»Mobbing kann jeden treffen«

Kostenfreies Online-Event zum Thema Cybermobbing anlässlich des Internationalen Kindertages am 1. Juni

Das „Stark im Netz“-Event findet am 1. Juni anlässlich des Internationalen Kindertages statt und widmet sich insbesondere dem Thema Cybermobbing.
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Das „Stark im Netz“-Event findet am 1. Juni anlässlich des Internationalen Kindertages statt und widmet sich insbesondere dem Thema Cybermobbing.
  • Claudia Becker
    vonClaudia Becker
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Germering – Mobbing kann jeden treffen. Diese Aussage dahingestellt, stellen sich viele die Frage, ob sie jemals diese Erfahrung gemacht haben, jemanden kennen, der bereits gemobbt wurde oder gar selbst schon einmal zum Mobber wurden. Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben schreibt auf seiner Internetseite, dass Schätzungen zufolge etwa 1,6 Millionen Deutsche unter Mobbing am Arbeitsplatz leiden. Die Dunkelziffer wird dabei weit höher sein, denn viele melden die Schikane eines Arbeitskollegen oder des Chefs aus Angst gar nicht erst oder tun die Drangsalierung als Nichtigkeit ab. Was aber tun, wenn unsere Kinder gedemütigt und ausgegrenzt werden, sei es in der Schule oder im Sportverein. Gerade junge Menschen besitzen noch nicht das Selbstbewusstsein und Wissen, wie man am besten auf eine solche Situa-
tion reagiert.

Dieser Aufgabe hat sich die Germeringerin Daniela Kunath verschrieben, die mit ihrer Mobbingberatung insbesondere junge Menschen über ebendiese Thematik aufklären möchte. Ihr Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen spielerisch und altersgerecht Selbstbewusstsein mit auf den Weg zu geben, sie ihre eigenen Stärken und Schwächen erkennen und nutzen zu lassen, ihre eigenen und die Grenzen anderer zu akzeptieren und so dazu beizutragen, dass sie sich zu mental starken Erwachsenen entwickeln.

Seit elf Jahren arbeitet Kunath als Kommunikationsberaterin, berät Unternehmen und hat in der Zeit viele verschiedene Menschen und auch Führungsstile kennengelernt. Dabei hat sie mit Erschrecken festgestellt, wie sich die Stimmung in den letzten Jahren und gerade in der aktuellen Corona-Krise gewandelt hat. Eine Beratung, die zunächst für die Unternehmerwelt gedacht war, wurde kurzerhand auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen adaptiert. „Das ist die wichtigere Zielgruppe“, sagt Kunath. Denn es könne mehr bewirkt werden, wenn man in jungen Jahren bereits ansetze. Die Prävention stehe hierbei im Fokus, „damit es gar nicht erst zum Mobbing kommt“, sagt Kunath. Im Hinblick auf den anstehenden Internationalen Kindertag hat sich die Organisation Stark ins Neue ein Online-Event mit dem Hauptaugenmerk auf Cybermobbing ausgedacht. Kostenfrei können Kinder, aber auch Eltern oder Lehrer und Erzieher an den digitalen Sitzungen teilnehmen. Kinder ab einem Alter von neun Jahren sowie Eltern und Pädagogen erwartet ein umfangreiches Kursangebot, welches von mehr als 200 Trainern des «Stark ins Neue»-Netzwerks angeboten wird. Eine von ihnen ist Daniela Kunath aus Germering. Ihr Ziel ist es, ein Zeichen gegen den zunehmenden Trend setzen, der sich während der Corona-Pandemie immer mehr herauskristallisiert hat und gemeinsam präventiv und aktiv gegen Hetze, Hass und Ausgrenzung im Netz vorgehen. Gegründet hat sich die Initiative Ende letzten Jahres. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder mental zu stärken – für ein selbstbestimmtes und glückliches Leben.

Verlagerung in die digitale Welt

Die klassische Form des Mobbings, die gezielte soziale Ausgrenzung einer Person, die verbal, aber auch körperlich durch Gewalt ihren Ausdruck finden kann, hat sich immer mehr in die digitale Welt verlagert. Soziale Medien wie Instagram, Snapchat oder TikTok, aber auch Klassen-Chatgruppen tragen ihr Übriges dazu bei. Und das Netz vergisst bekanntlich nie. Kunath startet bereits früh mit ihren aktuell lediglich online stattfindenden Kursen. Kinder ab einem Alter von fünf Jahren werden dabei spielerisch an die heikle Thematik herangeführt. Begriffe wie Täter und Opfer bleiben zunächst Außen vor, da sie für die kleinen Kinder zu abstrakt sind. Oft sei es so, dass die Mobber selbst unter einer Form der Unterdrückung leiden und sich auf die Suche nach einem Ventil des Dampfablassens einen Schwächeren als vermeintliches Mobbingopfer aussuchen. Kunath versucht genau an diesem Punkt anzusetzen. Mithilfe von Rollenspielen will sie den Kindern und Jugendlichen anschaulich begreifbar machen, wie es ist, die jeweilige Position einzunehmen. „Jeder soll fühlen, wie es ist, geärgert zu werden, aber auch ein Erfolgserlebnis zu bekommen“, so Kunath. In Selbstbehauptungskursen sollen die Heranwachsenden ihr Selbstbewusstsein stärken und lernen, wie sie in einem Mobbingfall mit der akuten Situation umgehen können. Gezielte Strategien sollen dabei helfen.

Cybermobbing-Erfahrung bei jedem dritten Kind ab acht Jahren

„Jedes dritte Kind ab acht Jahren hat bereits Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht“, sagt die Kommunikationsexpertin. In der Regel erhielten Kinder mit dem Übertritt zu einer weiterführenden Schule ein Smartphone. Mobbing über digitale Medien breitet sich unter Schülern rasant aus und betrifft mittlerweile alle Schulformen, auch Grundschüler seien einer Studie zufolge bereits betroffen. Fast zwei Millionen Schüler seien somit aktuell von Cybermobbing betroffen – und das mit steigender Tendenz. Die Anonymität des Internets mache es den Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, einfacher zu mobben. Eine direkte Konfrontation findet nicht statt und der Gemobbte kann nicht direkt reagieren. „Die Hürde ist geringer. Vor allem in Gruppendiskussionen. Ist die Stimmung bereits negativ, fällt es vielen leichter auch etwas Gemeines zu schreiben“, sagt Kunath. Damit sei der sichere Hafen, das Zuhause, gestört und Kinder fühlen sich in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr wohl, da durch das Handy eine permanente Erreichbarkeit geschaffen wurde. „Es greift 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Zuhause, in der Freizeit, ohne Pause. Das geht an die Substanz“, erläutert die Beraterin.

Germerings Mobbingberaterin Daniela Kunath.

Auch Eltern seien in ihrer Vorbildfunktion gefragt. Kinder lernen viel mehr durch das, was ihnen gezeigt, nicht was ihnen gesagt wird. Wenn die Eltern also Partybilder online stellen, ist es schwer den Kindern dies zu verbieten. „Keine Bilder von Kindern online stellen“, rät die Mobbingberaterin. „Die Kinder müssen in der digitalen Welt begleitet werden“, ergänzt sie dabei. Man wisse nie, wer an diese Fotos kommt und was damit gemacht werde. Screenshots, aber auch Fotomontagen seien schwer nachzuverfolgen. „Ist es erst außer Kontrolle geraten, wird es sehr schwierig für die Betroffenen zu handeln“, so Kunath. Mobbing an sich sei noch kein Delikt, welches strafrechtlich verfolgt werden könne. Erst einzelne Handlungen wie Verleumdung oder Beleidigung können zur Anzeige gebracht werden. Nicht nur aufgrund des Homeschoolings habe die tägliche Online-Zeit bei Jugendlichen stark zugenommen. Unter der Woche sind Schulkinder durchschnittlich drei Stunden pro Tag online, am Wochenende sogar sechs.

Mit dem Kind zusammensetzen

Wenn das eigene Kind gemobbt wird, sei es wichtig, so Kunath, die Situation ernst zu nehmen und nicht abzutun. Gefühle wie Angst oder Scham dürften in keinem Fall bestraft werden. „Man sollte im Fall von Cybermobbing auch nicht pauschal das Handy entziehen“, sagt Kunath. Sondern sich mit dem eigenen Kind zusammensetzen und besprechen, wie die weiteren Schritte auszusehen haben, ob beispielsweise Hilfe von außen notwendig sei. Die Folgen des Mobbings können verheerend sein. Mobbing macht krank, psychisch wie physisch wie Studien belegen. Depressivität, aber auch Suizidgedanken und andere psychosomatische Beschwerden können zunehmen – und das bis hin ins Erwachsenenalter.

Stark-im-Netz-Kurse

Der Kinderkurs von Daniela Kunath findet am Dienstag, 1. Juni, um 11 Uhr, der für die Erwachsenen am gleichen Tag um 20 Uhr über Zoom statt. Die Teilnahme ist jeweils kostenlos und auch kurzfristig noch möglich. Eine Teilnehmerbegrenzung gibt es nicht. Eine Anmeldung ist notwendig.

Weitere Kursangebote für den 1. Juni gibt es auf der Website.

Claudia Becker

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