Lebendige Zeitgeschichte Esting - Verein 1200 Jahre Esting e.V. initiiert Ausstellung mit Zeitzeugen zur Kriegszeit

Renate Grill, Initiatorin der Nachfolge-Aktion „120 Jahre Zeitgeschichte Esting“ mit dem Zeitzeugen zum Kriegsende 1945, Georg Glas, im ‚Blumenparadies’ Schlossstrasse 116. Foto: Günter Schäftlein

Mit ersten - gedruckten - Aufzeichnungen über Esting ab 1890 wurde man im Brucker Stadtarchiv fündig. Wenn im Oktober dieses Jahres im Pfarrsaal von St. Elisabeth die letzten örtlichen 120 Jahre zeitungsgeschichtlich aufgeschlagen werden, dann erhält dies eine besondere Note durch mündliche Zeitzeugenberichte zum Themenschwerpunkt ‚Kriegsende 1945’. Initiiert hat diese Nachfolgeerinnerung ein weiteres Mal die noch tätige Kreisrätin Renate Grill. Setzt man sich heute mit ihr gemütlich in Anwesen Schlossstrasse 116 beim „Bachlenz“ und zu Georg und Maria Glas mit Hündin Susi (im Fenster!) nieder, ahnt man nicht die Bedeutung dieser Hofanlage vom Mai bis Juli 1945. Hier war mit dem benachbarten „Deschler“-Bauer (Fam. Jais) der Treffpunkt der Estinger zur Rettung der rund 40.000 Gefangenen im Lager Emmering.

Georg Glas, damals 13 Jahre jung, hat noch lebhaft vor Augen, wie die ‚Ami’s’ mit ihrer Jeep-Vorhut von Emmering kommend am 29. April 1945 in die bäuerliche Estinger Beschaulichkeit einrückten. Und er wurde auch Zeuge, als sein kriegsverwundeter Stiefbruder Lorenz noch in den letzten Stunden vor der widerstandslosen dörflichen Kapitulation fünf Sprengsätze der Wehrmacht an der Amperbrücke entschärfte: Die US-Armee konnte also ungehindert Richtung München passieren. Die widerstandslose Übergabe von Esting war der Initiative und der Ranggeltung von Franz Hagn als Chef einer Kraftfahrzeugwerkstatt zu verdanken. Georg Glas erzählt munter über die „Endtage“ des Deutschen Reiches. Und er ist heute noch beeindruckt von der humanitären Leistung der Bevölkerung in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau zur Rettung der Gefangenen in dem schnell von der Besatzungsmacht improvisierten Lager zwischen der heutigen B 471 und dem Fliegerhorst. Ohne diese Hilfe aus der Bevölkerung hätte es hier sehr viele Tote gegeben, denn die Versorgungslage in den ersten Tagen war katastrophal: Es gab nichts zu essen und zu trinken. Dazu kam in den ersten Maitagen große Kälte und man lag Tag und Nacht auf dem nackten Boden. Das Wachpersonal war mit der Situation und der großen Gefangenenzahl total überfordert. An das Leiden unter den Gefangenen erinnert seit 1989 ein Gedenkstein an der heutigen Emmeringer (Rand-)Straße „Zur Denkstätte“. Die Menschen in den umliegenden Dörfern organisierten - energisch unterstützt durch ihre Pfarrern - Lebensmittelsammlungen und Schlachtungen, kochten in großen Behältern Suppen und schafften sie auch gegen anfängliche Widerstände ins Gefangenenlager. Die Einstellung war „Das sind doch unsere Leute, um die es hier geht!“ Zu diesen besonderen Treffpunkten zählte der noch heute große Hofraum beim „Deschler“/“Bachlenz“ der Familien Jais und Glas, damals in der Dachauer Straße, heute die Anwesen Schlossstrasse 118 und 116. Besonders hervor taten sich hier bei den vom späteren Olchinger Ehrenbürger Franz Hagn initierten Hilfsaktionen Markus Holmheim („Ich bin hier der letzte Kommunist …“) und Maria Hagn, geb. Haas. Genauso aufopfernd dabei waren aber auch 20 andere Bürgerinnen und Bürger aus Esting. Georg Glas, Jahrgang 1932 und heute dementsprechend 78 Jahre alt, durfte nicht ins Gefangenenlager, bekam aber alles über seine Eltern Georg und Katharina mit. Er half auf dem Hof, die ehemaligen deutschen Landser im Emmeringer Lager durchzubringen. In einer äußerst schwierigen Zeit, ab Anfang Mai bis Ende Juli 1945, bis zur Auflösung des Lagers. Alle, auch die Nachfahren, können stolz auf diese humanitäre Leistung sein. „120 Jahre Zeitgeschichte Esting“ mit dem Schwerpunkt ‚Kriegsende 1945’, im Pfarrsaal St. Elisabeth, vom (Termin kurzfristig verlegt auf) 15./16.17. Okt. 2010, Ausstellung und Zeitzeugengespräche.

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