Kolumbianisches Drogen-Dealer-Trio sitzt seit Dezember 2013 in U-Haft  –  Rauschgift-Deal in Germering wird derzeit vor dem Landgericht München II ...

Ein Kilo Kokain am Parkplatz übergeben - direkt in die Hände eines verdeckten Ermittlers

+
Das Beispielbild des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord zeigt einen kiloschweren Kokain-Fund bei einem anderen Rauschgift-Delikt. 

Germering - Ist Germering ein Drehkreuz des internationalen Kokain-Handels? Mit seiner verkehrsgünstigen Lage nahe der Autobahn und unweit von München mit seinen vielen Millionären, außerdem mitten in Europa,  ist die Große Kreisstadt strategisch sicherlich günstig gelegen. Doch das scheint nicht der Hauptgrund, weshalb es im Dezember letzten Jahres auf einem Parkplatz zur Übergabe von einem Kilogramm Kokain gekommen ist.

Das Rauschgift wurde am hellichten Nachmittag von einem 52-jährigen Germeringer und zwei Kolumbianern (35 und 46 Jahre alt) an einen verdeckten Ermittler übergeben. Seither sitzt das Trio in Untersuchungshaft. Ein dritter Kolumbianer, Jahrgang 1977, war als Kurierfahrer an dem Geschäft beteiligt. Er wurde im März gefasst und sitzt nun auch hinter Gittern. 

Ende August hat nun die Verhandlung wegen Handels mit Betäubungsmitteln gegen das Quartett vor dem Landgericht München II begonnen. Der Rentner aus Germering gestand am ersten Prozesstag, dass er den Deal eingefädelt hatte. Dem mutmaßlichen Drogenkurier, zuletzt wohnhaft in Hannover, legt die Staatsanwaltschaft Beihilfe zur Last, den andern Drei bandenmäßigen unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Der 35- und der 46-Jährige sollen über Spanien der Anklage zufolge „einen länderübergreifenden, schwunghaften Handel mit Betäubungsmitteln im mehrstelligen Kilogrammbereich“ betrieben haben. Ihnen drohen mehrjährige Haftstrafen. 

Die Übergabe von 992,9 Gramm Kokain für 48 000 Euro fand am 19. Dezember 2013 gegen 15 Uhr auf einem Parkplatz statt. Der verdeckte Ermittler des Landeskriminalamtes, dessen wahre Identität den Drei verborgen war, hatte seine Kollegen informiert. Das Trio wurde verhaftet und sitzt seither in Untersuchungshaft. Der wegen einer Erkrankung frühverrentete 52-Jährige lebte mehrere Jahre in Spanien, wo er mit Haschisch dealte und deshalb mehrere Jahre im Gefängnis saß. Ihm legt die Anklage zur Last, für die 35 und 46 Jahre alten Kolumbianer Kontakte zu Abnehmern in Deutschland hergestellt zu haben. Die beiden lebten bis zu ihrer Festnahme in Spanien. 

Mit Blick auf die Erkrankung seines Mandanten kündigte der Verteidiger des Germeringers ein umfassendes Geständnis an. Dieser begann seine Geschichte im Jahr 2011 mit einem anderen Kolumbianer, den er im spanischen Gefängnis kennengelernt hatte. Über ihn hatte er Kontakt zu einem Spediteur aus Wien, über diesen ein halbes Jahr später zu „Luis“, der sich am Nachmittag des 19. Dezember 2013 als Kriminalbeamter entpuppte. Er erzählte von diversen Anfragen des Wieners sowie von Luis, ob er nicht Kokain besorgen könne. Nach Darstellung des Germeringers erhoffte er sich in beiden Fällen durch eine erfolgreiche Vermittlung die Möglichkeit auf „irgendeine Beschäftigung“. Luis schilderte er zudem als äußerst sympathisch, „ein Mann von Welt“ und Besitzer eines Segeljachtverleihs. Es sei „immer über Kilos“ geredet worden, doch zu einem Geschäft sei es zwei Jahre lang nicht gekommen. „Ich habe ja kein Koks gehabt“, erklärte der Germeringer. Also habe er über seine Bekannten in Spanien kolumbianischer Herkunft versucht, einen Deal in die Wege zu leiten. 

Der Kontakt zu dem Spediteur brach Ende 2011 ab, doch mit Luis sei fast schon eine Freundschaft entstanden – zudem habe der immer wieder nach Kokain gefragt. „Wie kommt er drauf, eineinhalb Jahre nachzufragen“, wo der 52-Jährige doch keine entsprechenden Kontakte hatte, erkundigte sich der Vorsitzende Richter Oliver Ottmann. „Ich wollte mich ein bisschen wichtig machen“, erwiderte der Angeklagte. „Ich habe gesagt, ich kann was vermitteln, ich suche.“ Einmal habe er 50 Kilo Koks erwähnt, die er erwarte und wo es Probleme gebe, sagte der Germeringer. Im Dezember schließlich gelang die Vermittlung. Der Kontakt zu dem 35-Jährigen kam über jenen Kolumbianer zustande, den der Germeringer eingangs erwähnte. Der Vorsitzende monierte das teilweise sehr lückenhafte Gedächtnis des Germeringers. Der Prozess dauert an. 

Ariane Lindenbach

Auch interessant

Meistgelesen

Mit Picknickkorb zum Kloster
Mit Picknickkorb zum Kloster
Ballenpresse fängt Feuer
Ballenpresse fängt Feuer
Kran durchbricht Fenster und schüttet Beton in Wohnung
Kran durchbricht Fenster und schüttet Beton in Wohnung
Grundschüler ernten und kochen gemeinsam
Grundschüler ernten und kochen gemeinsam

Kommentare