Abstand halten und abwarten

Kleingartler in der Ameisensiedlung nehmen Auszeit von Alltag und Coronavirus

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Die achtjährige Lena nutzt die coronafreie Schulzeit und spielt mit Mama Sabine im Schrebergarten Federball.

Fürstenfeldbruck - Normalerweise sind um diese Jahreszeit die Kleingartler in der Ameisensiedlung an der Amper ganz nach dem Motto „Im Frühjahr der Bauer die Rösslein einspannt“ beschäftigt, was so viel bedeutet, jetzt wird kräftig angepackt, Beete angelegt, gesät oder auch Bäume geschnitten sowie sich Zeit genommen, den Schrebergarten mal so richtig vor dem Saisonstart aufzuräumen. Auch wenn es in den 105 Parzellen der Gartenanlage immer um diese Jahreszeit sehr geschäftig zugeht, so ist bei genauerem Hinsehen heuer doch alles ein wenig anders.

Auffallend viele Kids tummeln sich in den Gärten, und das kommt bekanntlich nicht von ungefähr. Die Corona-Pandemie zwingt die Menschen auf Distanz und beeinflusst auch irgendwie den Tagesrhythmus der Hobbygärtner und ihre Familien. „Ich bin froh, nicht nur für meine Tochter Theresa, sondern auch für mich, dass wir diese 178 Quadratmeter „Freiheit“ haben“, sagt Kindergärtnerin Natalie (44) zu ihrem grünen Kleinod an der Amper. Der Kleingarten sei ihre Oase, so wertvoll für die Familie in dieser schweren Zeit. Man habe alle sozialen Kontakte auf ein Minimum zurückgefahren, berichtet die 44-Jährige, die eigens unbezahlten Urlaub genommen hat, um für ihre achtjährige Tochter ständig da zu sein. „Das ist es mir Wert“, sagt sie. Einen Sommerurlaub wird es heuer ohnehin nicht geben, glaubt Natalie. 

Sabine, die Mama der achtjährigen Lena, ist ebenfalls heilfroh, dass sie einen Schrebergarten zur Verfügung hat. „Wir haben den Garten von Anfang an in Familienbesitz“, erzählt sie. „Im Moment nutzen wir halt den Garten mehr zum Spielen als zum Bepflanzen. Das hat noch ein bisschen Zeit.“ Natürlich weiß die kleine Lena, warum die Schule bis zum 19. April geschlossen ist. „Wegen dem blöden Corona-Virus“, sagt sie. Mama Sabine, die einer Teilzeitbeschäftigung nachgeht, teilt sich die Kinderbetreuung mit einer befreundeten Familie. „Dort treffe ich meine Freundin Lara“, erzählt Lena. 

Die Eltern von Lara haben die Möglichkeit Homeoffice zu machen. Schade findet Lena allerdings, dass sie ihren Freizeitbeschäftigungen derzeit nicht nachgehen kann. „Ich mache Selbstverteidigung, Ballett und bin bei den Brucker Faschingsfreunden“, freut sie sich darauf, wenn „das mit dem Virus wieder vorbei ist.“ Der 54-jährige Virgil, der als Lkw-Fahrer viel Kontakt mit Menschen hat, klettert extra vom Baum herunter, den er gerade zurechtschneidet. „Wir sind froh, dass wir den Garten haben“, berichtet er, als seine Frau gerade mit dem Radl von der Arbeit kommt. Corina (45) arbeitet als Service-Kraft im Brucker Klinikum. Sie haben den Garten seit drei Jahren und freuen sich jedes Mal, wenn sie im Grünen wieder Kraft tanken können. Beide wissen bestens, wie sie sich vor dem Virus schützen müssen. „Regelmäßig Hände waschen, desinfizieren und Abstand zu den Mitmenschen halten, keine Hand geben.“ 

Dieter Metzler

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