Die Fürstenfeldbrucker pflegen am 13. Dezember einen alten vorweihnachtlichen Brauch – Gelübde nach Hochwasser 

Luzienhäuschen auf der Amper 

+
Noch einen letzten Blick, ein letztes Foto – bevor die „Kunstwerke“ in die Amper ausgesetzt wurden

Fürstenfeldbruck – Einem „alten Brauch“ folgend ließen auch heuer wieder am Abend des 13. Dezembers die Schülerinnen und Schüler der Grundschulen an der Philipp-Weiß-Straße und am Niederbronner Weg die „Luzienhäuschen“ in die Amper „zu Wasser“. Der vorweihnachtliche Brauch geht auf ein Hochwasser zurück, das im 18. Jahrhundert den Ort bedrohte.

Fast zu schade, um in der Amper in den Fluten zu versinken: die von Sam David Wurzel, Klasse 4 b Philipp-Weiß-Grundschule, gebastelte Klosterkirche

 Am Festtag der Heiligen Luzia setzten die Brucker Schulkinder damals mit Kerzen beleuchtete Nachbildungen von Brucker Häusern in die Amper. Und siehe da: Fürstenfeldbruck blieb verschont vor einer schlimmen Überschwemmung und die Menschen hielten sich fortan an ihr Gelübde. Während der Zeit der Klosteraufhebung unterblieb der Gottesdienst, die Luzienhäuschen ließ man jedoch weiterhin in der Amper schwimmen. 1851 war vorerst Schluss mit dem schönen Brauchtum. Schuldirektor Georg Kachelriss ließ es nach knapp 100 Jahren 1949 mit den Buben an der Knabenschule wieder aufleben. So versammelten sich am 13. Dezember auch in diesem Jahr wieder hunderte von kleinen und großen Zuschauern um 18 Uhr vor der Leonhardkirche. Nach einer ökumenischen Andacht und der Segnung der Häuschen von Pfarrerin Sigrid Schott-Breit und Dekan Albert Bauernfeind, nahmen die Schulkinder schweren Herzens Abschied von ihren selbst gebastelten „Kunstwerken“, trugen sie ein kurzes Stück Amper abwärts, wo sie dann der Amper „übergeben“ wurden. Anschließend eilten die Kinder in die kleine Grünanlage an der Ledererstraße, der für sie reserviert war, um noch einen letzten Blick auf ihr vorbeischwimmendes Kunstwerk zu erhaschen, bevor es die unberechenbare Amper in die Tiefe riss. 

Dieter Metzler

 

 

Meistgelesen

80-Jähriger stirbt an Unfallstelle
80-Jähriger stirbt an Unfallstelle
Zwei Kandidaten haben es geschafft
Zwei Kandidaten haben es geschafft
100-Quadratmeter-Feuer nahe den Gleisen
100-Quadratmeter-Feuer nahe den Gleisen
Naturjuwele fusionieren
Naturjuwele fusionieren

Kommentare