Phänomen "Fidget Spinner" 

Handkreisel wird Trend-Spielzeug

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Christopher Pink präsentiert seine zwei Fidget Spinner.

Ob in der Bahn, im Bus oder auf dem Pausenhof. Fast überall kann man Leute beobachten, wie sie mit den neuartigen, bunten Kreiseln hantieren. Doch was ist das eigentlich für ein Spielzeug, der Kreisbote Fürstenfeldbruck begibt sich auf Spurensuche.

Fürstenfeldbruck – Christopher Pink erinnert sich noch gut an jenen Tag, an dem er von einem etwa achtjährigen Jungen zum ersten Mal nach einem Fidget Spinner (gesprochen: Fidschit Spinna) gefragt wurde. „Ich hatte davor noch nie davon gehört und musste erst einmal googeln“, erzählt Pink, Inhaber von Game Asylum an der Amperbrücke. Der Junge sollte nicht der einzige bleiben, der sich nach dem unbekannten Kreisel erkundet. Innerhalb von wenigen Tagen kamen 20 weitere Kunden, Kinder und auch Erwachsene, zu ihm in den Laden und wollten einen Fidget Spinner erwerben. Für Pink stand fest: „Ich muss das so schnell wie möglich haben.“ Er telefonierte mit verschiedenen Händlern und bestellte das gewünschte Spielzeug. Das war vor etwa fünf Wochen.

"Gehen weg, wie warme Semmeln"

„Seitdem gehen sie weg, wie warme Semmeln“,erzählt Christopher Pink. Der erste Vorrat von etwa 80 Stück sei innerhalb von nur zwei Tagen vergriffen gewesen, sodass er sofort Nachschub bestellen musste. Pink nimmt ein Spielzeug in die Hand und erklärt, was es damit auf sich hat.

Erfunden für Kinder mit ADHS

Ein Fidget Spinner ohne Abdeckung mit Blick auf eines der vier Kugellager.

„Ein Fidget Spinner besteht aus drei Flügeln und einem Kugellager in der Mitte“, erklärt Pink. Ursprünglich wurde der Fidget Spinner bereits 1993 von Catherine Hettinger in Amerika erfunden, damit Kinder, die an ADHS leiden, während der Beschäftigung mit dem Spielzeug von ihrer Nervosität abgelenkt werden. 2005 lief dann das Patent aus. Fast 25 Jahre später nach der Erfindung entdeckten Spielzeughersteller den Kreisel für sich. In sozialen Netzwerken und im Internet lassen sich derzeit zahllose Videos von Menschen, die verschiedene Kunststücke mit den Fidget Spinnern durchführen, finden: Manche werfen den Handkreisel hoch und fangen ihn wieder auf, andere lassen ihn auf verschieden Fingern drehen oder balancieren ihn auf der Nase. Auch in Deutschland bildeten sich Fangemeinden in allen Altersklassen, ob zum Zeitvertreib oder als Konzentrationshilfe. „Der Kreisel war für kurze Zeit sogar fast ausverkauft“, sagt Pink.

Qualitätsunterschiede beim Material

Mittlerweile bieten nicht nur Spielläden das Modell mit den drei Flügeln an, sondern auch Tankstellen, Supermärkte und sogar Möbelhäuser. Einen einfachen Spinner, ein Plastikmodell mit Kugellager erhalte man bereits für drei Euro. Jedoch sei Fidget Spinner nicht gleich Fidget Spinner. „Es gibt böse Qualitätsunterschiede bei den Fidget Spinnern“.

Pink rät deshalb zu Modellen ab sechs Euro. Hierbei kann man zwischen sehr verschiedenen Varianten wählen. Ein Fidget Spinner aus Aluminium sei zum Beispiel hochwertiger als einer aus Plastik, ließe sich besser drehen, koste aber auch dementsprechend mehr. Dass sich der Fidget Spinner überhaupt „spint“, also dreht, dafür sind die Kugellager in der Mitte verantwortlich. „Das sind die gleichen wie bei Skateboards oder Inlineskates“, erklärt Pink. Sollte sich Spinner mal nicht wie gewünscht drehen lassen, könnten diese auch ohne Probleme ausgetauscht werden. 

Aufgrund der Vielzahl von Angeboten hat Pink für Neueinsteiger einen Tipp: „Alles was unter drei Euro kostet, da ist die Qualität beschissen“, sagt er. Gute Qualität mache sich unter anderem bemerkbar, wenn einem der Fidget Spinner auf den Boden fällt: „Beim Herunterfallen gehen sie nicht so leicht kaputt“, erklärt er. Dieses Pech hatte ein Junge, dessen Fidget Spinner nach dem Andrehen herunterfiel und nicht mehr ging. Bei Pink sucht er einen Neuen: „Den hat er von seiner Oma geschenkt bekommen“, erzählt die Mutter. Der Junge entscheidet sich für ein Modell aus Aluminium. Ein Freund von ihm hat auch einen. „Ich finde die lustig, es ist gut für die Konzentration und die Kinder unterhalten sich und sind nicht mehr die ganze Zeit am Handy“, fährt die Mutter fort. 

Kreisel fördert wohl die Konzentration

Auch Christopher Pink besitzt zwei Fidget Spinner, einen aus Aluminium und einen aus Plastik. „Wenn ich am PC sitze, kann ich mich besser konzentrieren“, sagt er. Warum der Fidget Spinner offenbar zum Trendspielzeug 2017 wurde, weiß er nicht, verwundern tut es ihn aber auch nicht: „Zu meiner Zeit war es ein Tamgotchi“, erzählt er. Was im nächsten Jahr kommt, kann er nicht sagen und wird deshalb einfach den Markt beobachten.

Felix Hamann

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