Deutsch-Französischer Künstler Henri Lallemand stellt in Fürstenfeldbruck aus 

Impressionistische Kunst mit Effekten:  Darf man Charles mit Zigarette malen?

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„Deux peintrés célèbres“ - zwei berühmte Maler. Henri Lallemand vor seinem Picasso-Bild bei der Ausstellung in FFB.  

Fürstenfeldbruck – „Henri Lallemand, der Maler“, wie er sich schlicht und einfach nennt, ist das Kind einer romantischen Liebe zwischen einem deutschen Soldaten und einer Französin, die nach dem zweiten Welt-Krieg zu einem Happy End in Deutschland führte. Jahrzehntelang lebte der Kunstmaler Lallemand in Frankreich und pendelte zwischen Ausstellungen in Portugal, Spanien und  seiner französischen Wahl-Heimat. Jetzt hat sich der Ruheständer im Umland von München niedergelassen  und zeigt derzeit auch in Fürstenfeldbruck einige seiner impressionistischen Gemälde. 

Bis zum 31. März sind seine Werke noch in der Deutschen Bank-Filiale in der Hauptstraße 24  zu sehen. Sie spiegeln Heiterkeit wieder - temperamentvolle Pferde in der Sumpf- und Seenlandschaft der Camargue, ein Hafen mit Segelschiffen an der südfranzösischen Küste, Blumen, eine Auktion. Ein Presse-Foto mit dem Künstler neben seinem Picasso-Porträt betitelte eine französische Zeitung: „Deux peintrés célèbres“ - zwei berühmte Maler. Ein Stilleben mit Obst und Gemüse entpuppt sich als Gesicht. Das  Bild, auf dem er  Charles und Camilla beim Picknick mit Freunden im Grünen darstellte, habe ihm schon öfters Kritik eingebracht, sagt der Künstler und lächelt. Manche Kunstfreunde seien gar nicht amused: Charles, der umweltbewusste Prinz mit Zigarette auf einem Gemälde? Lallemand nimmt es gelassen: Er liebt Überraschungseffekte – manche entdeckt man erst  auf den zweiten Blick. 

Lallemand, der schon als junger Schüler einen Malwettbewerb gewann und den Namen seiner französischen Mutter trägt,  hat den Impressionismus verinnerlicht - so sucht man Schwarz oder Erdtöne in seinen Bildern vergeblich. Farbe als Träger des Lichts:  Der Kunstmaler liebt die Gemälde großer Maler wie  Manet, Monet und Liebermann.

 1988 wanderte er nach Frankreich aus, zehn Jahre lang lebte und malte er in den Regionen Toulouse und Bordeaux, organisierte 120 Einzelausstellungen quer durch Frankreich und gewann dabei diverse Preise. 

Höhepunkte sind für ihn die Versteigerungen im Auktionshaus May & Duhamel in Roubaix, sowie Ausstellungen in den renommierten Galerien Everarts in Paris, Roger Betti in Toulouse sowie Nadine Granier in Albi. Im Anschluss daran lebt und arbeitet der Künstler in Andalusien in der Region Huelva und stellt auch in Spanien aus. 

Lallemand, dessen Ehefrau vor zwei Jahren verstorben ist, zog sich vor einiger Zeit aus dem turbulenten Kunstbetrieb zurück,  und er hat sich wieder in Deutschland niedergelassen. „Früher habe ich sechs Bilder im Monat  gemalt, jetzt male ich höchstens noch sechs Bilder im Jahr.“ Hunderte seiner Werke sind jedoch nach wie vor in Dauerausstellungen  zu sehen.  Portugal eigne sich als Austellungsort besonders gut:   Dort seien soviele Frauen im Öffentlichen Dienst beschäftigt, mit Zeit und Muße, sich um Kunstausstellungen zu kümmern, sodass der Künstler entlastet werde.  In Spanien, Portugal und vor allem in Frankreich habe die Malerei traditionell einen sehr viel höheren Stellenwert als in Deutschland. 

Hierzulande  frage man immer besorgt: „Und von was leben Sie?“ wenn Lallemand sich als Kunstmaler  vorstellt. Und diese Fragesteller erfahren dann mit ungläubigem Staunen: Profis wie er können und konnten von der Kunst leben.  Lallemands Tochter, der Enkel und weitere Angehörige wohnen in der Umgebung von München.  So hat sich auch der Kunstmaler im Ruhestand wieder in Deutschland angesiedelt.

 Aber sein französisches Blut kann und will Lallemand nicht verleugnen: Er bevorzugt die französische und die leichtere italienische  Küche, räumt aber ein, dass auch die deutsche Küche viele Köstlichkeiten zu bieten habe.   Auf die Frage, wo er am liebsten leben möchte, braucht er nicht lange  nachzudenken: „In Frankreich.“ Es sind wohl die herrlichen Kindheitserinnerungen an die Zeiten, die er bei seiner französischen Großmutter im Elsass im Dreiländer-Eck Deutschland, Frankreich, Schweiz verbrachte, die in ihm das Heimweh nach Frankreich wachhalten. Der Künstler mit den französischen Wurzeln vermisst  offenbar das unnachahmliche  Lebensgefühl der "Grande Nation":  Laissez-faire,  Leben und Leben lassen,  ein unkomplizierter Alltag:  „Das Leben in Frankreich ist lässig und leger“. Vor allem im deutschen Straßenverkehr fühlt sich Lallemand manchmal bedrängt: „In Deutschland wird aggressiv gefahren, in Frankreich kann man mit mehr Rücksicht rechnen, wenn man die Spur wechseln will.“ 

 Hedwig Spies

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