Die deutschen Militärpfarrer sind die einzigen Militärgeistlichen von allen Armeen der Welt, die nicht als Soldat ihren Dienst versehen

Militärdekan Alfons Hutter bereitet sich auf Einsatz in Mali vor

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Der katholische Militärdekan Alfons Hutter.

Fürstenfeldbruck – Am 11. Januar 2016 werden es fünf Jahre,  seit der katholische Militärdekan Alfons Hutter seinen Dienst als Seelsorger auf dem Fliegerhorst Fursty antrat. Jetzt bereitet sich der Militärpfarrer und stellvertretende Wehrbereichsdekan auf seinen nächsten Auslandseinsatz in Mali vor. Hutter: "Derzeit befinden sich 200 deutsche Soldaten in Mali.  Das Kontingent wird auf 620 Soldaten erhöht.“ In einem Ausbildungscamp in Koulikoro, eine Stunde von der Hauptstadt Bamako entfernt, sollen einheimische Soldaten und Polizisten ausgebildet werden. Damit avanciert der Einsatz der Bundeswehr neben Afghanistan und dem Kosovo zu einem der größten Auslandseinsätze.

  „Vom 12. Februar bis 28. April geht es ab nach Mali“, bestätigte der 62-Jährige bei einem Gespräch mit dem Kreisboten am 3. Dezember 2015.   Die Umwandlung der deutschen Armee von der Landesverteidigung im Kalten Krieg zu einer Armee für internationale Einsätze weltweit stellt  die einschneidendste Veränderung in der Geschichte der Bundeswehr dar. Seitdem deutsche Soldaten zu Einsätzen nach Kambodscha und Somalia, auf den Balkan und nach Afghanistan oder ans Horn von Afrika aufbrechen, werden sie stets von evangelischen und katholischen Militärpfarrern begleitet. Für den sportlich fitten Pfarrer vom Brucker Fliegerhorst stellt der nun bevorstehende vierte Einsatz nach zwei Einsätzen in Afghanistan (2002/03 und 2006) und im Kosovo (2008) schon eine gewisse Normalität dar. „Das gehört doch zu meinen Aufgaben“, sagt Hutter. „Wenn sich einer, so wie ich, zur Bundeswehr meldet, dann muss er auch das „ganze Paket“ mitnehmen“, meint er. In der Bundeswehr gibt es 90 katholische und 98 evangelische Pfarrer.  Auslandsverwendungsfähig  seien gerade einmal 30 Prozent.

 Seine Gesundheit sieht Hutter als ein Geschenk. Trotz seiner 62 Jahre gab es beim gründlichen militärischen Gesundheitscheck, der vor jeder Auslandsverwendung fällig ist, keine Beanstandungen. „Ich lege jede Strecke mit dem Radl zurück und halte mich zusätzlich durch Laufen fit.“ Die „Verpflichtungszeit“ eines Pfarrers bei der Bundeswehr bewegt sich in der Regel zwischen sechs und zwölf Jahren. In dieser Zeit werden sie von ihrer Diözese freigestellt und erhalten bei der Bundeswehr den Status eines Beamten auf Zeit. Hutter, der nach sechs Jahren in Amberg und vier Jahren in Mittenwald mit seiner Brucker Zeit inzwischen auf insgesamt 15 Jahre Militärseelsorge-Tätigkeit zurückblickt, bestätigt, dass es auch Ausnahmen gibt. Etwa zehn Prozent können auch länger bleiben. „Ich kann mir vorstellen noch bis zur Auflösung der OSLw (Offizierschule der Luftwaffe) in Fursty zu bleiben, um dann zu meiner Diözese Eichstätt zurückzukehren.“

 Einzigartig ist der Status der Militärpfarrer in der Bundeswehr. Sie sind die einzigen Militärgeistlichen von allen Armeen der Welt, die nicht als Soldat ihren Dienst versehen. „Ich habe weder einen Dienstgrad noch trage ich eine Uniform oder bin gar Dienstvorgesetzter“, erklärt Hutter. „Mit mir können die Soldaten über alles reden.“ So besteht neben dem Abhalten von Gottesdiensten für den Militärpfarrer die Aufgabe, einfach nur für die Soldatinnen und Soldaten da zu sein. „Mit ihnen die mögliche Bedrohung und die Einschränkungen des täglichen Lebens teilen, aber auch die kameradschaftliche Nähe, sowie Freud und Leid erfahren“, beschreibt Hutter seine Aufgaben als Militärpfarrer im Lager. „Da brauche ich nicht lange zu überlegen“, antwortet der Brucker Militärdekan auf die Frage nach dem bisher einschneidendsten Erlebnis bei seinen bisherigen Einsätzen im Ausland. Drei- bis viermal im Jahr holen ihn im Traum die schrecklichen Ereignisse vom siebten Juni 2003 ein, als in Afghanistan vier deutsche Soldaten ums Leben kamen und 28 verletzt wurden. Die Soldaten waren mit ihrem Bundeswehr-Bus auf dem Weg zum Rückflug nach Deutschland in einen Hinterhalt geraten. Alfons Hutter leistete den Soldaten damals Beistand. 

 Dieter Metzler

Zum Engagement der EU im Sahel: Im Jahr 2013 hatten französische und afrikanische Truppen Islamisten im Norden Malis vertrieben, doch die Lage gilt als fragil und verfahren: Tuareg-Separatisten und islamistische Terror-Gruppen, das florierende Geiselgeschäft (hohe Lösegelder für entführte westliche Staatsbürger), das unterbunden werden soll,  die Bekämpfung des Drogenschmuggels sind große  Herausforderungen. Die Bevölkerung ist arm, die Zahl der Analphabeten hoch, die Lebenserwartung niedrig.  Zuletzt gab es Schlagzeilen, als in Malis Hauptstadt Bamako bei einem terroristischen Anschlag von Islamisten auf ein Luxushotel 21 Tote zu beklagen waren. Mali liegt in Westafrika, der größte Teil der Bevölkerung (14,5 Mio Menschen) lebt im Süden, der Norden erstreckt sich bis tief in die Sahara. Außer der Landwirtschaft spielt der Bergbau mit dem Abbau von Gold und Salz eine Rolle.  Eine gemeinsame Grenze hat Mali mit Algerien, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Guinea, Mauretanien, Niger, Senegal.  (redkb)

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