Manchmal "peligroso", aber auch lebhaft-bunt und katholisch: Panama 

Ein Maisacher beim Stamm der Kuna in Panama

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Tänze in bunten Gewändern und tiefgläubige Katholiken: Das ist typisch für Panama, aber auch Lehmhütten, Kriminalität und Drogenschmuggel im Grenzgebiet zu Kolumbien. 

Maisach – Jedes Jahr geht der Maisacher Helmut Moser, früher bei einer Behörde beschäftigt, auf eine große Reise. Diesmal erforschte der Globetrotter Panama. Er bewunderte den weltberühmten Kanal, schlug sein Zelt unter Palmen auf und war mit einem Einbaum zum Stamm der Kuna unterwegs, neben den Pygmäen die kleinsten Menschen. 

Die Skyline von Panama City.

Die Boeing der Iberia Fluggesellschaft setzt in einer großen Schleife über dem Pazifik zum Landeanflug auf den Tocumen Airport von Panama City an. Unter mir sehe ich eine Flotte von Frachtern vor Anker liegen, welche auf die Einfahrt in den Panamakanal warten. Mit einem Ehepaar aus Italien fahre ich in einem Taxi der imposanten Skyline der 800.000 Einwohner großen Metropole entgegen. Ich lasse mich in der Altstadt, im Casco Viejo, mit seinen preiswerten Pensionen absetzen. Da einige belegt sind und es schon nach 18 Uhr zu dunkeln beginnt, entdecke  ich an den Straßenkreuzungen Polizisten mit Maschinenpistolen und eine Frau meint sogar, daß es hier "peligroso" ist. 

Selbst am nächsten Tag, als ich durch ein schäbiges Nachbarviertel spazieren will, deutet man mir per Handzeichen an , daß ich besser umkehren soll. Im "white Lion" finde ich endlich ein Plätzchen in einem Stockbett unter mehreren Rucksacktouristen. Nach einem bescheidenen Frühstück sehe ich mir dann die alten Kolonialbauten mit ihren schmiedeeisernen Balkonen an und folge einer feierlichen Prozession, welche hinter einer Marienstatue hergeht. Sie streben zur Catedral Metropolitan, der Hauptstadtkathedrale zu. Es ist immer wieder rührend, mit welcher Inbrunst und Anteilnahme die Lateinamerikaner die Messen zelebrieren und ihre Kinder dazu herausputzen.

 Dann geht es per Bus an die Karibikküste zur Comarca Kuna. Auf einem schmalen, ca. 250 km langen Küstenstreifen, aber vor allem auf einigen der 350 Palmeninseln im San Blas Archipel leben die Kuna, die intakteste indigene Gesellschaft der Welt und sind neben den Pygmäen auch die kleinsten Menschen. Hier dürfen nur Angehörige ihres Stammes leben und nur kurzzeitig, zahlende Besucher. Ein kleines Boot bringt mich weit hinaus ins offene Meer und setzt mich auf einer dieser kleinen Eilande ab. Unter Palmen schlage ich mein Zelt neben mehreren Campern auf. In einer Strohhütte verkaufen die Kuna Getränke und ihre farbenfroh gekleideten Frauen mit Perlenschmuck an den Waden die berühmten Molas, welche aus ca. 35/45 cm mittels übereinanderliegenden , farblich kontrastierenden Stofflagen hergestellt werden. Klassisch sind abstrakte Muster, aber es werden auch gerne Fische, Vögel oder Schmetterlinge dargestellt. Als ich einmal auf einem kleinen Bänkchen auf das saphirblaue Meer blicke , gesellt sich ein älterer Kuna dazu. Neben meinem knallroten Gesicht sieht sein wettergegerbtes Gesicht wie ein Lederapfel aus. Neugierig fragt er mich, woher ich komme und nach einer Weile nach meinem Alter. "Setenta" sage ich, und er "lo mismo". Lächelnd stellen wir fest, daß wir alte Knaben gleichaltrig sind und es zusammen auf 140 Lenze bringen.

Nach einigen Tagen geht es wieder zurück an Land und auf der Panamericana durch den Darien, den südöstlichen Teil Panamas. Diese Straße habe ich auf mehreren Etappen von Kanada bis Feuerland schon größtenteils bereist. Ich fahre nur bis Meteti, denn diese Gegend ist wirklich gefährlich, weil das Urwaldgebiet zur unkontrollierbaren kolumbianischen Grenze dem Drogenschmuggel dient und Rückzugsgebiet für Guerilleros und Kriminellen aus Kolumbien ist. Ein Bekannter von mir, ein welterfahrener Hamburger, ist darin vor längerer Zeit spurlos verschwunden. Ich reise wieder zur Pazifikseite und setze auf einem Boot nach La Palma im Golf de San Miguel über. Dieser hangseitig gelegene pittoreske Ort mit seinen 2000 Einwohnern gefällt mir sofort. Zur Seeseite hat man die bunten Hütten auf Pfählen errichtet (und dadurch kein Abwasserproblem). Bei "Pablo und Bonita" bekomme ich ein einfaches Zimmer mit WC und Dusche für 10 $. Dann erkunde ich den Ort und freunde mich in einer Kneipe mit dem Wirt und einigen Gästen an, alles Schwarze, denn die Bevölkerung ist hier vorwiegend negroid. Ab und zu sieht man einige Frauen der Wounaan Indianer in ihren bunten Wickelröcken. 

Nach einigen Tagen kann ich in einem Einbaum mit Außenbordmotor zu einem kleinen Dorf dieses Stammes fahren. Etwa 20 strohgedeckte Hütten auf Pfählen sehe ich. Es ist wegen der Krabbeltierchen und vor allem der giftigen Schlangen. Manchmal dient noch ein eingekerbter Baumstamm als Leiter. Stühle, Tische und Schränke sind unbekannt und durch Matten wird eine provisorische Abtrennung in 2,3 Räumen erreicht. Gekocht wird meistens über offenem Feuer. Einer der wenigen Flachbauten aus Lehm ist die Gemeinschaftsschule. Ich finde es aber unsinnig, daß sogar hier die Kinder die übliche Schuluniform tragen müssen. Da laufen selbst die kleinen Buben in langen dunkelblauen Hosen umher. Da ich mir etwas verloren vorkomme nehme ich die Gelegenheit wahr, nach 2 Tagen wieder die Rückreise antreten zu können. Um 4 Uhr morgens stapfe ich hinter einer Indianerin mit ihrer Taschenlampe auf einem Pfad durch den Urwald zum Fluß.

Dort wartet ihr Mann und in stockdunkler Nacht geht es in einem Einbaum 3 Stunden lang durch dichten Mangrovenwald beiderseits des kleinen Flusses zum Golf und nach La Palma. Als ich einige Tage später wieder zurück nach Panama City fahre, wird mir mein Leichtzelt unbemerkt aus dem Bus gestohlen. Lauthals bedanke ich mich beim Aussteigen für die Sicherheit im Bus, weiß aber, daß ich alleine keine Chance habe. Leicht angesäuert reise ich in den Norden Panamas, zur Laguna de Chiriqui an die Karibik.

Mit mehreren Leuten unternehme ich auf einem Katameran eine Tagestour. Wir sehen Delphine auf kurzer Distanz und tellergroße Seesterne in Ufernähe. Im Landesinneren besuche ich das kleine Städtchen Boquete, welches in der Nähe des höchsten Berges Panamas liegt, des 3475m hohen Vulkan de Baru. In dieser klimatisch gemäßigteren Zone haben sich viele Amerikaner und auch einige Europäer niedergelassen, aber ich habe das Gefühl, daß sie in ihren hübschen, blumenumsäumten Fincas etwas isoliert von den Einheimischen leben. Portobelo an der Karibik war vor 500 Jahren der wichtigste Hafen der Neuen Welt, denn von hier aus wurde das geraubte Gold aus Südamerika nach Spanien verschifft, einige alte Forts sind noch stumme Zeugen dieser Zeit.

Der berüchtigte Pirat Francis Drake soll hier sein Seemannsgrab gefunden haben. Etwas heruntergekommen ist jetzt der 4000 Seelen Ort, aber bekannt für sein stimmungvolles Fest am letzten Sonntag des Monats zu Ehren des schwarzen Christus. An einem Seitenaltar der Iglesia San Felipe steht er lebensgroß hinter einer Glasvitrine. In der geschützten Bucht ankern ca. 20 Segelboote. Mit einigen Franzosen und einem Amerikaner komme ich ins Gespräch, aber 2 Skipper darunter machen einen recht verwahrlosten Eindruck. Zum Schluß besuche ich noch die Miraflores Schleuse des 1914 eröffneten Panamakanals.

Die Miraflores Schleuse des 1914 eröffneten Panamakanals.

Von der Dachterasse eines mehrstöckigen Gebäudes für Besucher sehe ich, wie gerade ein Frachter aus Hongkong durchgezogen wird. 2010 soll die bisher höchste Gebühr für ein Schiff, berechnet nach Bruttoregistertonnen, mit ca. 400.000 $ entrichtet worden sein. Am letzten Tag in Panama City traf ich bei den Markthallen wieder eine sympathische kleine Gruppe junger Norddeutscher. Ein Mädchen bedankte sich herzlich für meine Wegbeschreibung tags zuvor zu der Miraflores Schleuse, denn einige Einheimische verstanden sie offensichtlich nicht. Ich selbst hatte damit mehrmals Probleme, weil sie ein schlampiges Spanisch mit vielen Kürzeln sprechen und so meinte ich, daß sie entweder begriffsstutzig sind oder stur. Da witzelte ein Schelm :"wie die Bayern auch!"

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