Langzüge auf S4: Landtag

Zu d

en ureigensten Aufgaben eines demokratischen Parlaments gehört neben der Gesetzgebung das Budgetrecht und die Kontrolle der Regierung. Bereits im Januar 2010 wurde in einem Antrag der Grünen der Einsatz von ausschließlich Langzügen in den Hauptverkehrszeiten der S4 gefordert. Es dauerte zwar lang, bis sich der Wirtschaftsausschuss mit dem Thema befasste, aber immerhin wurde am 24. März 2011 dem Antrag einstimmig zugestimmt. Am 12. April 2011 empfahl der mitberatende Haushaltsausschuss, den Antrag abzulehnen. Am 17.5.2011, 16 Monate nach Einreichung des Antrags durch die Grünen, hat schliesslich das Plenum des Landtags den Antrag gut geheißen. Zeit zum Aufatmen? Weit gefehlt! Im September 2011 kündigte Wirtschaftsminister Zeil die Verlängerung eines (!) Zuges am Morgen und dreier Züge am Freitagnachmittag an. Die PendlerInnen wurden auf 2014 vertröstet. Die Begründung: die jetzigen Triebwagen-Modelle (ET 423) könnten nicht mehr beschafft werden und andere Lösungen seien aus ‚Betriebs-technischen Gründen‘ abzulehnen. Allen Zwischenlösungen – gemischte Flotte, Einsatz von Lok-bespannten Zügen, welche in Nürnberg frei werden – erteilt Herr Zeil mit fadenscheinigen Argumenten eine Absage: 1. Es seien weder Triebwagen noch Lok-bespannte Triebwagen vorhanden. 2. München könne nicht mit einer gemischten Flotte (ET 422 und ET 423) betrieben werden. 3. Lok-bespannte Züge aus Nürnberg genügten nicht den Erfordernissen der Barrierefreiheit. (Dazu ist anzumerken: Puchheim und Buchenau sind nicht barrierefrei und der Aufzug in Fürstenfeldbruck funktionierte monatelang nicht!) Die Initiatoren der Vorschläge für Zwischenlösungen bis 2014 (u.a. Landrat Karmasin und die UnterzeichnerInnen) haben ja nur gefordert, die Fahrzeuge in der Hauptverkehrszeit auf jenen Linien einzusetzen, die nicht durch die Stammstrecke verkehren (Verstärkerzüge S4, S20 und S27). Die PendlerInnen der S4, welche bei Infrastrukturausbauten und der Einführung des 10-Minuten-Taktes 2005 übergangen wurden, wollen endlich ein wenigstens einigermaßen adäquates Platzangebot sehen! Es ist schon genug Wasser die Amper heruntergeflossen und Papier ist bekanntlich geduldig. Die PendlerInnen der S4 haben jedoch die Geduld verloren. Denn die S4, jener S-Bahn-Ast ab Pasing mit den höchsten Fahrgastzahlen, hat in den letzten Jahren sogar einen Angebotsabbau erlitten, während auf den Linien S2, S3 und S8 der 10-Minuten-Takt eingeführt wurde! 1999 fuhren ab Buchenau Richtung München alle acht Züge zwischen 5:56 und 8:16 als Langzüge. Heute verkehren ab Buchenau nur noch sieben Züge zwischen 6:28 und 8:28 als Langzüge. Ab München Ostbahnhof Richtung Geltendorf waren alle neun Züge zwischen 15:24 und 18:04 Langzüge. Der Zug 15:32 ab Ostbahnhof ist heute nur noch Vollzug. Im Sommerfahrplan 1991 hatte die S4 von Geltendorf am Morgen fünf Verstärkerzüge, drei davon ab Pasing ohne Halt zum Hauptbahnhof, einer über die Sendlinger Spange Richtung Solln und einer davon gar durch die Stammstrecke. Heute verkehren nur noch vier Verstärkerzüge, den Verstärkerzug durch die Stammstrecke hat man der S4 einfach weggenommen! Mit Ankunft in Pasing zwischen 6:00 und 9:10 kommen aus Geltendorf (S4) derzeit 35 ET 423 an, aus Mammendorf (S3) 38 und aus Herrsching (S8) gar 39, und dies obwohl die S4 10% mehr Fahrgäste als die S8 und sogar 35% mehr Fahrgäste als die S3 aufweist. Am Nachmittag ist das Unausgewogenheit noch deutlicher: Mit Abfahrt zwischen 15:50 und 20:00 verlassen 52 Triebwagen ET423 Pasing Richtung Herrsching (S8), aber nur 36 ET423 fahren von Pasing Richtung Geltendorf (S4). Vor diesem Hintergrund ist die Forderung, das Verkehrsministerium solle bis spätestens 31.3.2012 erneut berichten, viel zu lasch. Es braucht keinen Bericht mehr, die Ausgangslage ist eindeutig. Langzüge auf der S4 braucht es sofort, und nicht erst 2014. Wie Verkehrministerium und Bahn das umsetzen ist Ihre Aufgabe! Der Landtag soll das Verkehrsministerium nicht länger mit Samthandschuhen anfassen und endlich seiner Aufgabe gerecht werden, die Regierung zu kontrollieren. Dr. Ingrid Jaschke, Kreisrätin, Olching Jan Halbauer, Grüne KV FFB, Maisach Doris Breitenreuter, Grüne Jugend FFB, Puchheim Dagmar Mosch, Grüne Pasing/Aubing, München Burkhard von Hoyer, Gemeinderat, Grafrath Albert Hartl, Gemeinderat, Eichenau Ralf Wiedenmann, Zell ZH, Schweiz (ehem. Puchheim) Dr. Manfred Sengl, Stadtrat, Puchheim Karl-Heinz Dix, Kottgeisering Klaus Hackbart, Unabhängige Bürgervereinigungen FFB, Fürstenfeldbruck Roger Struzena, Gemeinderat, Verkehrsreferent, Grafrath Dr. Hartwig Hagenguth, Bürgermeister, Grafrath Josef Immler, Stadtrat, Puchheim Friedrich Lange, VCD Kreisverband FFB, Puchheim Elke Struzena, Grüne KV FFB, Grafrath Marianne Schuon, Puchheim Brigitte Roesler, Puchheim Laura Gessner, Grüne Jugend FFB, Maisach

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