KID feiert Jubiläum

Erste Hilfe für die Seele

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Kümmern sich um Angehörige und Einsatzkräfte (von links): PSNV-Fachdienstleiter Wilhelm Gleixner vom BRK, katholischer Dekanatsbeauftragter und Notfall-Seelsorger Wolfgang Wilczek, sowie stellvertretender PSNV-Fachdienstleiter Jürgen Skrzypczak vom BRK.

Wenn Wilhelm Gleixner, Fachdienstleiter der Psycho Sozialen Notfallversorgung (PSNV) beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) Kreisverband Fürstenfeldbruck, sein Stellvertreter Jürgen Skrzypczak, der Leiter der Brucker Klinikseelsorge und Notfall-Seelsorger Wolfgang Wilczek oder einer der 15 ehrenamtlichen Kollegen zum Einsatzort gerufen werden, dann kommen sie ohne Blaulicht und Sirene – eben in stiller Anfahrt.

Landkreis – Angefordert werden sie, die täglich 24 Stunden ehrenamtlichen Bereitschaftsdienst leisten, von den Rettungsdiensten vor Ort. Wenn Polizei, Feuerwehr, Notarzt und Rettungssanitäter ihren Dienst fast erledigt haben, beginnt der Einsatz des Kriseninterventionsdienstes (KID).

Trost und Halt für Menschen

Seit 20 Jahren bestehen der KID des BRK und die Notfallseelsorge der Kirchen im Landkreis, die Menschen betreuen, die nach tragischen Ereignissen weniger körperlich, sondern möglicherweise seelisch traumatisiert sind. Sie leisten sozusagen „Erste Hilfe für die Seele“, überbringen Todesnachrichten und bleiben so lange bei den Trost und Halt suchenden Menschen, die gerade ihren Ehemann, ihre Ehefrau oder ein Kind verloren haben, wie es nötig ist. Sie sind aber auch Stütze und Halt für Feuerwehrleute, Polizeibeamte und Menschen, die auf der Straße grässlichste Unfälle anschauen mussten. Die 15 ehrenamtlichen Mitarbeiter des KID im Landkreis sind um ihre Aufgabe nicht zu beneiden.

Vorbild von 1994 aus München

Ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem ein Kind getötet wurde und die unverletzten Eltern ohne fachliche Betreuung an der Einsatzstelle zurückbleiben mussten, nahm der Rettungsassistent und Diakon Andreas Müller-Cyran zum Anlass, am 9. März 1994 im Arbeiter Samariter Bund München das weltweit erste Kriseninterventionsteam zu gründen, um solchen Situationen organisiert begegnen zu können. Der Stellenwert der Krisenintervention wurde nach anfänglichen Zweifeln in der Fachwelt nicht mehr bestritten, mittlerweile ist sie ein fester Bestandteil des Rettungsdienstes.

Zwei Dekane unterstützten das Vorhaben

Im Landkreis hat vor 21 Jahren der BRK-Kreisverband die Initiative ergriffen und einen Kooperationspartner gesucht, um die Betreuung Hinterbliebener nach plötzlichen und tragischen Todesfällen sicherzustellen, erzählt Wilczek, wie alles seinen Anfang im Landkreis nahm. Die beiden damaligen Dekane, Ulrich Finke und Monsignore Thomas Bachmair, unterstützten das Vorhaben, und so wurde die zunächst als „Notfallbetreuung Fürstenfeldbruck“ geführte Einrichtung von BRK und Kirche im Jahre 1998 ins Leben gerufen.

Aus 50 Einsätzen wurden über 200

In den ersten Jahren wurde der KID durchschnittlich 50 Mal zu Einsätzen von der Integrierten Leitstelle gerufen. „Das war noch einigermaßen händelbar“, berichtet Wilczek. Mittlerweile liegen die jährlichen Anforderungen drei- bis viermal so hoch. „Unser Rekordjahr war 2013 mit 250 Einsätzen.“ Inzwischen teilt man sich aber den wöchentlichen Bereitschaftsdienst mit dem Malteser Hilfsdienst aus Gröbenzell.

Betreuung bei schweren Todesfällen

Den Schwerpunkt bei der Notfallbetreuung bilden der plötzliche Tod daheim, eine erfolglose Reanimation, die Überbringung einer Todesnachricht mit der Polizei, sowie die Betreuung Angehöriger nach Suizid eines Familienmitglieds. „Von spektakulären Großschadenslagen beziehungsweise größeren Katastrophenfällen, die zwar die Arbeit ins öffentliche Bewusstsein rücken, sind wir in den vergangenen 20 Jahren hier im Landkreis – Gott sei Dank – verschont worden“, berichtet Wilczek, erinnert aber an die Bluttat eines Angehörigen in einem Brucker Altenheim vor mehreren Jahren, das schon in Richtung Großschadenslage tendiert.

Würdigung bei Jubiläumsfeier

Bei der 20-jährigen Jubiläumsfeier am 13. Oktober im Pfarrsaal St. Bernhard dankte Wilczek den Unterstützern und Kooperationspartnern, wie der Integrierten Leitstelle, dem KIT Gröbenzell, der Klinik, den Bestattern, Beratungsstellen, Gemeindeseelsorgern, Polizei, Feuerwehr, THW, Rettungsdienst und Notärzten. Der stellvertretende Landrat Johann Wieser sowie Stadtrat und Feuerwehrreferent Andreas Lohde als Vertreter der Stadt, würdigten in ihren Grußworten die Einrichtung.

Dieter Metzler

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