Räumliche Entwicklungsstrategie

Ein Leitfaden zum Handeln

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Sie diskutierten über die Struktur- und Potenzialanalyse für den Landkreis (von links) Alexander Freitag (MVV), Sandra Meissner (Bürgermeisterin Kottgeisering), Martin Kornacher (Stadtbaumeister FFB), Dr. Michael Schanderl (Bürgermeister von Emmering und Kreisverbandsvorsitzender des Bayer. Gemeindetages), Landrat Thomas Karmasin, Prof. Dr. Alain Thierstein (Moderator).

Fürstenfeldbruck - In den vergangenen zwei Jahren beschäftigten sich unter der Leitung des Lehrstuhls für Raumentwicklung der Technischen Universität München Stadtplaner, Architekten, Landschafts- und Verkehrsplaner sowie Bürger intensiv mit der weiteren Entwicklung des Landkreises bis zum Jahr 2040.

Unter Beteiligung von 16 der 23 Kommunen entstand im Rahmen dieses Prozesses dabei eine Räumliche Entwicklungsstrategie (RES). Der 233 Seiten umfassende Abschlussbericht wurde am 14. März im Landratsamt erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. „Heute haben Sie die letzte Gelegenheit, sich noch einzubringen, oder Sie müssen für immer schweigen“, ermunterte Landrat Thomas Karmasin die Gäste bei seiner Begrüßung, sich noch einzubringen. Er dankte allen an dem Prozess Beteiligten für die konstruktive Mitarbeit. Anlass für das gemeinsame Konzept war der immense Wachstumsdruck um die Region München, der die Gemeinden und Städte vor vielfältige Herausforderungen stelle. Die Studie sei kein Masterplan, der abgearbeitet werde, so Karmasin, sondern ein Leitfaden, dem sich weitere Prozesse anschließen.

Gewinn eines flächendeckenden Planungsinstruments

Der Abend sei der Abschluss eines intensiven sowie zukunftsweisenden Arbeitsprozesses, begrüßte Emmerings Bürgermeister Dr. Michael Schanderl die Gäste im vollbesetzten Sitzungssaal des Landratsamtes, vorrangig in seiner Eigenschaft als Chef des Kreisverbandes des Bayerischen Gemeindetages. Mit Beteiligung der 16 Gemeinden konnte man ein flächendeckendes Planungsinstrument gewinnen. Es liege jetzt an den Gemeinden, die Räumliche Entwicklungsstrategie ernst zu nehmen und nicht in der Schublade verschwinden zu lassen. Dafür wären die Arbeit und das Ergebnis zu schade, so Dr. Schanderl. Auch wenn es den Gemeinden schwer falle, gerade im frühen Stadium einer Ortsplanung, über den Tellerrand hinauszuschauen, so sollten sie sich mit den Nachbargemeinden und dem Landkreis abstimmen.

Räumliche Entwicklungsstrategie als Leitfaden

Die Räumliche Entwicklungsstrategie ist ein Leitfaden zum Handeln, die nach und nach mit Vorschlägen und Anregungen gefüllt werden sollte, machte Architekt Andreas Garkisch deutlich. Der Strategieplan FFB 2040 sollte auch noch in 20 Jahren einen Wert haben.

Drei inhaltliche Schwerpunkte enthält der Plan: Siedlung, Landschaft, Mobilität. So sollen Räume für Erholung, Natur- und Hochwasserschutz gestärkt werden und über die Landkreisgrenzen hinaus vernetzt werden. In der Folge sollen zusätzliche Bauflächen vorrangig innerhalb von Siedlungen geschaffen werden. Dies stehe im Gegensatz zu früheren Entwicklungsplänen, die aus dem Flächenbedarf eine Siedlungsausdehnung begründet haben.

Ziel: Gestärkter Siedlungsschwerpunkt

Die Stadt Fürstenfeldbruck soll zu einem gestärkten Siedlungsschwerpunkt wachsen. Die Konversion des Fliegerhorstes stellt hierbei die Chance dar, einen neuen Teil der Stadt – und damit einen attraktiven, interkommunal entwickelten Arbeits- und Wohnstandort innerhalb des Landkreises – zu schaffen. Die bäuerliche Kulturlandschaft im Westen des Landkreises soll behutsam weiterentwickelt, die Ortszentren gestärkt sowie die Orte im Inneren und an den Rändern ihres Siedlungsgebiets bewusst gestaltet werden. Im östlichen Landkreis sollen im Bereich Puchheim, Eichenau, Gröbenzell und Olching höhere Dichten und eine gesteigerte Attraktivität an den S-Bahn-Haltestellen entstehen.

Ein interkommunaler Landschaftspark zwischen diesen vier Orten soll Teil einer verbesserten Vernetzung der Landschaftsräume mit Potenzialräumen für Erholungsnutzung und deren landschaftliche Verknüpfung sein. Ziel ist es, zukünftig ein moderates Wachstum und eine In-Wert-Setzung bereits bestehender Qualität zu erreichen.

Teilstrategien des Leitfadens

Sieben Teilstrategien enthält der Leitfaden. 1. Den Landkreis innerhalb der Region positionieren. Dabei spielt die intensive Zusammenarbeit zwischen den Kommunen im Landkreis sowie mit den Nachbarlandkreisen eine wichtige Rolle; 2. Die Landschafträume sichern und gebietstypisch weiterentwickeln; 3. Die Naherholung aktivieren und aufwerten; 4. Die Mobilität ortsverträglich gestalten; 5. Eine Vielfalt an Wohnformen schaffen; 6.

Den Landkreis als Wirtschaftsfaktor fördern; 7. Ortsbilder mit ihren Besonderheiten stärken. Bei der von Prof. Dr. Alain Thierstein geleiteten anschließenden Podiumsdiskussion mit Landrat Karmasin, Dr. Schanderl, Kottgeiserings Bürgermeisterin Sandra Meissner, dem Geschäftsführer des MVV, Alexander Freitag und Brucks Stadtbaumeister Martin Kornacher ging es darum, eine Brücke vom vorgestellten Konzept zu konkreten Umsetzungsmöglichkeiten zu schlagen. „Wir haben jetzt eine Pflanze mit ihrer aller Hilfe gepflanzt, die hoffentlich überall Blüten hervorbringt“, sagte Karmasin am Ende der Veranstaltung.

„Für diese Blüten sind aber jetzt die Gemeinden und Städte, nicht der Landkreis zuständig. Wo wir helfen können, tun wir das gern. Die Gemeinden müssen jetzt prüfen: Was wollen wir aus dem Gesamtkonzept konkret verwirklichen.“

Dieter Metzler

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