Gespräch mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. über Defizite bei der Gedenkkultur 

Dauerndes Ruherecht auch für Gefallene im Auslandseinsatz?

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Auf der historischen Kriegsgräberstätte Schwabstadl, die vom Volksbund betreut wird, ruhen 523 deutsche und 1.502 ausländische Kriegstote.

Fürstenfeldbruck – Nach derzeit gültiger Rechtslage werden in Deutschland  bei der Regelung des Gedenkens an gefallene Soldaten in den beiden letzten Weltkriegen und in den heutigen Auslandseinsätzen  offensichtlich unterschiedliche Maßstäbe angelegt.

 Die Gefallenen des Ersten und des Zweiten Weltkriegs haben ein sogenanntes „dauerndes Ruherecht“. Das garantiert der Staat; die gesetzliche Grundlage bildet das „Gräbergesetz“. Die Pflege ihrer Gräber wird weltweit durch den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge wahrgenommen. Angehörige der Bundeswehr, die im Einsatz ihr Leben lassen, werden im Einvernehmen mit den Angehörigen in ihrer Heimatgemeinde bestattet. Ihr Grab wird als „Ehrengrab der Bundeswehr“ gekennzeichnet. Der Bund übernimmt die Kosten für die Überführung und Bestattung sowie die Anlage und Pflege des Grabes aber nur für die ortsübliche Liegezeit. 

Stabsfeldwebel a.D. Peter Heuer aus Fürstenfeldbruck, als Reservistenbeauftragter für den Volksbund seit elf Jahren tätig, informiert dazu, dass der Volksbund seit längerem eine Gesetzesänderung fordere.  Bisher hat nur Sachsen die Bestimmungen geändert. Paragraph 6a des Sächsischen Bestattungsgesetzes sichert zu, dass für Ehrengräber von Angehörigen der Bundeswehr, deren Tod bei oder infolge einer besonderen Auslandsverwendung eingetreten ist, das Grab auch nach Ablauf der Ruhezeit auf Dauer bestehen bleibt und als öffentliche Last auf dem Grundstück ruht. 

„Wir wollen keinen Soldatenfriedhof für Bundeswehrsoldaten“, versichert Heuer. „Die Familien sollten weiter entscheiden, wo ihr bei einem Auslandseinsatz ums Leben gekommener Angehöriger die letzte Ruhe findet. Und der Staat sollte aber die Grundlagen schaffen, dass so ein Grab dauerhaft gesichert ist und sich auch finanziell an der Grabpflege beteiligen.“ Der Volksbund steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und hat bundesweit 1,7 Millionen Mitglieder und Förderer. In seiner Obhut befinden sich 832 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten mit etwa 2,5 Millionen Kriegstoten. Mehrere tausend ehrenamtliche und 566 hauptamtliche Mitarbeiter/innen erfüllen die vielfältigen Aufgaben des Volksbundes. 

Die Bundeswehr und der Reservistenverband unterstützen den Volksbund durch Arbeitseinsätze auf in- und ausländischen Kriegsgräberstätten, in Workcamps, bei Gedenkveranstaltungen sowie der Haus- und Straßensammlung. Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahre 1919, wurde der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge aus der Not geboren. „Die Reichsregierung war damals nicht in der Lage, sich um die Gräber der Gefallenen zu kümmern“, erzählte Heuer. Dieser Aufgabe widmete sich der Volksbund, der sich als eine vom ganzen Volk getragene Bürgerinitiative verstand. 

Während der NS-Regierung übernahm die Wehrmacht die Errichtung von Soldatenfriedhöfen und den Gräberdienst. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Volksbund seine humanitäre Tätigkeit wieder auf. 1954 beauftragte die Bundesregierung den Volksbund mit der Pflege der deutschen Soldatengräber im Ausland. Nach der Wende nahm der Volksbund auch in den Staaten des Ostblocks seine Arbeit auf, wo im Zweiten Weltkrieg etwa drei Millionen deutsche Soldaten ums Leben kamen, mehr als doppelt so viele, wie auf den Kriegsgräberstätten im Westen ruhen.

 Um die Erinnerungen an die Vergangenheit wach zu halten und die Lebenden mit den Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft zu konfrontieren, vermittelt der Volksbund unter anderem Fahrten zu den Kriegsgräbern, veranstaltet Jugendbegegnungen an Kriegsgräbern und Gedenkstätten und informiert in Schulen und Schulfreizeiten. Die nationalen und internationalen Jugendlager zur Pflege der Kriegsgräber sowie fünf Jugendbegegnungsstätten in Italien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden sowie auf dem Golm (Insel Usedom) bilden darüber hinaus ein Netzwerk der europäischen Jugend-, Schul- und Friedensarbeit.

 Der Volksbund finanziert seine Arbeit zu mehr als 70 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden, mit Einnahmen aus Erbschaften und Vermächtnissen sowie den Erträgen aus der jährlichen Haus- und Straßensammlung. Den Rest decken öffentliche Mittel des Bundes und der Länder. Beim Vergleich des Haus- und Straßensammlung der beiden vergangenen Jahre ergab sich in Bayern ein Rückgang der Einnahmen um vier Prozent. Während der Reservistenverband eine Zunahme von 2,4 Prozent erreichte, gingen die Einnahmen bei der Bundeswehr um knapp 11 Prozent zurück.

 Nach Aussage von Peter Heuer liegen die Gründe der Einbußen in der Aussetzung der Wehrpflicht, der Schließung von Bundeswehr-Standorten sowie der Auslandseinsätze von Soldaten. Aus diesem Grund wendet sich der Volksbund an Jugendgruppen, Vereine und Schulen mit der Bitte, sich als ehrenamtliche Sammlerinnen und Sammler zu bewerben. Ehrenamtliche Helfer erhalten zehn Prozent des Sammelergebnisses als Aufwandsvergütung. Die Haus- und Straßensammlung in Bayern findet seit  18. Oktober bis 3. November statt. 

Nähere Informationen erteilt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., Bezirksverband Oberbayern, Tel. 089-187598, Fax: 089-12779834 oder bv-oberbayern@volksbund.de

Dieter Metzler 

 

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