Über 250 Häuschen in die Amper entlassen

Luzienhäuser erfüllen Gelübde

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Auch in diesem Jahr strömten Jung und Alt zu dem vorweihnachtlichen Brauch und verfolgten an der Amper das Luzienhäuschen-Schwimmen, dass auf ein Gelübde der Brucker Bürger aus dem 18. Jahrhundert stammt, zu verfolgen.

Einem alten Brauch folgend ließen Brucker Schüler am Abend des 13. Dezembers „Luzienhäuschen“ in die Amper „zu Wasser“. War das Ritual in der Vergangenheit jahrelang den Kindern der Grundschulen am Niederbronner Weg (jetzt Grundschule Mitte am Theresianumweg) und an der Philipp Weiß-Straße vorbehalten, so nahmen heuer erstmals auch die Kinder der Grundschule Nord an dem vorweihnachtlichen Brauch teil. In akribischer Kleinarbeit bastelten sie Häuser, Kirchen und sonstige Bauwerke und dekorierten diese mit buntem Transparentpapier. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: die über 250 buntbeleuchteten Häuschen aus Pappe stellten einen Rekord dar.

Etliche hundert kleine und gro- ße Zuschauer ließen sich dieses beeindruckende Schauspiel an der Amperbrücke in der Kreisstadt sowie entlang der Amper nicht entgehen. An beiden Uferseiten standen Jung und Alt dichtgedrängt, um sich an dem Spektakel zu erfreuen. Bevor die Kinder aber ihre liebevoll gebastelten Kunstwerke der Wasserwacht übergaben, von der sie in die Amper gesetzt wurden, erinnerte die Kulturreferentin der Stadt, Birgitta Klemenz, an die Geschichte der Heiligen Luzia von Syrakus. Die beiden Seelsorger, der katholische Pfarrer Stefan Scheifele und der evangelische Pfarrer Niclas Willam-Singer, hielten eine ökumenische Andacht ab und segneten anschließend die Häuschen und Bauwerke. 

Trennungsschmerz von den selbstgebastelten Kunstwerken

Der Phantasie der Bauwerke, die die Kids heranschleppten, waren keine Grenzen gesetzt. Doch etlichen fiel es sichtlich schwer, sich nun von ihren inzwischen liebgewonnenen Kunstwerken zu verabschieden. So sei er schon ein bisschen traurig, meinte der neunjährige Moritz Pals aus der Klasse 4a der Philipp-Weiß-Schule, wenn er jetzt sein Tipi-Zelt der Amper übergebe. Knappe drei Wochen habe er daran gebastelt, und auch der Papa habe geholfen. „Doch ich kenne ja die Geschichte, warum wir das heute hier machen.“ Und die achtjährige Stefanie Eruklu aus der Klasse 2d der Grundschule Mitte wusste aus dem Ethik-Unterricht genau Bescheid über die Geschichte mit dem Hochwasser und der Heiligen Luzia. 

Brauch geht auf ein Hochwasser zurück

„Vor einem Jahr haben wir noch in der Schule das Luzienhäuschen gebastelt. Jetzt, in der zweiten Klasse, mussten wir es zu Hause basteln. Mir hat mein kleiner Bruder geholfen. Traurig bin ich nicht, wenn es jetzt in der Amper davon schwimmt. Dafür habe ich es ja schließlich gebaut. Ich kann mir ja ein neues basteln.“„Ich wollte etwas ganz Besonderes bauen“, sagte die zehnjährige Merle Hartmann aus der Klasse 4c der Philipp-Weiß-Schule. „Ich träume schon lange von einem richtigen großen Baumhaus. Deshalb kam für mich nur ein Baumhaus infrage. Mein Bruder Moritz und mein Papa haben mir geholfen. An einem Vor- und einem Nachmittag war es fertig. Es ist sehr schön geworden und ich hätte es jetzt am liebsten gern behalten.“ Der vorweihnachtliche Brauch geht auf ein Hochwasser zurück, das im 18. Jahrhundert den Ort bedrohte. Am Festtag der Heiligen Luzia setzten die Brucker Schulkinder damals mit Kerzen beleuchtete Nachbildungen von Brucker Häusern in die Amper. Und siehe da: Fürstenfeldbruck blieb verschont vor einer schlimmen Überschwemmung und die Menschen hielten sich fortan an ihr Gelübde. Während der Zeit der Klosteraufhebung unterblieb der Gottesdienst, die Luzienhäuschen ließ man jedoch weiterhin in der Amper schwimmen. 1851 war vorerst Schluss mit dem schönen Brauchtum. Schuldirektor Georg Kachelriss ließ es nach knapp 100 Jahren 1949 mit den Buben an der Knabenschule wieder aufleben. 

Dieter Metzler

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