Der 73-jährige Hans-Peter Kimmerle aus Olching  nahm an der Einweihung des deutschen Soldatenfriedhofs teil 

Bewegender Moment: Olchinger erstmals am Grab seines in Russland gefallenen Vaters 

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Bewegende Momente erlebte der 73-jährige Hans-Peter Kimmerle aus Olching bei der Einweihung eines deutschen Soldatenfriedhofs in Russland. 

Olching – Als eine Reise, die er niemals vergessen werde, bezeichnete Hans-Peter Kimmerle aus Olching seinen sechstägigen Aufenthalt in Russland. Mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge war der 73-jährige Kimmerle Anfang August zur Einweihung des deutschen Soldatenfriedhofs in Duchowschtschina bei Smolensk nach Russland geflogen, um erstmals das Grab seines gefallenen Vaters zu besuchen. Erst vor Ort erfuhr der Olchinger, dass auch der damalige Verteidigungsminister de Maizière und weitere Persönlichkeiten gekommen waren. 

Neben dem emotionalen Höhepunkt der Reise, der Gedenkveranstaltung zur Einweihung des Soldatenfriedhofs für 70.000 deutsche Gefallene des Zweiten Weltkrieges, zeigte sich Kimmerle von dem „Land voller Gegensätze“ mit seinen vielen Menschen und seiner Kultur beeindruckt. So waren die Sicherheitskontrollen bei der Ankunft der knapp 200 Deutschen auf dem Flughafen Domodedovo, 50 Kilometer südlich von Moskau, extrem penibel, berichtete Kimmerle, was aber aufgrund der ständig zu befürchtenden Terroranschläge durchaus dem Sicherheitsbedürfnis der Russen entsprach und nachvollziehbar war. Untergebracht im feudalen Moskauer Hotel „Cosmos“, mit 3.000 Betten das größte Vier-Sterne Hotel Europas, lernte die deutsche Reisegruppe aber auch ein abbruchreifes Hotel in Smolensk kennen, wo man am zweiten Tag nach elfstündiger Busfahrt Quartier bezog. 

Der Eingang des deutschen Soldatenfriedhofs Duchowschtschina mit der russischen, deutschen sowie der Flagge des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Auf der Fahrt von Moskau nach Duchowschtschina, einem Dorf mit 4.500 Einwohnern nordöstlich der schönen, alten Universitätsstadt Smolensk mit 320.000 Einwohnern, nahmen die fünf Busse zunächst einen Umweg von 100 Kilometern in Kauf, um zu einer Andacht auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Rshew innezuhalten. Am dritten Tag des Russland-Aufenthalts fanden die Einweihungsfeierlichkeiten des deutschen Soldatenfriedhofs Duchowschtschina statt. Dank der hervorragenden Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und seiner russischen Partnerorganisation war es möglich, dass in Duchowschtschina letztlich bis zu 70.000 Kriegstote umgebettet werden können und damit die größte deutsche Kriegsgräberstätte weltweit entsteht. Derzeit sind dort über 30.000 deutsche Soldaten bestattet.

Verteidigungsminister Thomas de Maiziere mit den Söhnen von gefallenen deutschen Soldaten Alois Dapprich aus Höhenkirchen (li.) und Hans-Peter Kimmerle aus Olching (re.)priv.

 „Erst in der Früh erfuhren wir und die Presse, vermutlich aus Sicherheitsgründen, dass neben dem Vizegouverneur des Gebietes Smolensk, Igor Skobelew (im Rang eines Ministerpräsidenten auf unsere Verhältnisse bezogen) und dem Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte der Russischen Föderation, Generaloberst Wladimir Walentinowitsch Tschirkin, auch Bundesverteidigungsminister Dr. Thomas de Maizière sowie der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Reinhard Führer, an der Gedenkfeier teilnehmen werden“, berichtete Kimmerle. De Maiziere erinnerte an einen Satz von Albert Schweitzer, der einmal gesagt hat: „Soldatenfriedhöfe sind die großen Prediger des Friedens. Und er hat Recht: Ein Soldatenfriedhof wie dieser hier in Duchowschtschina ist ein Prediger des Friedens, weil er auch für die nachfolgenden Generationen sichtbar macht, welchen Preis die Völker für den Krieg zahlen.“

Die Stele mit dem Namen des Soldatenfriedhofs in deutscher und kyrillischer Schrift.

 Die Erinnerung an die dunkle Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs dürfe nicht verblassen, auch dann nicht, wenn es einmal keine Zeitzeugen mehr geben werde, so de Maizière. Vor Beginn der offiziellen Einweihung wurden fünf deutsche Soldaten beigesetzt, darunter der 500.000. vom Volksbund in Russland, Weißrussland und der Ukraine geborgene Kriegstote. Nachdem von diesen Soldaten keine Angehörigen mehr ausfindig gemacht werden konnten, nahm die deutsche Reisegruppe stellvertretend für die Angehörigen einzeln von ihnen am offenen Grab Abschied. Während der anschließenden Kranzniederlegungen, die Kränze wurden von russischen und deutschen Soldaten getragen, wurden die Namen der gefallenen Soldaten, deren Angehörige an den Einweihungsfeierlichkeiten teilnahmen, einzeln aufgerufen. „Als der Name meines Vaters Alfred Kimmerle aufgerufen wurde und sich über die Weite des Soldatenfriedhofs legte, war dies für mich der emotional bewegendste Moment“, schilderte Kimmerle seine Gefühlslage. Nach einer ökumenischen Andacht und mit dem Lied „Ich hatte einen Kameraden“ sowie der russischen und deutschen Nationalhymne endete die alle Teilnehmer bewegende Einweihungsfeier, an der auch russische Bürgerinnen und Bürger teilnahmen. „Es war eine erlebnisreiche und zugleich bewegende Reise, die keiner der Teilnehmer jemals vergessen wird“, schloss Kimmerle seinen Bericht über die „Reise in die Vergangenheit und zurück“, wie er sie bezeichnete.

 Dieter Metzler

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