Auf Konfrontation

Die BBV-Mitglieder Erich Löfflath, Klaus Pleil und Hardy Baumann präsentierten ihre Sicht der Dinge zum Viehmarktplatz. Foto: Schäftlein

Die Sorge um ein lebenswertes und vertretbares Stadtbild brachte am vergangenen Donnerstag zahlreiche Bürger ins Hotel Post, mehr, als der Raum eigentlich aufnehmen konnte. Die städtischen Pläne zur Viehmarktplatz-Bebauung und der Grundstückstausch für eine Stadtwerke-Verlagerung waren die kritischen Themen einer hochemotionalen Bürgerdiskussion.

Die Gründung einer Bürgerinitiative mit bereits angelaufener Unterschriftenaktion und dem Ziel eines Bürgerbegehrens mit Bürgerentscheid wurde mit diesem Abend konkreter. Erich Löfflath bat im Vorfeld der erwarteten Wortmeldungen und im Auftrag der BBV-Vorstandschaft um Sachlichkeit und Fairness „ohne Aggression und Polemik“ – wohl ahnend, wie schwierig dieser Abend werden könnte. BBV-Stadtrat Klaus Pleil stellte bildgestützt im Sachvortrag parallel die beiden Projekte vor: EInmal nach den Plänen der Brucker Rathaus-Mehrheit aus CSU/FW/SPD und einmal nach den Vorstellungen der Brucker Bürgervereinigung. Eine grundsätzliche Übereinstimmung zum Viehmarktplatz besteht darin, Bewohner wie auch Kaufkraft in eine noch attraktivere Stadtmitte zu bringen. Alle anderen Gesichtspunkte gehen zum Teil weit auseinander. Die BBV plädiert für den Erhalt der ebenerdigen Kfz-Stellplätze (derzeit 150 in der gesamten Platzanlage), was auch vom Brucker Gewerbeverband als Lösung mit höherem Nutzen gesehen wird, und ist für die Beibehaltung des wöchentlichen Grünen Marktes. Sie regt die Einrichtung kontinuierlicher Marktstände im Charakter des Münchner Viktualienmarktes an und ist gegen eine zubetonierte Platzgestaltung nach dem Buchenauer Beispiel am Geschwister-Scholl-Platz (Klaus Pleil: „Die ist nicht so wahnsinnig toll.“). Die BBV ist gegen die Verlegung der notwendigen Parkplätze in eine Tiefgarage (erbaut auf Kosten der Kommune und mit einem verbleibenden Rest von lediglich 25 frei zugänglichen Plätzen) und gegen ein marktbeherrschendes Einkaufscenter des Investors mit MediaMarkt, Textilketten und Billigläden. Sie plädiert stattdessen für die Einrichtung inhabergeführter Geschäfte. Die geplante Stadtwerkeverlagerung aus der bisherigen Enge mit zum Teil historischen Gebäuden am Ende der Bullachstrasse ist nach Einschätzung von BBV-Mann Klaus Zieglmeier zwingend erforderlich: „Die Gebäude sind inzwischen überwiegend marode. Das passt zu keinem modernen Unternehmen.“ Das Stadtwerke-Aufsichtsratsmitglied unterstrich die Bemühungen des Unternehmens um weitere Selbständigkeit: „Ein Aufkauf durch die E.ON konnte verhindert werden.“ Klaus Pleil bemängelte die komplette Verlagerung des Unternehmens auf die so genannte „Hundewiese“ an der auslaufenden Rothschwaiger Straße/Kreuzung Cerveteristraße. „Wieder der ungeeignete Versuch, ins Stadtgebiet ein Mini-Gewerbegebiet zu integrieren.“ Vor allem missfalle der Grundstückstausch zum Nulltarif mit dem dortigen Grundinhaber, der für seine landwirtschaftliche Fläche mit dem bisherigen Stadtwerkegrund ein Filetstück in der Brucker Innenstadt an Amper und Flussaue für seine Baupläne erhielte. Die bessere Lösung wäre eine Umsiedlung in das Gewerbegebiet Hasenheide, auch wenn nach Auskunft des zuständigen Stadtratsreferenten dem entgegenstünde, dass die Stadtwerke heute kein produzierendes Gewerbe, sondern ein Dienstleister sind. Aus dem Publikum ergaben sich zahlreiche, teils heftige Einsprüche gegen die Rathauspläne, insbesondere zur Viehmarktplatz-Bebauung. Sie betrafen die künftigen Großanlieferungen über die Pucher Straße zum neuen Einkaufscenter ebenso wie die durch diesen Bau sinkende Wohnqualität oder die zu erwartenden Erschütterungen und Schäden über eine längere Bauzeit für anliegende historische Gebäude durch schwerstes Baugerät. Aber auch die künftige Parkplatzregelung stand in der Kritik („Wenn nicht mehr genügend Parkplätze zur Verfügung stehen, kaufe ich dort nicht mehr ein!“) wie auch die „dilettantischen“ Projektausschreibungen und nichtöffentliche finanzielle Transaktionen unds Preisvereinbarungen für beide Projekte. Auf die Frage, was man gegen die Stadtratsbeschlüsse noch unternehmen könne, antwortete Erich Löfflath: „Eine BI gründen, mit Bürgerbegehren zum Bürgerentscheid.“ Eine erste Sitzung der Bürgerinitiative soll bereits an diesem Mittwoch stattfinden. Die Besucher aus CSU-Kreisen – unter anderem der 2. Bürgermeister Hans Schilling, die Stadträte Maria Röhl, Franz Höfelsauer und Karlheinz Stoklossa – hatten es dagegen schwer, mit ihren Stellungnahmen im Hotel Post durchzudringen. Veit-Peter Walther, selbst Viehmarktplatz-Betroffener in der Ludwigstraße 2, drückte schließlich die vorherrschende Meinung der Anwesenden zu den bisher gefassten Beschlüssen zum Viehmarktplatz so aus: „Sie sind nicht notwendig und auch nicht gewollt, weder von Bewohnern noch Gewerbetreibenden. Innenstadtbelebung? Das trägt nicht dazu bei.“

Meistgelesen

Menschenkette gegen Fremdenhass
Menschenkette gegen Fremdenhass
Schüler präsentieren ihre Projekte
Schüler präsentieren ihre Projekte
Starkbierfest im Zeichen der Wahl
Starkbierfest im Zeichen der Wahl
Naturjuwele fusionieren
Naturjuwele fusionieren

Kommentare