Diskussion zum Fliegerhorst

Denkmalschutz und Düsenjäger

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Die Verwaltung wurde beauftragt die Folgekosten für die Instandhaltung der Jets zu kalkulieren.

Wie geht man nach dem Abzug der Bundeswehr mit dem historisch bedeutsamen Bestand auf dem Gelände des Fliegerhorsts um? Hierüber wurde auf der jüngsten Sitzung des Konversionsausschusses lange und kontrovers diskutiert.

Fürstenfeldbruck – Geschichte dokumentieren ja, aber wie weit soll man in Sachen Denkmalschutz gehen? Was ist wünschenswert und was steht einer sinnvollen zivilen Nutzung im Weg? Welche Gebäude nach der Verlegung der Offiziersschule der Luftwaffe nach Roth erhalten werden sollen war Gegenstand einer lebhaften Diskussion des Konversionsausschusses im großen Sitzungssaal des Brucker Rathauses. Der Architekt und Kunsthistoriker Matthias Wieser stellte den Stadträten zu Beginn der Sitzung seine umfangreiche Studie vor, die den Gebäudebestand des Fliegerhorsts unter denkmalpflegerischen Aspekten bewertet. Zwei Jahre lang hat der Experte das Gelände akribisch unter die Lupe genommen und den Bestand in verschiedene Kategorien unterteilt.

"Hier ist die Zeit stehengeblieben"

Das Areal der ehemaligen Luftkriegsschule mit Hörsaal, Aula und Paradeplatz stellen für Wieser ein Ensemble dar, wie es 1936 erschaffen wurde und an dem aus seiner Sicht „nicht gerüttelt werden kann. Hier ist die Zeit stehen geblieben.“ An diesen Gebäuden lehnt Wieser bauliche Veränderungen kategorisch ab. Beim ebenfalls denkmalgeschützten Kilometerbau, der tatsächlich „nur“ 871 Meter lang ist, sei dagegen ein vorsichtiger Zubau vorstellbar. Wünschenswert wäre für den Kunsthistoriker eine denkmalverträgliche Nutzung, denn „ein Gebäude, das nicht genutzt wird, verfällt letztendlich.“ Im Umfeld des großen Hangars sowie der Kfz-Werkstätten sieht Wieser noch am ehesten Spielraum für bauliche Maßnahmen, da hier im Laufe der Zeit ohnehin Veränderungen vorgenommen wurden. 

Belange des Naturschutzes berücksichtigen

Für Andreas Ströhle (BBV) geht das alles zu weit. Er lehnt eine großflächige Konservierung der Nazibauten grundsätzlich ab. „Die Zeit steht eben nicht still. Wir wollen daraus einen neuen Stadtteil bauen.“ Zwar kann sich auch Ströhle vorstellen, Teile unter historischen Aspekten und zu Dokumentationszwecken zu bewahren, aber für ihn würde beispielsweise auch ein 50 Meter langes Teilstück des Kilometerbaus ausreichen, statt den Bau in seiner ganzen Länge stehen zu lassen. Auch andere Stadträte fragten sich, ob für die geplanten Wohnungen nebst Gewerbe noch genügend Freiraum bleibt, wenn soviel Bestand erhalten werden soll, zumal man auch noch Belange des Naturschutzes bei den Planungen berücksichtigen muss.Diskussionsbedarf gab es auch bei dem Antrag von Andreas Lohde (CSU) für den Verbleib von bis zu sechs der auf dem Fliegerhorst ausgestellten Flugzeuge. 

Stadt bekundet Interesse an Jets

Da diese eng mit der Geschichte des Standortes Fürstenfeldbruck verbunden sind, soll die Stadt Kontakt mit den Entscheidungsträgern der Bundeswehr aufnehmen, um ihr Interesse an diesen sogenannten Großexponaten anzumelden. Ob es allerdings „gleich sechs sein müssen oder aber auch ein paar weniger ausreichen“, hinterfragte nicht nur OB Erich Raff (CSU). Ferner spielt der Kostenfaktor eine nicht unwesentliche Rolle. „Jedes Flugzeug muss auch mit einem finanziellen Aufwand gepflegt werden“, gab Klaus Wollenberg (FDP) zu bedenken. Auch Christian Stangl (Grüne) wollte dem Antrag ohne eine konkrete Folgekostenrechnung nicht zustimmen. Entsprechend wurde die Verwaltung beauftragt, die Folgekosten für die Instandhaltung der Jets zu eruieren sowie ein Nutzungskonzept zu erstellen, während die Stadt ihr unverbindliches Interesse an den Flugzeugen bei der Luftwaffe bekundet.

Peter Fischer 

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