Notquartier in Grundschule

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Malteser-Helfer stellten noch schnell Feldbetten für die 100 Flüchtlinge auf.

Fürstenfeldbruck – Anfang September brachte Landrat Thomas Karmasin noch die leerstehende Grundschule am Niederbronner Weg bei der Suche des Landkreises nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber ins Gespräch. Die Stadt signalisierte Bereitschaft, wollte aber aus rechtlichen Gründen, eine Beschlagnahme des Schulgebäudes. Dass nun am 15. Oktober in einer Blitzaktion die Schule für 100 Flüchtlinge aus der völlig überfüllten Bayernkaserne in München als Notquartier hergerichtet wurde, das hatten aber weder der Landrat noch der OB auf dem Bildschirm.

Nach einem Treffen des Flüchtlingskrisenstabs in München sagte der Brucker Landrat Hilfe zu, um die dramatische Situation in der Erstaufnahmestelle in München zu ent- schärfen. Was dann anschließend in der Kreisstadt von den Mitarbeitern des Landratsamtes, dem Technischen Hilfswerk (THW), dem Roten Kreuz, den Maltesern, den Johannitern initiiert und organisiert wurde, das war aller Ehren wert. Innerhalb von nur vier Stunden wurde die leerstehende Schule von den Hilfsorganisationen in ein Quartier für 100 Flüchtlinge verwandelt. Nach einer Besprechung im Landratsamt kurz nach 15 Uhr begann der Countdown. 

Bis 20 Uhr sollte die Schule in ein Notquartier „umgebaut“ sein. Gegen 16 Uhr treffen die ersten Helfer in der Schule ein. Nachdem nichts vorbereitet war, musste alles improvisiert werden. Doch es klappte wie am Schnürchen. Im Erdgeschoss wurden eine Ausgabestelle für Verpflegung, sowie Aufenthaltsräume eingerichtet. Die erste Essens-Versorgung übernahm der Mobile Küchenwagen des BRK. Karmasin will aber das Catering-Unternehmen, das die Asylbewerber im Fliegerhorst versorgt, auch für die Versorgung der Flüchtlinge in der Schule gewinnen. Im Obergeschoss der Schule wurden die Klassenräume in Schlafräume umfunktioniert. 16 Feldbetten pro Klassenraum wurden von den THW-Mitarbeitern aufgestellt. Selbst ein Büro hat das Ausländeramt des Landratsamtes als erste Anlaufstelle eingerichtet, um die Flüchtlinge nach ihrer Ankunft zu registrieren und zu erfassen. 

Die hygienische Versorgung soll zusätzlich mit im Schulhof aufgestellten Dusch-Containern sichergestellt werden. Sobald die 150 Unterkunftsräume im Brucker Fliegerhorst bezugsfähig sind, sollen die Flüchtlinge aus der Schule in den Fliegerhorst umziehen, wo derzeit auch die 180 in Sälen des ehemaligen Unteroffizierheims wohnenden Asylbewerber einziehen sollen. Eine weitere Aufgabe für den Landkreis stellt die Untersuchung der Flüchtlinge dar. Während die im Fliegerhorst untergebrachten Asylbewerber bereits in München einen Gesundheitscheck erhielten, war die medizinische Erstuntersuchung für die Neuankömmlinge nicht möglich. Die Untersuchungen werden vom Gesundheitsamt und vom Brucker Krankenhaus durchgeführt, teilte Karmasin mit. 

Als die Flüchtlinge aus den Bussen kletterten, läuteten quasi zur Begrüßung die Glocken der nahegelegenen Stadtpfarrkirche Sankt Magdalena. Ein wenig erschöpft, aber mit einem freundlichen „Guten Tag“ und mit ihren Habseligkeiten unter dem Arm betraten die 100 Flüchtlinge nach und nach das Schulgebäude. Der Brucker Landrat begrüßte die angekommenen Flüchtlinge in einem der als Aufenthaltsraum umfunktionierten Klassenräume, sie erhielten eine Mahlzeit, und nach ihrer Erfassung wurden sie auf die Schlafräume verteilt.

Dieter Metzler

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