SPD lud zum Politischen Aschermittwoch mit prominenten Liedermachern ein

Klare Botschaft mit Konstantin Wecker

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Konstantin Wecker im Stadtsaal FFB.

Fürstenfeldbruck - Mit Standing Ovations feierte das Publikum Konstantin Wecker, Prinz Chaos II. und ihre insgesamt fünf Mitstreiter.  Klare Positionen bezogen die Liedermacher bei ihrem von der Kreis-SPD ins Leben gerufenen Politischen Aschermittwoch der Liedermacher im Brucker Stadtsaal. Für die 600 Zuschauer gab es viel zum Schmunzeln, Lachen – und vor allem zum Nachdenken. Musik und Kabarett statt Polit-Größen und Partei-Reden: Das neue Aschermittwochs-Konzept der SPD ist voll aufgegangen.

Michael Schrodi, Prinz Chaos

So ganz  ohne Parteibeflaggung – wie vom SPD-Unterbezirkschef Michael Schrodi angekündigt – ging's zwar nicht. Die beiden roten Banner an den Seiten des Saals hielten sich aber angenehm im Hintegrund. Und auch Schrodi drohte lediglich mit einer SPD-Rede, ehe er von Prinz Chaos II. damit geschickt ins Programm auf der Bühne eingebunden wurde und dabei durchaus kabarettistisches Talent an den Tag legte. „Das braucht man als Sozialdemokrat in Bayern“, sagte Schrodi mit einem Augenzwinkern im Gespräch mit dem Kreisboten.

 Dass die Liedermacher-Veranstaltung überhaupt stattfand, war nach dem schrecklichen Zugunglück in Bad Aibling keine Selbstverständlichkeit. Zahlreiche Aschermittwochs-Veranstaltungen fielen der Trauer zum Opfer. Und auch in der SPD hat man laut Schrodi lange beraten. Am Ende kam man zu dem Schluss: „Gerade in solchen Zeiten muss auch Platz für Heiterkeit und kabarettistische Spitzen sein“, so Schrodi. Und so durfte Roger Stein zum Beispiel die vermeintliche Liberalisierung der Homosexualität in Bayern aufs Korn nehmen und die Diskrepanz zwischen gesprochenem Wort und Handeln demaskieren. Cynthia Nickschas übte mit ihrer Rockröhre Materialismus-Kritik. Und Christoph Weiherer mit seiner Hans-Söllner-Attitüde eher für den brachialen, aber nicht minder kritischen Humor zuständig. Viel Applaus gab es auch für Sarah Lesch.

Roger Stein,  Cynthia Nickschas, Prinz Chaos

Die junge Liedermacherin stand ursprünglich nicht auf dem Programm. Sie durfte als Überraschungsgast auf Einladung von Konstantin Wecker aber nicht nur singen, sondern auch einen sehr persönlichen Text vortragen, der nach den Vorfällen von Köln und Hamburg den Sexismus überall verortet – nicht nur bei Flüchtlingen, sondern auch und vor allem im Alltag, unabhängig von Nationalitäten und Geschlechtern.

Konstantin Wecker selbst ließ dem Nachwuchs viel Raum. Lange Bühnenpräsenz brauchte der Altmeister auch nicht, um das Publikum auf seine Seite zu bringen. Nicht altersweise sei er geworden, sondern altersgrantig, sagt er und bezog auch in der Flüchtlings-Debatte eine gewohnt deutliche Position: „Denkt mit dem Herzen“, fordert er das Publikum auf. Er legte die Mitschuld Deutschlands als wetltweit drittgrößtem Waffenexporteur an den Krisen der Welt schonungslos offen. Er kritisierte die AfD, die sich im Zuge der sexuellen Übergriffe in Köln plötzlich die Frauenrechte vor sich her trage würden und hatte trotz der SPD-Ausrichtung des Abends auch die eine oder andere kabarettistische Spitze in Richtung der Genossen im Gepäck. Spätestens als alle Protagonisten des Liedermacherabends aber gemeinsam auf der Bühne standen und Weckers Antifaschismus-Hymne „Sage Nein!“ zum Besten gaben, war dies nicht nur eine klare Botschaft und ein Gänsehaut-Moment, sondern auch aktueller denn je.

Andreas Daschner

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