Landwirte machen gegen neue Düngeausbringung mobil

Wegen EU-Verordnung: Kühe müssen eigenen Kot fressen

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Die Güllerückstände in den Ballen des gemähten Grases (rote Kreise).

Eine Düngeverordnung der EU treibt die Landwirte im Landkreis auf die Palme. Durch die sogenannte bodennahe Gülleausbringung kommt es dazu, dass die Kühe ihren eigenen Kot fressen müssen. Die Landwirte machen gegen die Verordnung mobil.

Aich – „Wenn ich das sehe, dreht es mir den Magen um“, sagt Johann Schamberger, Kreisvorsitzendes des Bundes deutscher Milchviehalter (BDM). Er meint damit Kotrückstände im frisch gemähten Gras, das an die Kühe verfüttert werden soll. Schuld daran ist eine neue Technik zur Gülleausbringung, durch die der Kuhdung nicht mehr im Boden versickert, wo er als Dünger für die Feldfrüchte dienen soll.

Ziel der Verordnung ist der Rückgang der Ammoniak-Emission

Ab 2025 sollen die Landwirte dazu verpflichtet werden, Gülle auf Grünland bodennah und reihenförmig statt wie bisher flächenmäßig auszubringen. Ziel ist es, die Ammoniak-Emissionen bis zum Jahr 2030 um 29 Prozent zu senken. Der Aicher Johann Schmid und sein Sohn Andreas haben bereits auf die neue Technik umgestellt. Die Ergebnisse fallen katastrophal aus, wie die beiden Landwirte bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem BDM auf ihrem Hof erklären.

Gülle trocknet und Rückstände bleiben zurück

Während die neue Ausbringmethode auf Ackerland gut funktioniere, gebe es auf Grünland nur Probleme, führte Andreas Schmid aus. „Nach dem Ausbringen findet man nur eingetrocknete Düngewürste.“ Diese verrotten nicht und schaden dem Gras darunter. Doch damit nicht genug. Beim Mähen fänden sich die Rückstände des Kuhdungs in den Ballen. Und die werden wieder an die Kühe verfüttert. Johann Schmid schimpft: „Es kann doch nicht sein, dass die Tiere ihre eigenen Hinterlassenschaften fressen müssen.“

Neue Technik zu teuer

Dazu kommt laut Schamberger, dass die Technik für die neue Ausbringmethode – ein sogenannter Schleppschuh – vergleichsweise teuer sei. Das bestätigte auch Helmut Mößmer, Seniorchef der Fima Möscha, die einen alternativen Verteiler entwickelt hat. Laut Mößmer ist mit diesem weiter die flächenmäßige Ausbringung möglich, und dennoch könnten die Ammoniak-Emissionen gesenkt werden. Preis für den Flächenverteiler: 900 Euro.

„Für einen Schleppschuh der gleichen Breite zahlt man sicher bis zu 30.000 Euro“, sagt Mößmer. Das sind aber nicht die einzigen Kosten für die Landwirte. Um die Gülle gleichmäßig ausbringen zu können, wird laut Andreas Schmid bei der neuen Methode auch ein GPS-System benötigt, das die Familie eigens erwerben musste. „Das hätten wir sonst gar nicht gebraucht“, sagt der Aicher Junglandwirt.

Vor allem kleinere Landwirte stehen vor Problem

Wegen der Probleme bringen die Schmids mittlerweile keine Gülle mehr auf dem Gründland aus. Stattdessen müssen sie Mineraldünger teuer zukaufen und die Gülle auf ihrem Ackerland verteilen. „Das funktioniert bei uns noch, weil wir entsprechende Flächen haben“, sagt Andreas Schmid. Kleinere Landwirte könnten dort aber schnell auf Probleme stoßen.

Hoffnung auf Flächenverteiler

Bei diesen Schwierigkeiten handelt sich um keine Einzelfälle. Das bestätigten mehrere der rund 50 anwesenden Landwirte bei der Veranstaltung. Auch Lohnunternehmer Josef Hollinger sagt, dass er von seinen Auftraggebern immer häufiger Beschwerden wegen Güllerückständen im gemähten Grüngut bekomme. Schamberger will daher gegen die Verordnung vorgehen und eine Genehmigung für den Flächenverteiler erreichen.

BBV und BDM arbeiten zusammen

Dabei ist er sich auch der Unterstützung von Georg Huber, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) sicher. Während die beiden Verbandschefs nicht immer einer Meinung sind, wollen sie in dieser Frage an einem Strang ziehen, wie Huber erklärt: „Denn da läuft was schief.“ Und auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirte (AbL) setzte sich dafür ein, dass andere Verfahren als die bodennahe Gülleausbringung zugelassen werden.

Andreas Daschner

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