Kriegsopfer - von Hiroshima bis Vietnam - Ausstellung im Landratsamt FFB

Jutta Remsing eröffnete die Ausstellung „Abseits der Schlachtfelder“ auf der Galerie des Brucker Landratsamts. Foto: Günter Schäftlein

Die vom Autor und Fotografen Till Mayer konzipierte Ausstellung „Abseits der Schlachtfelder“ ist bis zum 29. April auf der Galerie des Brucker Landratsamtes erlebbar. Sie ist ein Meilenstein in ihrer Direktheit. Die Fratze aller Kriege und Gewaltanwendung enthüllt die Grausamkeit von Menschen, von Tätern: Die Opfer bleiben zeitlebens mit äußeren und inneren Verstümmelungen zurück.

Im Beisein des aus Bamberg angereisten Till Mayer, von Repräsentanten des BRK-Kreisverbandes und des AK Mahnmal eröffnete Jutta Remsing vom Landratsamt die vom Münchner Merkur und dem Bayerischen Roten Kreuz getragene Ausstellung. BRK-Kreisvorsitzender Franz Neuhierl erinnerte an die Schlacht von Solferino 1859, die zur Gründung des Roten Kreuzes führte. „Die Menschen haben immer noch nicht vom Roten Kreuz gelernt. Es wird munter weiter Krieg geführt. Einzelschicksale zählen dabei nicht.“ Über Einzelschicksale berichtet Till Mayer in seinen Bildern und Texten, eindringlich und schonungslos. Vom „danach“, von Bedingungen, mit allen Verletzungen und Widrigkeiten fertig zu werden. Vor allem mit den elementarsten Lebenserfordernissen. Angefangen mit der Hiroshima-Überlebenden Sadae Kasaokas, heute 79 Jahre alt, die zwei Tage nach der Atombombe vom 6. August 1945 Vater und Mutter verliert. Verbrannt von der radioaktiven Strahlung. Oder Mau Sauy, ein hübsches Mädchen, 16 Jahre jung, in einem Dorf in Kambodscha. Eine von den mehr als 35.000 Menschen, die in den internen kriegerischen Auseinandersetzungen des Landes durch eine versteckte Landmine Füße, Beine oder Arme verlieren. Dabei wollte sie 1996 doch nur 100 m von der Familienhütte entfernt Schilf für ein neues Dach schneiden. Oder im Land nebenan, in Vietnam 2010. Noch in der 3. Generation nach dem von US-Streitkräften geführten Entlaubungskrieg mit ‚Agent Orange’ blickt die Bäuerin und Mutter Truong Thi Thuy auf ihre vier verkrüppelten, deformierten Kinder. Vier von insgesamt geschätzten 150.000 Agent Orange-Opfer mit genetischen Defekten. Der Deutsche Andreas Kerner, Jahrgang 1931, verabschiedete Heiligabend 1943 mit Mutter und Schwester seinen Vater an die Ostfront. Sie sollten ihn nicht mehr wiedersehen. Erst 2008 erfährt der Steinmetz im oberfränkischen Staffelstein und dank seiner Hartnäckigkeit nach jahrzehntelanger Suche die letzte Ruhestätte seines Vaters in der Ukraine, der als Gefangener bei einem Grubenunglück ums Leben kam. Der Verlust des Vaters schmerzt ihn bis heute. Ali Koroma, ein Bauer im westafrikanischen Sierra Leone, gerät 1998 in den seit 1991 und bis 2002 wütenden Bürgerkrieg. Veranlaßt von den heimischen „Blutdiamanten“ und ausgetragen auch von „Kindersoldaten“. In den völlig undurchschaubaren Konfliktfronten kommen Kämpfer ins Dorf, die ihm eine Hand und ein Ohr mit der Machete und dem Bajonett abschlagen - zur Abschreckung. Seine Frage schmerzt ihn selbst mehr als alles andere: „Mit einer Hand die Familie ernähren. Kann mir jemand sagen, wie ich das als Bauer machen kann?“ Till Mayer arbeitet als Informationsdelegierter seit Jahren eng mit den internationalen Organisationen vom Roten Kreuz und Roten Halbmond zusammen. Er engagiert sich für die Einhaltung der Genfer Konventionen und das humanitäre Völkerrecht. Seit 1991, bereits mit 21 Jahren, begleitet er Kriege und Konflikte auf dem Balkan, in der Türkei, auf Sri Lanka und im Irak. Sein Begleitbuch zur Ausstellung ist im örtlichen Buchhandel erhältlich. „Abseits der Schlachtfelder“, Ausstellung bis zum 29. April im Landratsamt FFB, Galerie. Während der Öffnungszeiten: Mo-Do 8-18, Fr 8-16 Uhr.

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