Lieferengpässe und Preiserhöhungen

Auch Bauunternehmen im Landkreis Fürstenfeldbruck negativ betroffen von Corona

Warenlager einer Baufirma im Landkreis Fürstenfeldbruck.
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Besonders bei Holz kommt es immer wieder zu Lieferengpässen.

Landkreis Fürstenfeldbruck – Die Corona-Pandemie beeinträchtigt inzwischen bundesweit längst auch das Baugeschehen. So sind bereits seit dem vierten Quartal des vergangenen Jahres bei verschiedenen Materialien dramatische Preiserhöhungen festzustellen. Dazu gesellen sich Lieferengpässe sowie auch immer wieder Mitarbeiter, die in Quarantäne gehen müssen. Branchenvertreter fürchten Baustopps und eine Pleitewelle bei den Baufirmen.

Die Holzpreise sind seit September 2020 zwischen 15 und 20 Prozent gestiegen, Mineral-

ölerzeugnisse um 15 Prozent teurer geworden und Betonstahl gar um 30 Prozent. Der „Bundesverband Farbe, Gestaltung, Bautenschutz“ sieht gar eine „beispiellose Welle von Preiserhöhungen bei Rohstoffen und Materialien für den Ausbau“. Der Verband stellte Preiserhöhungen um rund 50 Prozent bei Wärmedämmung fest, teilweise auch bei Trockenbauprofilen. Als Ursache der Probleme sieht der Zentralverband Deutsches Baugewerbe die in der ersten Phase der Pandemie heruntergefahrene Produktion an.

„Die Situation ist tatsächlich so dramatisch“, bestätigt der Obermeister der Brucker Bauinnung, Thomas Vilgertshofer, als mittelständischer Bauunternehmer aus Alling selbst davon betroffen, die Entwicklung. Beim Baustahl gebe es zwar keine Lieferschwierigkeiten, meinte er, dafür aber enorme Preissteigerungen. Als extrem bezeichnete Vilgertshofer die Lage beim Holz. Es könne nicht sein, dass man einen Dachstuhl monatelang vorher ordern müsse. „Die Bestellvorlaufzeiten sind einfach zu lang.“ Die Kostenexplosion beim Holz könne er sich nicht erklären. „Der Waldbauer bekommt jedenfalls keinen Euro mehr. Schuld ist die Industrie“, vermutet der Obermeister der Bauinnung. Er habe kein Verständnis dafür, dass der Export vorgezogen werde, nur weil dabei höhere Preise erzielt werden. Andere Länder würden deutsche Autos mit Strafzöllen belegen und „wir verkaufen blindlings unser Material. Wir müssen einfach viel mehr auf unsere Wirtschaft achten.“ Vilgertshofer erinnert an eine ähnliche Situation vor etwa 15 Jahren, als extrem viel Holz nach Amerika verkauft wurde, durch den Dollarverfall dann der Schuss nach hinten losging. Viele hätten daraus nichts gelernt.

„Wenn das so weitergeht, können wir bald zusperren“

„Wenn das so weitergeht, können wir bald zusperren und ich kann meine 15 Mitarbeiter heimschicken“, sagt Thomas Müller verbittert, einer der drei Geschäftsführer der Baufirma Müller+Mayr aus Moorenweis. „Du kannst anrufen, wo du willst: Es gibt keine Dämmung, kein Rigips, kein Holz, der Grundpreis von Baustahl ist von 295 Euro im Februar auf jetzt 475 Euro gestiegen. Wir brauchen keine Werbung machen, wenn wir kein Material bekommen und niemand sagen kann, wann etwas kommt“, bestätigt Müller die Preissteigerungen und Lieferengpässe. Es rolle da eine Lawine auf die Baufirmen zu, mit der niemand gerechnet habe. „Und keiner weiß, wann das vorüber ist.“

„Viele Werke arbeiten aufgrund der Corona-Bestimmungen nur mit halber Besetzung“, sieht Markus Elf, seit 19 Jahren Chef der Baywa in Fürstenfeldbruck, einen Grund für die auftretenden Engpässe. Dazu kommt der Export. So liefern die Zimmerer ihr Holz lieber nach China und USA. Der Waldbauer will kein Holz schlagen für 80 Euro pro Kubikmeter, wo der Kubikmeter jetzt schon 350 Euro kostet. „Ich sage immer Phänomen Toilettenpapier: jeder verkauft alles sofort und macht sich die Taschen voll. Doch bei uns muss jeder eine Baustelle vorweisen, wenn er Material kaufen will. Eine Hortung ist nicht möglich. Das wissen unsere Kunden zu schätzen. Gerade die Kleineren brauchen jetzt Unterstützung.“

Auch der Geschäftsführer des BZO Olching, Christian Huber, bestätigte Lieferengpässe in Teilbereichen. „Die Ursachen sind auf jeden Fall auch die mit der Corona-Pandemie einhergehenden Einschränkungen.“ Darunter fallen die zeitweisen Grenzkontrollen, aber an mancher Stelle sogar das Homeoffice. Durchs Homeoffice seien beim Lieferanten zum Teil dann die zuständigen Leute nicht zu erreichen, und es kostet viel Zeit, wenn man dann auf die internen Rückmeldungen warten muss. Und nicht zuletzt der extreme Bedarf. „Jeder deckt sich mit Material ein und kauft, was er kriegen kann. Wir dagegen bekommen kaum Lieferzusagen noch Preiszusagen.“

Dieter Metzler

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