hier die „Gedanken zum Sonntag“ überraschend gut an. „Es hat mich verblüfft, aus welchen Ecken Deutschlands wir hierzu Rückmeldungen bekommen haben“, erzählt der katholische Pfarrer. 

Nicht alle Kirchen dürfen öffnen

Wer nun hofft, er könne am Sonntag gleich wieder in seine Kirche gehen, sollte sich lieber vorher informieren. Denn Markus Ambrosy prognostiziert: „Da ein Mindestabstand von zehn Metern vom Pfarrer oder Dekan zum ersten sitzenden Besucher eingehalten werden muss und viele Gotteshäuser das nicht hergeben, sind wohl etwa die Hälfte der Kirchen noch gar nicht bespielbar.“ So kündigt das katholische Pfarramt Olching beispielsweise an: „Aufgrund staatlicher und kirchlicher Vorgaben können derzeit in St. Stephanus, und in St. Johann Nepomuk keine Gottesdienste gefeiert werden.“ Nur in für St. Elisabeth sowie in St. Peter und Paul wäre dies ab 7. Mai möglich.

Miriam Kohr

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