Literarisches Kreuz-Verhör bei Krimi-Lesung mit echtem Brucker Kommissar - Felicitas Mayall las in der Aumühle

m Rahmen des Krimifestivals München 2010 kam mit „Die Stunde der Zikaden“ eine weitere Folge der Krimiserie um die Münchner Kommissarin Laura Gottberg zu Tage: Beeindruckend in den Auszügen vorgetragen durch die Autorin Felicitas Mayall im vollbesetzten Saal der Brucker Stadtbibliothek. Frau Mayall, frühere Journalistin der Südd. Zeitung, ist mit dem Australier Paul Mayall verheiratet.

In der menschlich schönen Absicht der deutschen Kommissarin Laura, mit ihrem römischen Kollegen und der neuen Liebe Angelo Guerrini den ersten gemeinsamen Urlaub an der herbstlich-toskanischen Küste zu verleben, mischt sich leider unbeabsichtigt eine angeschwemmte Leiche ein. Commissario Guerrini protestiert heftigst gegen diesen Störenfried andersgedachter schöner Stunden und Tage und will die Situation einfach nicht wahrhaben. Man gerät aber Zug um Zug im von angeblichen ‚Freunden’ überlassenen Ferienhaus in der noblen Villenanlage Il Bosco direkt am Meer in sich zwangsweise ergebende (Ermittlungs-)Schwierigkeiten: Ebenso überraschend wie unerwünscht. Wobei es sich im Endeffekt um ein mafiöses Netzwerk aus Kunst- und Drogenschmuggel handelt und zu dem Ermittler-Kollege Ignazio Tuttoverde vorwurfsvoll äußert „Außerdem hat Deutschland noch immer nicht die Unesco-Konventionen zum Schutz von Kulturgut unterzeichnet. Deshalb ist es der ideale Umschlagplatz für antike Kunstwerke.“ Die Autorin Felicitas Mayall lässt auf beachtlichen 396 Buchseiten ihren Vorlieben fürs Italienische freien Lauf: Von der Sprache über das Landschafts- und Naturerleben bis zum unausweichlichen Genuß beim Essen und Trinken. Und mehr. Alles sehr präzise und urlaubs- bis alltagsnah geschildert, mit geschliffenen Dialogen, Beobachtungen und (Selbst-)Erkenntnissen. So beim Fischfang: „Die Fische ersaufen in der Luft. Es ist das umgekehrte Ertrinken.“ Oder zu sich selbst: „Bin ich eine automatische Kommissarin? Ein bisschen zwanghaft?“ Oder über eine erste Ehe: „Jedenfalls hatte er verstehen können, dass Carlotta ihn verließ. Er hätte sich auch verlassen … Zu jung für eine Beziehung, zu neurotisch, unreif, egoistisch.“ Wenn sich auch die kriminalistischen Verwindungen und Gefahren dieses Italien-Abenteuers für die Haidhausener Kommissarin Laura Gottberg und Anhang positiv auflösen, bleibt dennoch ihre wichtigsten Feststellung „Sie hatte etwas über Guerrinis Leben erfahren - und das wog die Katastrophen dieses gemeinsamen Urlaubs auf.“ In einer Nachbetrachtung des Gelesenen nahm Sabine Thomas, Organisatorin des Krimifestivals München und des Festivals Tatort Ammersee, zum dritten Mal den Leiter der Fürstenfeldbrucker Kriminalpolizei, Manfred Frei, in eine Art „Kreuzverhör“. Der Angesprochene nahm es humorvoll und sah die Zusammenarbeit der Romanfiguren Laura und Angelo in ihrer Doppelzimmer-Regelung durchaus als freundlichen Akt für den Steuerzahler: „Als Konstellation denkbar, wenn man dabei Kosten sparen kann …“ Im tatsächlichen Umgang des Krimi-Alltags sah er jedoch „Statt Emotionen brauchen wir noch immer mehr Beweise.“ Auf die fast verfängliche Frage „Was bearbeiten Sie besonders gern?“ antwortete Frei glaubhaft „Mord ist immer was Tragisches. Ausgeprägt bei den Männern in der Kriminalistik ist - wenn auch zeit- und geduldaufwändig - die Fahndungsarbeit. Das macht Spaß. Besonders, wenn schlußendlich die Handschellen zuschnappen.“ Die internationale Zusammenarbeit wäre am häufigsten mit Österreich, am besten mit der Schweiz. „Und Italien?“ – Frei: „Begriffe wie ‚dringend’ oder ‚eilt’ werden in Italien anders definiert …“ Das umfangreiche TV-Angebot in Sachen ‚Krimi’ sieht Manfred Frei als Unterhaltung, nicht als authentisch für seinen Berufsstand. Er äußerte aber durchaus Sympathie für die englische Serie mit Kommissar Barnaby und die Münsteraner Tatort-Auslegung.

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