Lebensmittel gentechnikfrei - eine Chance für Bauern - 120 Landwirte auf Einladung der ZivilCourage gegen Agrogentechnik in Landsberied

Auf Einladung der ZivilCourage gegen Agrogentechnik referierten am 23. Februar 2010 im Dorfwirt in Landsberied, Josef Feilmeier, Mitglied im internationalen Expertenteam für Futtermittel, Agrarhändler, Mischfutterhersteller, Energiewirt und Landwirt und Erwin Schneiderbauer, Landwirt und BDM-Landkreisvorsitzender Rottal-Inn, zum Thema: Lebensmittel gentechnikfrei- eine Chance für Bauern und Verbraucher. Die Veranstaltung war mit rund 120 Besuchern ein großer Erfolg.

Zu Beginn seines Vortrags erklärte Josef Feilmeier den Unterschied der drei verschiedenen Gentechnikarten. Wobei die „Rote“ in der Medizin, die „Weiße“ in der Produktion von Vitaminen und Enzymen eingesetzt werden. Diese werden jeweils in geschlossenen Systemen angewendet. Wenn irgendetwas nicht funktioniert, kann vieles wieder rückgängig gemacht werden. Ganz anders bei der „Grünen Gentechnik“. Ist diese einmal ins Freiland ausgebracht, gibt es kein Zurück, denn die Genpflanzen kreuzen sich mit anderen Pflanzen, so der Landwirt. In der Landwirtschaft erkennt der Referent aus Kosten- und Ertragssicht keine Notwendigkeit, Gentechnik anzuwenden. Es sei bisher weltweit kein Fall bekannt, dass ein Landwirt seinen Betriebsertrag gesteigert hätte. Bei der Bekämpfung der Schädlinge auf den Feldern seien alle anderen Formen wirkungsvoller und billiger. Experten seien sich einig, dass Maiszünsler und Wurzelbohrer keine Krankheiten seien, sondern die Folge falscher Fruchtfolge und Bewirtschaftung. Dies sollten Bauern bedenken, wenn sie so unbekümmert Genmais forderten. Feilmeier warnte die Anwesenden davor, auf das Auftreten solcher Landwirte in Presse und Fernsehen hereinzufallen. Viele bekämen Saatgut und Spritzmittel vom Konzern geschenkt und müssten dafür medienwirksam auftreten. Ein anderer wichtiger Punkt des Vortrags war die Umstellung der Fütterung von GVO auf GVO-frei ohne jegliche Mehrkosten. „Gentechnikfreie Produktion kostet den Bauern effektiv keinen Cent mehr und damit liegt es an euch, diese Zukunftschance zu sehen, denn der Verbraucher will Produkte, die ohne Gentechnik erzeugt wurden“, appellierte Feilmeier an die Bauern. „Kauft von eueren Lieferanten nur noch Futtermittel, die kein GVO enthalten. Und denkt beim Einkauf: Nicht nur der Preis ist entscheidend, sondern auch die Qualität und vor allem die Verwertbarkeit des Futters. Wer immer nur nach dem Preis fragt, wird stets das Minderwertigste verkauft bekommen.“ Bei sojafreien Mischungen ist gentechnikfrei ohnehin völlig preisgleich, aber auch mit Soja kostet die Fütterung nicht mehr. Gentechnikfreier Soja hat viel höhere Inhaltswerte. Wichtig seien die Gesamtkosten und nicht nur der 100-kg-Preis. „Verlangt im Lagerhaus gentechnikfreie Ware, das ist wichtig und lasst euch nicht abwimmeln. Wenn euch GVO verkauft wird, lasst euch nicht darauf ein und schickt das Zeug zurück und verlangt gentechnikfreie Ware, denn die gibt es in Hülle und Fülle. Ist das Lagerhaus euer Partner oder der der Industrie?“ Feilmeier wies auch klar daraufhin, welche zusätzlichen Gefahren z.B. gentechnisch veränderter Soja bringt. Nachdem die Unkräuter allmählich nicht mehr auf die vorgeschriebenen Spritzmittel reagieren, werden die Aufwandmengen vervielfacht. Bis zu 15 Liter Roundup je ha werden in Argentinien schon auf Soja gespritzt. Der Wirkstoff baut sich dann aber nicht mehr ab und verbleibt im Futtermittel. In der Folge treten immer mehr Tierkrankheiten auf. Zum Schluss stellte Feilmeier unmissverständlich klar, dass niemals für den Verbraucher oder den Landwirt ein Vorteil herauskomme, wenn Gentechnik angebaut werde: "Wie oft hat man uns schon eingeredet, welche Vorteile eine Neuerung bringen soll, so z. B. bei Atrazin und vielen anderen Pflanzenschutzmitteln, Tiermehl und Antibiotika im Futter, Tierarzneimitteln, Contergan und anderem mehr. Alle wurden als bestens erforscht und geprüft bezeichnet. Sie sind inzwischen verschwunden, weil die Werbeaussagen nicht stimmten. Da gab es ein Zurück. Bei der Gentechnik aber gibt es kein Zurück mehr. Die Zukunftsvision der Konzerne heißt, Kontrolle über die Nahrungsmittel zu bekommen nach dem Motto: „Beherrsche die Nahrung und du beherrschst die Welt.“ Nach einer kurzen Pause trat Erwin Schneiderbauer ans Rednerpult. Zum Einstieg zeigte er die humorvoll wirkende, aber nachdenklich stimmende Darstellung eines wissenschaftlichen Versuchs an Affen, die zeigt, dass das Verhalten von Tieren einer Gruppe an neue Mitglieder weitergegeben wird, ohne dass die Ursache hierfür noch besteht (siehe ppt-Datei im Anhang). Mit klaren Worten machte der Praktiker sodann deutlich, dass die bäuerlich strukturierte Landwirtschaft „an die Wand gefahren“ wird, sollte alles weitergehen wie bisher. Die Bauern verglich er dabei mit den Dummies bei Fahrzeugtests. Die Funktionäre des Bauernverbandes sieht er nicht als Interessenvertreter der Basis, sondern der Agrarindustrie. Deshalb müssen die Landwirte neue Verbündete suchen, sich auf ihre traditionellen Werte besinnen, Qualität produzieren und gegenüber den Verbrauchern in Vorleistung gehen, was natürlich bedeutet, ohne Gentechnik zu produzieren. Als Beispiel wurde auf das Projekt „Die faire Milch“ hingewiesen. (Infos unter: www.die-faire-milch.de)

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