In der DHL–Zustellbasis in Germering herrscht Hochbetrieb – bis zu 21.000 Pakte täglich

Rutschende Weihnachtsgeschenke

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Zustellbasenleiter Fabian Miesel vor dem Fließband in Germering.

Germering - Alle Jahre wieder herrscht zu Weihnachten in den Zustellbasen dieser Welt Hochbetrieb. Dann landen deutlich mehr Pakete auf dem Band, als es im restlichen Jahr der Fall ist. Doch was passiert dort mit den Paketen? Zu Gast in der DHL–Zustellbasis in Germering.

Ob groß, ob klein, ob hart oder weich, farbig verpackt oder schlicht braun, bis zu 10.000 Pakete laufen täglich über das knapp 70 Meter lange Fließband und werden in der Germeringer Zustellbasis an die verschiedenen Bezirke verteilt. Steht Weihnachten vor der Tür, herrscht auf dem Gelände im Germeringer Gewerbegebiet Hochbetrieb, dann können es auch mal 21.000 sein. Dann rollen acht Lastkraftwagen mit Anhänger auf das Gelände und stellen sich zur Entladung bereit. „Die Lastkraftwagen kommen alle aus dem Paketzentrum in Augsburg. Der erste kommt um 3.40 Uhr“, erklärt der Zustellbasenleiter Fabian Miesel, zuständig für Fürstenfeldbruck und Germering. Nach dem Entladen wandern die Pakete über die Hände der Mitarbeiter auf das vollautomatisierte Fließband. „Das ist das modernste Band, was es momentan in Zustellbasen für Pakete gibt“, sagt der 41jährige Jesenwanger. Die Pakete auf dem Fließband werden mit Leitcode nach oben gerichtet platziert. Denn zuteilen, sortieren und scannen, all das geschieht maschinell – mit Hilfe des Barcodes. „Wir starten die Maschine um 3.45 Uhr“, erzählt Miesel. Bis halb zehn läuft sie dann unter Aufsicht von zwei Maschinenführern. Somit werden in einer Stunde knapp 3.200 Sendungen geschafft.

48 Rutschen für jeden Bezirk

48 Rutschen transportieren die Pakete direkt zu den Zustellern.

Zu Weihnachten wurden in diesem Jahr zusätzlich, zu den bestehenden 89 Mitarbeitern, 25 weitere als Unterstützung eingestellt. Das sei nötig, da statt 9.000 bis 11.000 Pakete pro Tag, jetzt bis zu 21.000 über das Band laufen. Erst letzte Woche, am 14. Dezember, wurde bereits die 18.000 Marke geknackt. „Wir hatten 18 Brücken, normalerweise haben wir nur zehn“, erzählt Miesel. 18 Brücken entsprechen neun Lastkraftwagen mit jeweils einem Anhänger. Aber nicht alle Pakete landen auf dem Fließband, manche sind einfach zu sperrig. „Pakete ab einer Länge von 1,10 Meter werden nicht auf das Band gelegt“, erzählt Miesel. Die Pakete kommen nicht um die Kurven und müssten deshalb per Rollwagen an die richtigen Zusteller verteilt werden. Für die Pakete auf dem Fließband geht die Reise zu einem Scanner, der die Leitcodes der Pakete abgreift, den Zustellort ermittelt und dann das Paket in die jeweilige, richtige Rutsche des Zustellbezirks schubst. „In Germering haben wir 48 Rutschen,“ erzählt Miesel. Jede für einen anderen Bezirk. Über die Rutschen gleiten die Pakete dann bis kurz vor die Ladetore, an denen die Lieferwagen andocken. Per Hand räumt anschließend jeder Zusteller seine Pakete nach Belieben, Erfahrung und nach Adresse sortiert, im gelben Post-Fahrzeug ein. An die 220 Sendungen muss ein Fahrer jetzt auf seiner etwa 25 Kilometer langen Tour ausliefern, das sind 40 Pakete mehr als sonst. Der Zuwachs an Mitarbeitern bringt hier Vorteile. Durch zusätzliche Zusteller schrumpft der Bezirk, für den jeder verantwortlich ist, heißt weniger Stopps. Das wiederum bedeutet, er muss zu weniger Haustüren und kann, unterm Strich, mehr Pakete mitnehmen. Ebenfalls profitieren die Fahrer von der Kauflaune der Bürger. „An einem Haus wird man oft gleich mehrere Pakete los, weil mehr bestellt wurde“, sagt Miesel.

Wenig Folie und alte Adressen überkleben

Hier purzeln die Pakete herunter und werden von Hand in die Lieferwagen gepackt.

Auch wenn die Zusteller beim Stapeln auf Sticker, wie „Achtung Zerbrechlich“, achten und deshalb das Paket, zum Beispiel nicht im oberstem Fach platzieren, müssen die Absender sicherstellen, dass das Paket hinreichend geschützt ist. „Porzellan muss bruchsicher verpackt sein“, sagt Miesel. Ist ein Paket nur leicht beschädigt, die Ecke ist umgeknickt, wird das vor Ort repariert. Schwieriger wird das bei stark beschädigten Päckchen: „Sollte die Sendung komplett beschädigt sein, dass wir sie hier nicht nutzen können, gehen die Pakete zur „Nachverpackung“, zurück nach Augsburg. Im schlimmsten Fall wird der Absender informiert. Das sei unter anderem der Fall, wenn nicht nachgeprüft werden könne, ob in dem Paket noch alles drin ist, weil es aufgerissen ist“, sagt Miesel. Von ausgefallenen Paketverzierungen rät er ab: „Je weniger Folie, Bänder und Geschenkschleifen drauf sind, desto weniger muss man wegmachen, da die Maschine sonst nicht damit arbeiten kann.“ Doch egal wie gut man ein Geschenk verpackt, wenn es nicht ankommt, erfreut das keinen. „Das A und O ist, dass viele Kunden den Fehler machen die alten Paketaufkleber draufzulassen oder nicht richtig zu überkleben und die alte Codierung gelesen wird“, sagt Miesel. Deshalb: „Alle Aufkleber von Voradressen müssen abgerissen oder überklebt werden“. Durch den anderen Code wisse die Maschine sonst nicht wohin sie das Paket schicken soll. Solche Pakete landen auf einer extra Rutsche und müssen mühsam von Hand zugewiesen werden. Die letzten Pakete, die für den Christbaum bestimmt sind, können am 22. Dezember aufgegeben werden, dennoch rät Miesel je früher, desto besser. „Alles was bei uns am 24. Dezember über das Band gelaufen ist, kam auch rechtzeitig an.“

Felix Hamann

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