Kreisbauerntag 2009 in Landsberied - Agrarmärkte sind Finanzmärkte

Ein breites Themenspektrum deckte der Kreisbauerntag 2009 des Bayerischen Bauernverbandes ab, der am vergangenen Samstag im Gasthof „Zum Dorfwirt“ in Landsberied statt fand. Das Hauptreferat hielt der Vorstandsvorsitzende des BayWa Konzerns, Klaus Josef Lutz. Er referierte über aktuelle Entwicklungen auf den Agrarmärkten und ihre Auswirkungen auf die europäische sowie globale Agrarpolitik der Zukunft.

Kreisobmann Johann Drexl freute sich, dass er auch heuer wieder hochrangige Politiker sowie zahlreiche Vertreter aus Politik, Behörden und Ämtern, Banken sowie landwirtschaftlicher Organisationen und Verbänden begrüßen konnte. Nur die Grünen glänzten durch Abwesenheit. „Sie haben das Haberfeldtreiben gegen Bauernpräsident Gerd Sonnleitner unterstützt“, kritisierte der Kreisobmann. „Jetzt aber haben sie keine Zeit für uns. Wir wissen das zu werten“, so Drexl, der den Hausherrn und Landsberieder Bürgermeister Korbinian Hillmeier, Landrat Thomas Karmasin sowie Landtags-Vizepräsident Reinhold Bocklet, SPD-Landtags-Abgeordnete Kathrin Sonnenholzner, Freie Wähler Kreisvorsitzenden Michael Leonbacher und FDP-Kreisrat Ulrich Bode für ein Grußwort gewinnen konnte. Landrat Thomas Karmasin dankte bei seinem Grußwort dem jetzigen Landtags-Vizepräsidenten und ehemaligen Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Reinhold Bocklet, für die „flankierende“ Unterstützung bei der Entscheidung des „Grünen Zentrums“ in Puch. Auf Bocklets Betreiben setzten sich seinerzeit die beteiligten Parteien an einen Tisch. Gemeinsam einigten sich das Landwirtschafts- und Finanzministerium, sowie der Landkreis und der Bauernverband über das weitere Vorgehen auf dem Staatsgut Puch. Karmasin begrüßte die Entscheidung und meinte, es sei an der Zeit, es jetzt auf den Weg zu bringen. Das geplante „Grüne Zentrum“ mit Verwaltung, Schule und Praxis könne Pilotfunktion für ganz Bayern haben, meinte der Landtags-Vizepräsident Reinhold Bocklet, der nach dem Streit über die Milchpreise die Bauern aufrief, mehr Geschlossenheit ihres Berufsstandes nach außen hin zu zeigen. SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner meinte in Anlehnung an das Grußwort von Landsberieds Bürgermeister Hillmeier, dass Optimismus den Bauern nicht schaden könne. Auch sie unterstütze das neue Agrarzentrum und forderte die Wiedereinführung der abgeschafften Ernährungsberatung. Der Kreisvorsitzende der Freien Wähler, Michael Leonbacher freute sich, dass er beim Kreisbauerntag ein Grußwort sprechen durfte, schließlich haben die Freien Wähler den vielen, von der Politik enttäuschten Bauern, den Einzug ins bayerische Parlament zu verdanken. FDP-Kreisrat Ulrich Bode begrüßte das „Grüne Zentrum Puch“ und hofft dabei auch auf mehr einkommenssteuerträchtiges Gewerbe. Bauern-Kreisobmann Johann Drexl berichtete von seinem inneren Zwiespalt bei den Auseinandersetzungen mit dem Kreisverband vom Bund Deutscher Milchviehhalter. Was soll man als Obmann machen, sich hinter die streikenden Bauern stellen? Er bezeichnete den Streik als größten Unfug und habe nicht mitgemacht. Dafür musste er sich den Vorwurf, er sei nicht solidarisch, mehrmals gefallen lassen. Gefreut hat den Kreisobmann, dass er mit seinem Sohn Andreas und Andreas Müller aus Wagelsried zwei Agrar-Meister ehren konnte. „Ihr habt Vorbildfunktion. Setzt euch für euren Berufsstand in der Öffentlichkeit ein“, gab er ihnen mit auf den Weg. „Wir beteiligen uns nicht an der Verstaatlichkeits-Orgie“, sagte der Hauptredner, der Vorstandsvorsitzende der BayWa Klaus Josef Lutz, bei seinem Vortrag über „Agrarmärkte der Zukunft – Entwicklungen EU-Märkte/Weltmärkte“. Der 85 Jahre alte Konzern konzentriere sich auch zukünftig auf das Genossenschaftswesen. Die Agrarmärkte seien aber längst zu Finanzmärkten avanciert. Trotz allem Auf und Ab auf den Agrarmärkten rechne er mit einer positiven Entwicklung. Durch den Eintritt von Spekulanten müsse man sich aber zukünftig auf große Preisschwankungen einstellen. Daher sei es auch schwierig, Prognosen abzugeben. Zum Ende der Veranstaltung äußerte sich Landtags-Vizepräsident Bocklet zur Grünen Gentechnik. Wer sich auskennt, wisse, dass auf dem Weltmarkt schon überwiegend gentechnisch veränderte Produkte angeboten werden, so Bocklet. „Das wird sich nicht mehr aufhalten lassen“, sagte der ehemalige Landwirtschaftsminister im Hinblick auf eine Sicherstellung der Versorgung der Weltbevölkerung. „Die Politik muss Überzeugungsarbeit leisten und Bedingungen schaffen, die die Menschen akzeptieren. Die übrige Welt wird sich von unseren Bedenken nicht aufhalten lassen.“ Literaturhinweis: In diesem Jahr erscheint das „Statistische Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 2008 erstmalig im NW-Verlag, dem Fachverlag für neue Wissenschaft. Neben der Darstellung umfassender Daten zu allen Bereichen der Landwirtschaft beinhaltet die Veröffentlichung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auch entsprechende Angaben der EU-Mitgliedstaaten. Neu stellen sich in der 52. Ausgabe die anschaulich aufbereiteten Übersichtsdaten der Weltagrarwirtschaft dar. Beispielsweise gewinnt aufgrund der Debatte um die Nutzung von Lebensmitteln zur Energieversorgung die Größe der Anbaufläche von nachwachsenden Rohstoffen und Energiepflanzen zunehmende Bedeutung. Statistische Ergebnisse zeigen in den letzten sechs Jahren eine erhebliche Zunahme an Anbaufläche: Die Gesamtfläche stieg von 840.000 ha auf 2.078.000 ha an. Mit über 500 tabellarischen Darstellungen. Wesentlicher Teil des Zahlenmaterials stammt aus den Beständen des Statistischen Bundesamtes sowie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, 624 Seiten. ISBN: 978-3-86509-885-6

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