Korruption zerstört Länder – Ehemaliger Bankier Caspar von Hauenschild sprach in FFB über die von ihm geleitete Organisation Transparency Internat ...

er frühere Münchner Bankier Caspar von Hauenschild referierte auf Einladung der „Brucker Zeitgespräche“ in der ev. Erlöserkirche zum Thema „Erfolgreich im Kampf gegen Korruption?“ Foto: Günter Schäftlein

Der ehemalige Bankier Caspar von Hauenschild sieht die Aussichten beim weltweiten Einsatz gegen die Korruption mit der von ihm mitgeleiteten Organisation "Transparency International" durchaus sinnvoll und langfristig auch erfolgreich. „Wir leisten dazu Basisarbeit. Wir wollen aufklären, aufzeigen. Wir sind jedoch kein Aufklärungsverein für einzelne Fälle.“

Dennoch wurde zufällig ein Einzelfall für ihn selbst zum bisher „größten medialen Erfolg“: Die Angelegenheit Zumwinkel im Februar 2007. Seine eigene Aussage, dass die Schweiz und Liechtenstein Beihilfe zur Steuerhinterziehung leisten würden, wurde selbst vom SPIEGEL als Schlagzeile aufgegriffen. Caspar von Hauenschild ist überzeugt, dass Wirtschaftskorruption weltweit gewaltige Geldsummen vernichtet. Geld, dass dringend für eine humanere Welt gebraucht wird. Den Ausführungen des ehemaligen Bankiers - „Der Vorstand unserer Organisation ist hochgradig und von Experten besetzt!“ - zum Antikorruptionskampf folgten zahlreiche Zuhörer im Gemeindesaal der evang. Erlöserkirche. Wirtschaftskorruption untergrabe die Spielregeln eines funktionierenden Marktes. Die Vereinigung Transparency International halte als Initiative dagegen, mache Skandale dieser Art durch Rankings und Ratings publik. Jedes an der Initiative beteiligte Land habe seine eigene Organisation. „Wir sind jedoch keine strategischen Berater und auch kein Umerziehungsinstitut!“ Rankings bedeuten wie üblich, dass international Rangplätze vergeben werden für den Grad der Bestechlichkeit. Bestnoten erhielten dabei in der Regel die skandinavischen Länder wie Finnland und Dänemark, aber auch Neuseeland; Deutschland, Österreich und die Schweiz lägen um die Plätze 15 bis 18. Schlechte Bewertungen - und das kaum überraschend - gäbe es für Russland, China, Indien, Brasilien und fast alle afrikanischen Staaten. Bei deren allgemeiner Armut wären die „kleinen Gefälligkeiten“ jedoch in der Regel ein überlebenswichtiges Element. In der Zeitrechnung sieht Caspar von Hauenschild bis 1993 die Korruption noch als „Kavaliersdelikt“. Ab 1998 hätten die OECD-Länder reagiert: Bestechungsaufwendungen durften nicht mehr steuerlich absetzbar sein. Die Bestechung ausländischer Amtsträger wurde strafbar. 2002 erfolgte die Heraufsetzung des Strafmaßes. 2007 gründete sich die Korruptionsprävention. Seit 2011 bestehen weitere rechtliche Verschärfungen - auch in China, Russland, Brasilien. Die OECD geht gegen Steuerhinterziehung vor. Auch die römisch-katholische Kirche schaltete sich in die Auseinandersetzungen in den unterschiedlichen Wirtschaftssystemen ein: Papst Benedikt XVI. stellte grundsätzlich „das Primat der Moral über das Eigeninteresse der Wirtschaft“. Der bekannte Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman sieht das jedoch genau umgekehrt. Caspar von Hauenschild, „Banker“ und Aufsichtsrat in der Transparency International Deutschland e.V., beurteilt auch seine eigene Motivation, sich hier einzubringen. Sie entspränge einer gewissen Lust an der Empörung. Aber - es müsse sich auch lohnen, gegen etwas zu sein: In diesem Falle gegen die Korruption. Als geborener Norddeutscher wäre er ein ordnungspolitischer Fanatiker. „Fast ein Fundamentalist!“ Zu recht, denn „Korruption zerstört Länder!“ Die Weltbank registriert/ dokumentiert jedes Jahr um die 80 Milliarden Dollar geflossene Bestechungs-/Schmiergelder. Von Hauenschild, dessen Vater in den Endvierziger Jahren des letzten Jh. Mitinitiator des dt. evang. Kirchentages war, sieht in den Turbulenzen der Bayer. Landesbank keine strafbaren Tatbestände sondern „eklatante Fehlentscheidungen, auch auf Druck aus der Politik“. Mehr ärgert ihn die bisherige Geheimniskrämerei der Bundesregierung im Entwurf des Steuerabkommens mit der Schweiz bis zu seiner Unterzeichnung: Zum Schutz des Schweizer Bankgeheimnisses wird durch eine Pauschalsteuer auf die Einlagen deutscher Staatsbürger denselben gleichzeitig Straffreiheit gewährt. Aber: „Die Schweizer Bänker sind sehr kreativ im Nachdenken über neue Möglichkeiten …“

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