Märchen machen Schule - Ausstellung im Stadtmuseum Fürstenfeldbruck - Bis 27. März 2011

„Großmutter erzählt …“, Öl auf Leinwand, von Karl Robiczek (gest. 1918 in Fürstenfeldbruck). Foto: Günter Schäftlein

Das konnten Jakob und Wilhelm Grimm 1812 und 1815 noch nicht ahnen, dass ihre ersten Publikationen zu gesammelten ‚Volks- und Hausmärchen’ einmal „zum meistverbreitetsten Kinderbuch aller Zeiten“ aufsteigen würde. Dies allerdings erst durch die beigefügten Bebilderungen des jüngsten Bruders Ludwig Emil Grimm ab 1825. Das Stadtmuseum Fürstenfeldbruck hat in seiner neuen Sonderausstellung diesem wichtigen Part der Märchen-Illustration Rechnung getragen - und dies auch unter Einbezug von Künstlern aus dem ehemaligen Nahbereich:

So lebte Otto Kubel (1868-1951) mit seiner Familie zwischen 1902 und 1922 in der Brucker Feuerhausstraße 22. Kubel bebilderte so gut wie alle Grimm’schen Märchen. „Obwohl an traditionellen Märchenvorlagen orientiert, sind seine Märchenfiguren doch modern und entsprechen reformpädagogischen Vorstellungen.“ Der vielseitige Künstler illustrierte dazu zahllose Kinderbücher, Schulfibeln und Spielfelder. In dem von ihm vertretenen „Natur-Lyrismus“ hatten Haus und Garten, Kinder- und Familienszenen einen besonderen Rang: Seine Ehefrau Laura und die drei Töchter dienten häufig als Modelle. Andere, bedeutende Märchen-„Begleiter“ waren die Maler Paul Hey (1867-1952), Gertrud Casperi (1873-1948) und Oskar Herrfurth (1892-1934). „Sie schufen die Vorlagen für die in hohen Auflagen verlegten Märchenbilder, die bis in unsere Zeit die Vorstellung von Rotkäppchen und dem als Großmutter verkleideten Wolf, von Aschenputtel und anderen Märchenfiguren prägten.“ In der Stadtmuseum-Ausstellung liefern Zeichnungen, Gemälde, Scherenschnitte die textergänzenden, bildlichen Eindrücke. Daraus entstanden neuen Bildideen zu Schulwandbildern, Märchenbüchern, Bilderbögen und Postkartenserien. In der Tradition knüpfte man hier an die Romantiker Ludwig Richter, Franz Graf von Pocci, Moritz von Schwind, Eugen Napoleon Neureuther, Wilhelm von Diez und Otto Speckter an. „Kinder- oder Ammenmärchen“ wurden zum Inbegriff einer Erzählkunst, die hauptsächlich von älteren Frauen gepflegt wurde und sich vornehmlich an Kinder richtete. Beginnend mit der ältesten europäischen Märchensammlung „Pentameron“ des Italieners G. Basile von 1674, die bereits erste Fassungen so bekannter Figuren wie Aschenbrödel, Schneewittchen, Froschkönig oder Rapunzel enthielt. Märchenstoffe lieferten aber auch literarisch interessierte deutsche Frauen wie Annette von Droste-Hülshoff, die Schwestern Hasenpflug oder Dortchen Wild, spätere Ehefrau von Wilhelm Grimm, die den Märchenschatz von ihrer Kinderfrau übernahm. Es scheint in Pädagogik und Neurobiologie unbestritten, dass - bis heute - Märchen optimale Möglichkeiten für Kinder bieten, etwas über die Welt und das Leben zu lernen. Im Begleitprogramm zur angelaufenen Sonderausstellung lud das Stadtmuseum Günther Holzhey und Ruth Baumer vom Nördlinger Museum ‚augenblick’ zu Vorführungen mit der vorgestrigen Laterna magica ein: Von einer Zauberlampe groß auf eine Leinwand geworfene Scherenschnitte lassen das Fernsehen vergessen, erst recht, wenn die dazu erzählten Märchen und Geräusche sie lebendig werden lassen. „Märchen machen Schule“, Sonderausstellung im Stadtmuseum Fürstenfeldbruck, Di-So 13-17 Uhr

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