Inzidenzwert über 50

Der Landkreis ist Corona-Hotspot - Landrat richtet Appell an die Bürger

Karte des Robert-Kocht-Institut von Bayern, in der die Corona Risikogebiete eingezeichnet sind
+
In der Corona-Karte des Robert-Koch-Instituts ist neben München auch der Landkreis Fürstenfeldbruck rot markiert – dies bedeutet hier ist der Sieben-Tage-Inzidenz Wert über 50.

Landkreis – Der Landkreis Fürstenfeldbruck ist nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts seit 12. Oktober Corona-Hotspot.

Denn er hat mit dem Sieben-Tage-Inzidenz von 58,8 den Schwellenwert 50 überschritten. Damit erließ das Landratsamt am 13. Oktober eine Allgemeinverfügung, die noch bis zum 19. Oktober gilt.

So dürfen sich im Landkreis Fürstenfeldbruck im öffentlichen Raum seither nur noch maximal zwei Hausstände beziehungsweise nahe Angehörige oder Gruppen von bis zu fünf Personen treffen. Die Anzahl der Teilnehmer an Veranstaltungen wurde auf bis zu 25 Personen in geschlossenen Räumen oder bis zu 50 Personen im Freien beschränkt. Patienten in Krankenhäusern oder Senioren in Altenheimen dürfen nur noch einmal täglich von einem nahen Angehörigen besucht werden. Für die vorzeitige Beendigung der häuslichen Quarantäne ist nun ein zweites ärztliches Attest mit negativem Testergebnis, das zwischen dem 5. und 7. Tag nach der Einreise vorgenommen wurde, erforderlich. In Unterkünften für Asylbewerber gilt außerhalb der Zimmer eine Mund-Nasen-Bedeckungs-Pflicht. An allen weiterführenden und beruflichen Schulen im Landkreis, die zwischen 5. und 19. Oktober von einem Infektionsgeschehen betroffen waren, darf ab der fünften Klasse kein klassenübergreifender Unterricht wie Religion mehr stattfinden. Verstöße gegen die Allgemeinverfügung können mit bis zu 25.000 Euro geahndet werden. Die Allgemeinverfügung lässt sich im Detail unter lra-ffb.de nachlesen.

Aktuell gibt es im Landkreis 1.572 bestätigte Corona-Fälle, 36 Todesfälle mit Covid-19-Befund sowie 1.264 geschätzte Genesene. Daraus ergeben sich 272 Corona-Infizierte (Stand 14. Oktober) Der Inzidenzwert betrug am 14. Oktober 66,81. Wie geht es also weiter?

Weitere Maßnahmen könnten folgen

„Über dem Schwellenwert 50 gibt es keine Regelung nach dem Bayerischen Infektionsschutzgesetz“, informiert Pressesprecherin des Landratsamtes Ines Roellecke. So liegt es nun im Ermessen des Landratsamtes in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt weitere Schritte, wenn nötig, einzuleiten. „Wir beobachten stetig das Infektionsgeschehen“, versichert Roellecke. Das bedeutet, dass das Gesundheitsamt genau analysiert, wo vermehrt Infektionen auftreten und woher diese kommen. So kann sich das Landratsamt, sollten die Infizierten-Zahlen weiter stark ansteigen, individuelle und punktuelle Maßnahmen vorstellen. Je nachdem also, wo es vermehrt zu Neuinfektionen kommen wird, können Beschränkungen erlassen werden. Analysiert das Gesundheitsamt beispielsweise den Vereinssport oder öffentliche Veranstaltungen als Infektionsherd, so werden in höchster Wahrscheinlichkeit auch dort strengere Maßnahmen folgen.

„Wo viel getestet wird, gibt es viele positive Testergebnisse“

Pressesprecherin des Landratsamtes, Ines Roellecke

Doch warum gehört ausgerechnet der Landkreis zu den roten Flecken, also Risikogebieten, im Freistaat? „Eine hieb- und stichfeste Kausalitätserklärung“, wie es Roellecke nennt, gebe es nicht. Doch sie versucht es sich mit gesundem Menschenverstand zu erklären: „Wir haben im Landkreis, anders als in anderen, sehr viele weiterführende Schulen, genau 18 an der Zahl. Außerdem haben wir drei S-Bahn-Äste und eine ungewöhnlich hohe Pendler-Zahl.“ Ein weiterer Grund sei sicherlich die vielen Testungen. „Wo viel getestet wird, gibt es viele positive Testergebnisse“, sagt sie. Allein am Montag, 12. Oktober, wurden in der Bayerischen Teststation in Fürstenfeldbruck 1.200 Abstriche gemacht. „Die Teststation ist damit mehr als ausgelastet“, bilanziert sie. Eigentlich sei sie für eine Testkapazität von 600 bis 700 Testungen pro Tag ausgerichtet. Doch in den vergangenen Tagen sei der Durchschnitt immer am oberen Limit gewesen. Aufgrund des großen Andrangs können sich dort deshalb seit Donnerstag, 15. Oktober, nur noch Personen mit Wohnsitz im Landkreis Fürstenfeldbruck testen lassen.

Der Appell des Landrats

Auch Landrat Thomas Karmasin meldet sich in dieser Lage zu Wort und richtet einen Appell an die Bürger: „Unsere hohen Inzidenzzahlen sind kein Anlass zur Panik, denn sie sind auch darauf zurückzuführen, dass wir außergewöhnlich viel testen. Dennoch zeigen die Tests, dass eben Menschen das Virus tragen und übertragen können, auch wenn sie selbst davon vielleicht nichts merken. Deshalb müssen wir als Landratsamt Regelungen treffen, die die Bevölkerung, vor allem verletzbare Menschen, wie Hochbetagte und Kranke, schützen. Ich denke, wir alle können mit geringem Aufwand viel bewirken, wenn wir auf Abstand achten und die Maske tragen, wo das nötig ist. Das mag nerven, ist aber notwendig. Es steht viel auf dem Spiel!“

Das mag nerven, ist aber notwendig. Es steht viel auf dem Spiel!

Landrat Thomas Karmasin zur Maskenpflicht

Erweiterung der Maskenpflicht

Es könnte eine Erweiterung der Maskenpflicht kommen. Beim Bund-Länder-Treffen am Mittwoch wurde entschieden, dass die Maskenpflicht in Risikogebieten auch überall da gelten solle, wo Menschen dichter oder länger zusammenkommen.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Kommentare