Krimi-Lesung eines heutigen Veterniäroberrats aus Tölz in der Brucker Stadtbibliothek - Von Wirten, Bauern, Viehhändlern und Metzgern

Er weiß, wovon er schreibt und erzählt atmosphärisch dichte Krimi-Geschichten um Wolfratshausen herum, der heutige Veterinäroberrat im Tölzer Landratsamt Dr. Georg Unterholzner. Schließlich war er auch schon in jungen Jahren neun Jahre lang Zögling im Kloster-Internat Schäftlarn, was ihn nicht unwesentlich prägte. Die Brucker Bibliotheksleiterin Diana Rupprecht war erfreut über diese Autorenzusage zu einem neuen Lesecafé-Frühstück mit Lesung, zumal 28 Zuhörerinnen und zwei ältere Herren sich dafür die Zeit nahmen. Der lesende Georg Unterholzner ist ein glänzender Zelebrant boarisch-oberländischer Dialoge - und damit beginnen seine kriminalen Geschichten und Hintergründe das Publikum bis zur Lautlosigkeit zu fesseln.

In seinem ersten Regionalkrimi „Die dritte Leich“ ist der Spannungsbogen zunächst noch reduziert, dem Alter der beiden detektivischen Hauptpersonen Kaspar und Max im Internat angemessen, denn sie sind erst um die 14 Jahre alt. Der Stoff um Kloster und Schule ‚Heiligenbeuern’ entwickelt sich zähl, aber unaufhaltsam logisch in der zweiten Nachkriegszeit: Aus einem Weltkrieg-II-Verbrechen, begangen an Frontkameraden, ergibt sich eine tödlichen Kettenreaktion in der klösterlichen Welt zwischen Loisach und Isar. Der Abt, ein Pater und ein Schülervater sind dabei - unvorhersehbar - die Opfer eines weiteren, damit zusammenhängenden Verbrechens, zu dessen Aufklärung die beiden Jungdetektive nicht unwesentlich beitragen. Im Fortsetzungsband „Schlachttage“ sind die beiden Protagonisten Kaspar und Max inzwischen im jungen Erwachsenenalter angelangt. Hier geht es nicht um ‚Kriegsschulden’, sondern um das zu vergebende Erbe nach angeblichem Unfalltod der ‚Schickin’, einer Bäurin „von spröder Unnahbarkeit und knochiger Arroganz“, ansässig in einem Austrag-Bungalow auf einem wahren Saustallhof in der Nähe von Wolfratshausen: Eine Dachplatt’n soll ihr bei starkem Wind mit Nagel auf den Kopf gefallen sein. Saudumm, aber doch kein Fall für die Polizei, wie die Pfarrersköchin anmerkt, denn „in Deining wird anständig g’storben, um’bracht wird da keiner!“ Das ist der Irrtum, wie sich dann über weitere 300 Buchseiten und zwei weiteren Untaten mit Todesfolge aufklärt und an dessen Handlungsrahmen der Hoferbe Schick-Steffl mit schwangerer Freundin ‚schöne Afra’, deren Bruder und Metzger Kilian Kandlbinder, der Viehhändler Lorenz Schwarz und Frau sowie die weitere anteilige Erbin und Tochter Theresia mit Ehemann und Juwelier Julius Korrer enger beteiligt sind. Es geht um Raffgier in jeder Weise und ohne jede Rücksichtnahme - und das im schönen bayerischen Oberland. Daß die Dinge sich dennoch restlos aufklären, ist - wie schon im ersten Buch - auch der Intelligenz des unterbezahlten und minderbeurteilten einfachen Kriminalinspektors Karl Huber geschuldet, der die mithelfenden und nachforschenden Kaspar und Max inständig bittet, dichtzuhalten: „Wenn die im Ministerium erfahren, dass ich meine Fälle von zwei Halbstarken lösen lassen muß, weil ich selber zu blöd dafür bin, dann werd ich nie Oberinspektor!“ Autor und Veterinäroberarzt Georg Unterholzner, nach seinen Schreibgewohnheiten befragt, outete sich, dass er gern morgens schreibt. „Im übrigen weiß ich, selbst wenn das Buch schon halb fertig ist, noch immer nicht, wie es aus geht …“

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