Aufgrund neuer Strukturreform

Aus für Landwirtschaftsschule Puch: aktuelle Schüler dürfen Ausbildung beenden

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Die Landwirtschaftsschule im Grünen Zentrum in Puch wird geschlossen, stattdessen sollen mehr Kurse für Landwirte im Nebenerwerb stattfinden.

Fürstenfeldbruck – Obwohl die Landwirtschaftsschule im Grünen Zentrum in Puch schon seit mehreren Jahren mit sinkenden Schülerzahlen zu kämpfen hatte, traf das Aus sowohl die Schulleitung als auch die Politik im Landkreis plötzlich.

Grund für die Schließung dieses Angebots ist eine Strukturreform, infolge die bislang 27 Standorte der Landwirtschaftsschulen in Bayern auf 20 reduziert werden.

„Die Schulstandorte mit Abteilung Landwirtschaft werden in Zukunft in Bayern stärker dem Besuch, dem möglichst effektiven Einsatz der begrenzten Zahl an Lehrkräften und der bestmöglichen flächendeckenden Verteilung der Schulstandorte angepasst. Zwei der Landwirtschaftsschulen sind dabei spezialisierte Fachschulen für ökologischen Landbau“, erklärt Martin Hecht, stellvertretender Pressesprecher des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Obwohl die Landwirtschaftsschule erst vor rund acht Jahren in das neu gebaute grüne Zentrum in Puch eingezogen ist, hatte das Vorzeigeprojekt in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme, die Mindestanzahl von 16 Studierenden zu erreichen beziehungsweise zu halten. 

Schule im vergangenen Jahr mit Ausnahmegenehmigung

Erst im vergangenen Jahr benötigte die Schule eine Ausnahmegenehmigung, um mit zwölf Teilnehmenden ins neue Schuljahr zu starten. Der aktuelle Jahrgang darf laut Informationen des Ministeriums und der Schulleitung jedoch aufatmen – die Schüler dürfen ihre Ausbildung in Puch beenden.

Karmasin kritisiert Kommunikation

Sachaufwandsträger der Schule war bislang der Landkreis Fürstenfeldbruck. Landrat Thomas Karmasin versteht zwar die Gründe für die Schließung, die auch durch den Rückgang der bäuerlichen Betriebe im Einzugsgebiet der Schule bedingt werden, hätte sich jedoch eine andere Kommunikation gewünscht. „Es führt zu Irritationen, wenn einer von zwei Partnern im Alleingang eigene Pläne kommuniziert. Ich jedenfalls würde den Freistaat informieren, bevor ich Teile eines Schulgebäudes einer anderen Nutzung zuführe“. Er ist jedoch froh, dass der Ausbildungsbereich der Hauswirtschaft weiterhin bestehen bleibt.

Kreisobmann Huber ruft Landwirte auf

Auch der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes Georg Huber kritisiert, vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein. Er hätte gerne vorab persönlich das Gespräch mit Ministerin Michaela Kaniber gesucht, um gemeinsam eine bestmögliche Lösung zu finden. „Die Abkehr des regionalen Ausbildungsziels durch Streichung von gleich mehreren Landwirtschaftsschulen und die Zusammenlegung auf einige wenige Standorte, zieht eindeutige Nachteile für unsere künftigen Schüler mit sich. Weite Anfahrtswege, erhöhte Fahrtkosten, schwierigere Vereinbarkeit von Schule und Arbeit auf dem Betrieb sowie größere Klassenstärken in den einzelnen Ausbildungsjahrgängen sind die Folge.“ Huber möchte um den Verbleib der Schule kämpfen und fordert in einem Schreiben alle interessierten Schüler, die sich im kommenden Jahr in Puch eingeschrieben hätten auf, sich zu melden, um die Notwendigkeit des Verbleibs der Schule zu verdeutlichen. Schließlich müssten die jungen Landwirte zukünftig weiter ihren Beruf fach- und sachkundig ausüben und stolz die künftigen Anforderungen an den Berufsstand erfüllen können, so Huber.

Fokus auf Kurse für Nebenerwerbslandwirte

Für die Zukunft gibt es im grünen Zentrum Pläne, den Bereich der sogenannten „Bildung in Landwirtschaft“-Kurse (BiLap) zu stärken und auszubauen. Diese speziellen Weiterbildungs- und Aufbaukurse richten sich an Landwirte, die ihre Höfe im Nebenerwerb führen. Aktuellen Zahlen zufolge gibt es bayernweit nur 400 Landwirtschaftsschüler, aber rund 16.000 Teilnehmende an BiLap-Kursen. „Ohne Werbung haben wir im Moment eine Warteliste von 51 Bewerbungen für das BiLap- Programm. Zusätzlich werden wir Seminare zur Betriebsentwicklung für Nebenerwerbslandwirte anbieten. Viele Nebenerwerbslandwirte suchen eine Möglichkeit, wieder in den Haupterwerb zu gehen oder versuchen zumindest den Betrieb für die nächste Generation zu erhalten. Dies ist mit der klassischen Landwirtschaft weniger möglich, jedoch gibt es Nischen, die man besetzen kann und die sehr individuell sein können“, äußert sich Schulleiterin Marianne Heidner zu weiteren Überlegungen.

Nicola Becker

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