Leer stehender Kiosk

Protest gegen Dönerbude am Gröbenzeller Bahnhof

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Martin Runge (Grüne, mit Mütze), Peter Falk (SPD, mit beigem Mantel) und Martin Schäfer (UWG, mit Jeansjacke) informieren am Gröbenzeller Bahnhof über die Pläne der Deutschen Bahn mit dem leer stehendem Kiosk.

Die Deutsche Bahn will im seit Jahren leer stehenden Kiosk einen Dönerladen unterbringen. Das gefällt der UWG, SPD und den Grünen nicht und machen deshalb mobil.

Gröbenzell – Der Plan der Deutschen Bahn, im ehemaligen Kiosk am Bahnhofsvorplatz in Gröbenzell eine Döner-Kneipe unterzubringen, schlägt hohe Wellen. Mitglieder des Gemeinderats haben nun an Infoständen vor Ort aufgerüttelt – und stießen dabei auf große Zustimmung der Bürger. 

Klassischer Kiosk statt dritte Dönerbude

Seit Jahren steht das Gebäude am Bahnhofsvorplatz leer. Der frühere Kiosk sollte als mit großem Getöse im März 2011 eröffneter DB Service-Store eine Aufwertung erfahren. „Tatsächlich stand der Store dann aber die meiste Zeit leer“, schreiben die Grünen in einem Antrag, der vom Gemeinderat mit großer Mehrheit abgesegnet wurde. Das Ziel: Ein klassischer Kiosk mit Verkauf von Fahrkarten, Reisebedarf und Presseerzeugnissen soll wieder in das Gebäude. Dönerbuden gibt es im näheren Umkreis bereits zwei, wie Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) erklärt: eine in der Kirchstraße, eine weitere auf der anderen Seite der Gleise in der Bahnhofstraße. Beide Buden gehen gut. Dass weitere Konkurrenz das Geschäft beleben würde, bezweifeln der Rathauschef sowie die Gemeinderäte Martin Runge (Grüne) und Peter Falk (SPD). 

Glücksspiel und Alkohol

„Was hier entstehen soll, ist im Grunde eine Gaststätte“, sagt Runge. Er glaubt, dass sich diese nur tragen könne, wenn der Betreiber auch Glücksspielautomaten aufstellt und Alkohol verkauft – ein Szenario dass der Gemeinderat verhindern will. 

Zu hohe Pacht

Was die Politiker ebenfalls aufschreckt, ist die hohe Pacht, die die Bahn offenbar für das Gebäude verlangen will. „Es wurde damals billig gekauft und lange Zeit auch billig verpachtet“, erklärt Falk. Runge ergänzt: „Nach dem Umbau zum DB Service-Store wurde die Pacht verzehnfacht.“ Der frühere Kioskbetreiber, der gerne noch weitergemacht hätte, konnte sich diese Forderungen nicht mehr leisten. Falk befürchtet, dass dadurch das gesamte Pachtgefüge der Läden im Gröbenzeller Bahnhofsumfeld durcheinander gebracht wird. Ein klassischer Kiosk zu vernünftigen Konditionen soll wieder her. „Die Bahn muss zur Vernunft kommen“, fordert Runge. 

Unterschriften sollen Druck machen

Dafür machten sich nun Grüne, SPD und FDP zusammen mit Bürgermeister Schäfer am Ostersamstag mit ihren Infoständen stark. Dabei sammelten sie auch Unterschriften, um bei der Bahn Druck machen zu können. Bei den Bürgern stoßen sie damit auf offene Ohren. „Die Resonanz ist überwältigend“, sagte Falk. Und Runge hat unter den Bürgern eine große Empörung ausgemacht: „Der Widerstand gegen die Dönerkneipe ist massiv.“ 

Vorbild Puchheim

Eine Gröbenzellerin bezeichnete das Gebäude als Schandfleck. „Man kann zusehen, wie es verfällt.“ Dimitri Vlaanderen hat ebenfalls seine Unterschrift geleistet. Der 44-jährige lebt mit seiner Frau seit fünf Jahren in Gröbenzell und hält einen weitere Dönerladen schlicht für „bescheuert – das kann man einfach nicht anders sagen“, erklärt der Gröbenzeller. Eine dritte Bude im engsten Umkreis sei nicht der richtige Ansatz. „Ein kleiner Kiosk wie in Puchheim könnte auch hier funktionieren“, sagt er. „Zumindest wenn die Bahn auch ihre Pachtvorstellungen etwas reduzieren würde.“

Andreas Daschner

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