Maisacher SPD feierte 90jähriges Bestehen mit Rudolf Schöfberger

„Seit 50 Jahren bin ich frecher Sozialdemokrat und bayerischer Patriot.“ Für Rudolf Schöfberger gehören die Sozialdemokratie und Patriotismus untrennbar zusammen. Als einschmeichelnder Gastredner erwies sich der frühere SPD-Landesvorsitzende Schöfberger bei der Feier zur 90-Jahre-Feier des Ortsvereines Maisach-Gernlinden aber gewiss nicht. Vielmehr mahnte er, sich nicht nur der Leistungen der Sozialdemokratie zu erinnern, sondern auch wieder selbstbewusster aufzutreten. „Duckmäuserei hilft der SPD nicht weiter.“

In Bezug auf den historischen Vortrag der Ehrenvorsitzenden Helga Rueskäfer, die Entstehung und Entwicklung des Ortsvereines geschildert hatte, meinte Schöfberger: „Das hier ist nicht nur ein Ortsverein, sondern ein prächtiges Stück bayerischer und deutscher Sozialdemokratie.“ Rueskäfer hatte unter anderem an Hans Wegmann und Hugo Brunninger erinnert, die nach dem Ersten Weltkrieg und bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten erfolgreich für den SPD-Ortsverein wirkten. Beide Persönlichkeiten bauten auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Sozialdemokratie auf und stellten sie auf feste Beine. Schöfberger seinerseits ging in der Geschichte der SPD noch weiter zurück. Aus der Notgemeinschaft anno 1863 sei schnell die Vision auf eine gerechte und friedvolle Welt geworden. „Diese Vision ist seit 146 Jahren das Lebenselixier geworden.“ Ohne dieses Elixier führe der Weg der SPD schnell in die Gruft der Geschichte. Dies bezog Schöfberger durchaus auch auf die bayerische SPD. Seit mehr als 51 Jahren stehe sie im Freistaat in der Opposition und dies seit September 2008 nur mehr mit kümmerlichen 18,6 Prozent. „Ist das noch eine Volkspartei“, fragte Schöfberger und ließ Kampfgeist folgen. „Das muss für Sozialdemokraten unerträglich sein, dass muss sich ändern.“ Dazu gehöre auch, immer wieder mahnend den Zeigefinger zu heben und Probleme deutlich anzusprechen. „Hartz IV mit erbärmlichen 387 Euro und 232 Euro für Kinder bei 41 Millionen Jahresgehalt für Herrn Ackermann wollen wir nicht länger erleiden“, sagte Schöfberger. Auch der Ausdruck „Finanzkrise“ beschönige die größte Weltwirtschaftskrise seit 1929. Die aktuell diskutierte Verstaatlichung von hoch verschuldeten Unternehmen und die Milliardenhilfen bezeichnete Schöfberger als „Raubtierkapitalismus in Reinkultur“. Die SPD müsse in den Ortsvereinen von einer Zuhörer- wieder zu einer Mitmachpartei werden. „Entflammt die sozialdemokratische Glut stets neu“, forderte Schöfberger in seiner Festrede von den Maisacher und Gernlindener Genossen. Denen bescheinigte Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU), ein lebendiger Teil der Gemeinde zu sein. „Es ist nie die Partei, es sind immer die Menschen, die Politik machen.“ Sozialdemokratisches Verständnis und die enge Verwurzelung vor Ort seien in Kombination eine gute Basis für eine gute und überparteiliche Zusammenarbeit. Seidel verwies auch darauf, dass die Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wellenstein in der Geschichte die erste Frau auf einer derart gehobenen Position sei.

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