Fledermäuse kennenlernen bei Batnight

Kreaturen der Nacht

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Die im Landkreis sehr seltene Bechstein-Fledermaus: Sie jagt in Laub- und Mischwäldern, auch in Gärten und Parks. Sie ist in Deutschland stark gefährdet. Sie kann mit ihren breiten Flügeln gut manövrieren und wie ein Kolibri in der Luft stehen bleiben.

Mit ihren spitzen Zähnen und ledrigen Flügeln bewegt sich die Fledermaus irgendwo zwischen Vogel und Raubtier. Viele Menschen haben grade aufgrund dieses befremdlichen Aussehens, Angst vor dem nachtaktiven Flattermann.

Landkreis – Doch stellen sie überhaupt eine realistische Gefahr für den Menschen dar? Darüber versucht die jährliche „Batnight“ aufzuklären. Am letzten Augustwochenende gab es bundesweit Vorträge und Führungen zu den nachtaktiven Tieren. Fledermäuse leben grundsätzlich an dunklen Orten, die weder zu heiß noch zu kalt sind. Viele Arten bekommen Nachwuchs in sogenannten „Wochenstuben“ in Dachstühlen oder -böden von Kirchen und anderen hohen Gebäuden. Insofern sind Mensch und Fledermaus teilweise in unmittelbarer Nähe zueinander. Doch Kontakte gibt es eher weniger. „Fledermäuse sind sehr scheu und meiden den Kontakt mit Menschen soweit es nur geht“, erläutert Uschi Anlauf vom Landesverbund für Vogelschutz in Fürstenfeldbruck.Im Gegensatz zum Volksmythos trinken Fledermäuse, abgesehen von der amerikanischen Vampirfledermaus, kein Blut – schon gar nicht vom Menschen.

Verlorenen Fledermäusen Hilfestellung leisten

Ihre Nahrung besteht aus Insekten und Käfern aller Art. Dass sie Menschen beißen oder kratzen, kommt deshalb so gut wie nicht vor, außer sie werden aktiv in die Hand genommen oder anderweitig gestört.Sollte man sie trotz ihrer Nachtaktivität tagsüber antreffen, heißt das, dass sie es wegen Unwetter, Krankheit oder anderen Gründen nicht mehr rechtzeitig in ihre Nacht-Quartiere geschafft haben. Was durchaus vorkommen kann ist, dass eine verirrte Fledermaus in ein offenes Fenster oder eine Tür fliegt und nicht mehr hinaus findet. In diesem Fall sollte man das Licht im jeweiligen Raum löschen und warten bis die Fledermaus, vom Mondlicht geleitet, wieder den Weg hinaus findet.

Verletzungsrisiko gering halten

„Im Gegensatz zu Vögeln, können Fledermäuse nicht vom Boden aus den Flug starten“, informiert Anlauf. Um fliegen zu können müssen sie zunächst ein Stück von einer gewissen Höhe herunter fallen. Wenn die Fledermaus also auf dem Boden gelandet sein sollte, muss man ihr Starthilfe leisten. Hierbei sollte man möglichst dicke Arbeitshandschuhe tragen, um das Verletzungsrisiko, sowohl für das Tier als auch für einen selbst, möglichst gering zu halten. „Am besten legt man sie bei ausreichender Dunkelheit auf einen Fenstersims oder eine andere Anhöhe“, rät die Fledermaus-Expertin. Dabei sollte man sicherstellen, dass keine Gefahr für das Tier von Hunden oder Katzen ausgehen kann.

Tollwut kommt selten vor

„Es wurde nachgewiesen, dass Fledermäuse imstande sind den Tollwutvirus in sich zu tragen. Allerdings sind das wirklich sehr vereinzelte Fälle“, erklärt Uschi Anlauf. Zudem gibt es äußerst wenige Berichte von Mensch-Fledermaus-Kontakt im Landkreis. „Es sind höchstens vier bis fünf Fälle im Jahr“, betont sie. Das Risiko sich bei Fledermäusen mit Tollwut anzustecken ist also sehr gering. „In den letzten zehn Jahren gab es im Landkreis keinen Fall von Tollwut, weder beim Tier noch beim Menschen“, teilt Hans-Werner Merk, Veterinärdoktor beim Landratsamt Fürstenfeldbruck mit. Andere, auf den Menschen übertragbare Krankheiten, kommen bei Fledermäusen im Übrigen nicht vor.

Jan Wullimann

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