Kreisbote-Bandportrait: Rivendale

Rocken bis zur Rente

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Die Bandmitglieder von Rivendale (von links): Flo (Bass, Gesang), Jörg (Keyboard, Gitarre), Andi (Frontsänger, Gitarre), Bernd (Schlagzeug, Percussion) und Tilli (Gitarre, Gesang).

Umgeben von einer Großbaustelle und einem Gebrauchtwagenhändler, rocken die Mitglieder von Rivendale einmal die Woche im fahlen Neonlicht zweier Leuchtröhren vor den Augen ihrer „Groupies“, in einem eigentlich zu kleinen Bandraum. Wenn die Rocker dann mal loslegen, kommt es schon mal vor, dass ein Bauarbeiter mitsingt oder ein Autofahrer verwirrt auf der Straße stoppt, um der Musik zu lauschen.

Maisach – Nur ein kleines Zimmer haben die fünf Bandmitglieder zur Verfügung, um ihre Lieder zu proben. Aber das reicht ihnen. Die Wände sind mit gelben Schaumstofflamellen verklebt, von einer Ecke wurde eine Fahne zum einzigen Fenster gezogen und etwas unterhalb an einer Säule hängt einer von zwei, nicht ganz jugendfreien, Kalendern. „Die habe ich von einem Bekannten bekommen“, erklärt der 39-jährige „Tilli“ und Gitarrist von Rivendale. Die beiden unbekleideten Damen auf den Covern bezeichnen die Bandkollegen als ihre „Groupies“. „Wir haben keine echten Groupies und deshalb die Kalender“, erklärt Bassist Flo schmunzelnd.

Die Anfänge in 1992

Begonnen hatte damals alles mit einer Schülerband. Aus dieser gründet sich 1992 die damalige Band „Message“, die nach mehrfachen Namenswechseln in „Rivendale“ umgetauft wurde. „Ich und Andi wir haben uns oft getroffen und zusammen gejamt“, erzählt Tilli. Mit dreizehn Jahren nimmt er Gitarrenunterricht und spielt später auf der Westerngitarre. „Mit der Westerngitarre ist der Umstieg auf die E-Gitarre leichter“, erklärt er. Drei oder vier Jahre habe er dann auf dieser gespielt, bis er zur E-Gitarre wechselte.

Bassspieler bei der Kripo

Mit weniger Unterricht startete sein 40-jähriger Kollege Flo am Bass, indem er sich das Spielen einfach selbst beibrachte: „Ich spiele den Bass erst seit ich 1994 in die Band gekommen bin“, erzählt er. Den Bass holte er sich damals für 50 Mark. Der Kripobeamte aus Gröbenzell, lebt mittlerweile in Olching und ist bereits seit dem Kindergarten mit Andi befreundet. „Wir hatten in der Band immer die gleichen Instrumente“, fährt Andi fort. 

Realschullehrer als Frontsänger

Der 40-Jährige Frontsänger und Realschullehrer hatte ein Jahr klassischen Gesangsunterricht mit dem Dreh zum Operngesang. „Ich habe davor schon mal in einer Band gespielt und wollte mich mit dem Gesangsunterricht noch verbessern“, erzählt er. Neben Gitarre beherrscht er auch die Querflöte. Fünf Jahre nach der Gründung stieß Jörg hinzu. Der 40-jährige Keyboarder begann mit Klavierunterricht und probierte mit 17 Jahren die elektronische Variante aus.

Frustrierende Suche nach Schlagzeuger

Während sich die Band bis dahin einfach zusammenfand, mussten die vier lange auf einen geeigneten Schlagzeuger warten. „Uns war wichtig, dass es menschlich passt und wir uns gut verstehen“, sagt Tilli. Die Suche zermürbte zusehend die Band. „Wir hatten in einem Jahr zwei Schlagzeuger und mussten bei jedem wieder von vorne anfangen. Das war wirklich frustrierend“, sagte Tilli. Erst 2014 stieß mit dem 47-jährigen Bernd aus Hof der passende Kandidat hinzu. Seit 23 Jahren spielt er die Drums. „Ich habe bei einem Freund geübt und habe richtig Lust darauf bekommen“, erzählt er. Besonders gerne spielt er groovige und gefühlvolle Lieder.

"Die Lieder wurden immer ruhiger"

Im Laufe der Zeit veränderten sich nicht nur die Musiker, sondern auch ihr Stil. „Früher hat nur Andi gesungen, heute singen wir dreistimmig“, erklärt Tilli. Damals habe einfach das Know-How gefehlt, sagt Andi. Außerdem legten die Musiker heute mehr Wert auf Dynamik und Variation .Nur das Rockige hätte wohl gelitten, muss Flo zugegeben: „Die Lieder wurden in den letzten Jahren immer ruhiger“, sagt er. „Aber wir arbeiten dran“, fügt er hinzu. Rivendale spielt sehr gerne ihr „Steckenpferd“ Deep Purple. Aber auch die britische Hard-Rock-Band Whitesnake, die Rocker aus Chicago Styx und Power-Metal von Savatage aus Florida gehören zu ihrem Repertoire.

"Wir spielen das, worauf wir Lust haben"

„Wir wollen kein Abziehbild von einer ACDC Coverband sein,“ sagt Flo. Sie könnten zwar auf Hochzeiten oder als Partyband starten, das wäre aber nicht ihre Welt. „Dann hätten wir wohl nicht so viel Spaß“. Viel lieber spielen sie das, worauf sie Lust haben, auch wenn das nicht jedem gefällt. „Manchmal hören wir, ihr seid echt gut, aber spielt doch mal was anderes“, erzählt Flo. „Unsere Musik und ein Bier in der Hand, das ist das Richtige“.

Texte inspiriert von Persönlichen Erlebnissen

Rivendale ist ein „Zwitter“, weil sie neben gecoverten Titeln von bekannten Rockbands, auch eigene Lieder schreiben. Texte und Grundidee stammen jeweils von Andi. „Zusammen entscheiden wir dann“, sagt Flo. Häufig entstünden Zeilen immer dann, wenn es eigentlich eher ungünstig ist, wie beim Joggen, unter der Dusche und sogar auf dem Klo. „Meistens singe ich dann meine Ideen in mein Smartphone ein“, erzählt er. Inspirieren lässt er sich hierbei durch persönliche Erlebnisse wie Trennungen, Streit, aber auch durch Filme. „Die Texte handeln von Liebe und gesellschaftlichen Themen“, sagt er. So handelt „We will rise“ von Mobbing und „Tonight“ von Menschen auf der Straße. Mit den Texten sind die Bandkollegen bisher immer zufrieden gewesen, nur die Umsetzung gestaltet sich manchmal kompliziert. „Wir wissen manchmal nicht, wie wir mit den Instrumenten spielen sollen, weil die Texte so gut sind“, sagt Flo.

Durchbruch bei viel Berentzen

Die Chancen für einen echten Durchbruch sehen die fünf realistisch. „Echte Ambitionen hatten wir nie“, sagte Andi. Geträumt dagegen haben sie schon. Den persönlichen „Durchbruch“ feierte Flo auf einer Jahresfeier: „Zugegeben es gab viel Berentzen“, stellt Flo im vornherein klar. Nachdem dann einige Gäste während dem Auftritt „stagediven“, ein Konzertbesucher wird auf dem Rücken oder Bauch liegend von der Menge über die Menschen getragen, rief er: „Das ist jetzt der Durchbruch!“

Tiefpunkt: Zehn Gäste

Weit weg vom internationalen Durchstarten schien das Konzert beim Sommerfest in Puchheim: „Da waren gerade mal zehn Gäste anwesend, das war echt peinlich“. Unter 80 Gästen hätten sie sonst nie gespielt. Die Band hofft, dass sie auch zukünftig zusammen spielen können, am besten bis zur Rente. „Wir wünschen uns schöne Gigs mit Leuten, die Lust haben unsere Musik zu leben und zu fühlen“. Aber auch über ein paar mehr Auftritte würden sie sich nicht beklagen.

Die nächste Möglichkeit Rivendale im Landkreis live zu erleben, bietet sich am 4. November in der Legends Lounge in Olching. Hörproben und mehr Informationen zu Rivendale unter: www.rivendale-band.de.

Felix Hamann

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