"Der Goldberg" von Rudolf Koivu übersetzt von Ingeborg Keil

Märchenstunde beim Deutsch-Finnischen-Club in Germering

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Die Märchenstunde ruft.

Germering - „Köyhä mökinpoika asteli illanpimennossa kotiaan apeilla mielin.“ – Das war Finnisch, wie es so oft bei der Sendung mit der Maus heißt. Rund sechs Millionen Menschen sprechen die Sprache, dazu zählt auch die Germeringerin Ingeborg Keil, die Mitglied im Deutsch-Finnischen Club ist.

„Wir hatten vor vielen Jahren einen sehr netten Gastschüler aus Finnland. Die Freundschaft besteht heute noch. Das war Anlass sich mit der Sprache zu beschäftigen“, sagt sie. Allerdings habe sie damit erst nach ihrer Pensionierung angefangen. „Wie mit jeder Fremdsprache hat sich mir auch hier eine neue Welt eröffnet. Über ein Lehrbuch bin ich auf die Idee gekommen, mich mit finnischen Märchen zu beschäftigen. Das Buch von Rudolf Koivu mit wunderschönen Illustrationen hat mich noch mehr gereizt, diese zu übersetzen“, erklärt die ehemalige Gymnasiallehrerin.

 Märchenstunde: "Der Goldberg von Rudolf Koivu"

Eines Abends stapfte ein armer Häuslerjunge niedergeschlagen in der Dunkelheit nach Hause. Den ganzen Tag hatte er nach Arbeit für sich gesucht, aber niemand hatte seine Dienste haben wollen. Müde und traurig setzte er sich auf einen Stein, um ein wenig auszuruhen. Plötzlich kam ein mächtiger Windstoß, und vor ihm erschien im roten Laubholzdickicht eine hässliche alte Frau. „Du brauchst wahrscheinlich Arbeit,“ sprach die Alte. „Fang bei mir den Dienst an, und wenn du das dir Aufgetragene gewissenhaft ausführst, so werde ich dich gut entlohnen.“ Der Junge nahm das Angebot an, und so machten sie sich auf den Weg zu dem Haus der Alten. Im Haus was ein junges Mädchen eifrig mit den Hausarbeiten beschäftigt. Die Alte erklärte, dass das ihre Pflegetochter sei. Das Mädchen trug dem Jungen das Essen auf, und nachdem er gegessen hatte, legte sich der Junge zur Ruhe. Zeitig am nächsten Morgen, als es hell wurde, weckte die Alte den Jungen. Sie gab ihm einen Spaten und eine Harke und sagte, dass sie mit ihm nun zur Arbeitsstelle aufbrechen werde. Aber als der Junge einen Augenblick allein war, da begegnete ihm die Pflegetochter der Alten. Diese gab ihm eine kleine Spinne und sagte: „Verstecke diese unter deiner Mütze und wenn du in eine Notlage gerätst, dann kann dich diese Spinne retten.“ Die Alte führte den Jungen tief in den Wald. Plötzlich bemerkte der Junge vor sich einen hohen Berg. 

Der Berg war aus reinem Gold und so glatt und steil, dass ein Aufstieg ziemlich unmöglich schien. „Frühstücken wir zuerst, ehe wir mit der Arbeit beginnen.“ sagte die Alte, als sie am Fuß des Berges angekommen waren. Die Alte teilte ihre Wegzehrung mit dem Jungen, aber kaum hatte der Junge einen Schluck aus der Flasche, die ihm die Alte gegeben hatte, genommen, da versank er in einen tiefen Schlaf. Genau das hatte die Alte beabsichtigt, denn sie hatte ein einschläferndes Kraut in das Getränk gemischt. Sogleich erschien ein riesengroßer Vogel, der den Jungen packte und ihn schleunig auf den Gipfel des Berges beförderte. Dort erwachte der Junge. Von unten, vom Fuß des Berges, schrie die Alte ihm ihre Anweisungen zu. Der Junge sollte Goldklumpen heraus hacken und sie hinunterrollen lassen. Der Junge hatte Spaten und Harke und so begann er mit der ihm aufgetragenen Arbeit.Unten packte die Alte die Goldklumpen in einen Sack. Als die Alte den Sack voll hatte, warf sie ihn sich über die Schulter und machte sich bereit aufzubrechen. Der Junge rief, wie er denn herunterkommen sollte. „Komm so herunter, wie du auch hinaufgekommen bist oder bleib für den Rest deines Lebens dort,“ sagte die Alte und lachte bö- se. Dann ging sie mit dem Sack ihres Weges. 

Der Junge bekam es jetzt mit der Angst zu tun. Er blickte um sich, ob er nicht Rettung entdecken könnte, aber er sah nur Goldklumpen und zwischen diesen ausgebleichte Menschenknochen. „Offenbar sind vor mir schon andere den Verlockungen der Alten hierher gefolgt“, überlegte der Junge, „und jetzt erwartet mich das gleiche Schicksal.“ Aber in eben diesem Augenblick verspürte der Junge ein leises Kitzeln auf seiner Schädeldecke und er erinnerte sich, dass das Mädchen ihm die Spinne gegeben hatte. Der Junge entließ die Spinne in die Freiheit, und diese begann sogleich Spinnengewebe zu spinnen, feines und starkes Gewebe, das von der Bergspitze bis hinunter reichte. Als das Seil fertig war, ließ sich der Junge daran hinunter, und die Spinne zerstörte das Seil. Der Junge war jedoch kein Feigling. Er begab sich zurück zu der Alten und forderte den Lohn für seine Arbeit. 

Die Alte war verwundert, als sie den Jungen lebendig vor sich erblickte. Sogleich sprach sie lebhaft auf ihn ein und versprach, ihm den Lohn am folgenden Tag zu geben, wenn er ihr noch einen Tag zu Diensten stünde. Der Junge willigte ein. Gegen Abend traf der Junge erneut die Pflegetochter der Alten. Diese sagte: „Pass‘ genau auf, wenn die Alte des Nachts die Flaschen mit dem Getränk bereitet, und wenn sie schläft, so tausche die Flaschen aus.“ Der Junge wachte bis spät in die Nacht hinein und verfolgte das Tun der Alten. Die Alte mischte in die eine Flasche vielerlei Zutaten und als die Alte eingeschlafen war, vertauschte der Junge die Flaschen. Zeitig am nächsten Morgen als es hell wurde, brachte die Alte den Jungen wiederum zu dem Berg. Auch diesmal wurde zuerst gegessen, ehe es an die Arbeit gehen sollte. Aber diesmal erging es der Alten so, wie sie es dem Jungen gewünscht hatte. Sie fiel in einen tiefen Schlaf, nachdem sie aus der Flasche getrunken hatte. Wiederum erschien der große Vogel und beförderte nun die Alte eilig auf den Gipfel des Berges. Dort wachte die Alte verwundert auf, und dort ließ sie der Junge zurück. Der Junge ging zum Haus der Alten und berichtete der Pflegetochter, dass sie jetzt von den Diensten bei der bösen Alten befreit sei. Dann nahmen die beiden sich aus dem Schatz der Alten einen Sack voll Gold und sie kehrten glücklich zurück zu den Menschen. 

red

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