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Im Workshop konnten Brucker Bürger das Integrationskonzept für den Landkreis mitgestalten

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Auf großflächigen Stellwänden präsentierten die sechs Arbeitsgruppen erste Ergebnisse.
Auf großflächigen Stellwänden präsentierten die sechs Arbeitsgruppen erste Ergebnisse. © Thiel

Mammendorf – Die Website für den Landkreis auch in Türkisch oder Ukrainisch, ein iranischer Dolmetscher für den Elternabend in der Schule, mehrsprachige Informations-Broschüren in den öffentlichen Einrichtungen – diese Ideen könnten zu einer gelungenen Integration ausländischer Mitbürger beitragen.

Doch noch handelt es sich dabei nur um einzelne Vorschläge, die in der Beteiligungswerkstätte zum Integrationskonzept in Mammendorf gesammelt und diskutiert wurden. Zu diesem Informationsaustausch waren auch Bürger eingeladen. Realisiert werden können die Anregungen frühestens ab kommendem Sommer, wenn ein umfassender Entwurf ausgearbeitet ist und dem Kreistag zum Beschluss vorgelegt wurde.

Mehr als ein viertel der Landkreisbürger hat Migrationshintergrund

Dass der Bedarf für ein weitreichendes Integrationskonzept groß ist, steht für Hans Sautmann, Kreisrat aus Eichenau und Referent für Integration und Migration, außer Frage. Schließlich haben mittlerweile mehr als ein Viertel der rund 220.000 Landkreis-Bürger einen Migrationshintergrund. Schon im Dezember 2020 stellte Sautmann deshalb im Kreistag den Antrag, Projekte zur Integration gezielter zu organisieren und zu koordinieren.

Konzepte für bessere Integration

Mit einem entsprechenden Konzept beschäftigen sich seitdem ein vierköpfiges Kernteam, zu dem neben Sautmann der Integrationslotse Mirko Sfeir sowie Vertreter der AWO und Caritas Fürstenfeldbruck gehören. Unterstützung erhalten sie von einem Entscheidungskreis aus 25 Haupt- und Ehrenamtlichen. 14 von ihnen bringen ihre eigene Migrationsgeschichte in eine der sechs Arbeitsgruppen ein.

Die Arbeitsgruppe „Ausbildung, Arbeit und Wirtschaft“ (von links): Manfred Kerber, ehrenamtlicher Mitarbeiter, Thomas Markert, Beauftragter für Migration im Jobcenter FFB, Amadou Ndiaye, Integrationsbeauftragter bei der IHK München sowie die ehrenamtlichen Mitarbeiter Giovanni Maio und Bernhard Harles.
Die Arbeitsgruppe „Ausbildung, Arbeit und Wirtschaft“ (von links): Manfred Kerber, ehrenamtlicher Mitarbeiter, Thomas Markert, Beauftragter für Migration im Jobcenter FFB, Amadou Ndiaye, Integrationsbeauftragter bei der IHK München sowie die ehrenamtlichen Mitarbeiter Giovanni Maio und Bernhard Harles. © Thiel

„Wir erstellen gerade einen Fragebogen, mit dem wir herausfinden wollen, warum ausländische Frauen im Landkreis nur selten in den Arbeitsmarkt finden“, berichtet Bernhard Harles, ehrenamtlicher Mitarbeiter in der AG „Ausbildung, Arbeit und Wirtschaft“. Wollen die Ehemänner nicht, dass die Frauen arbeiten, oder fehlt es an der Kinderbetreuung? Könnte vielleicht eine spezielle Jobbörse im Internet – natürlich mit Google-Übersetzer – hilfreich sein? Würden sich mehr Migranten zu Fachkräften ausbilden lassen, wenn man ihnen finanzielle Unterstützung während der Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zukommen ließe? Viele Fragen sind noch offen.

Maßnahmen müssen optimiert werden

Trotz all der ungelösten Probleme wurde bei den Diskussionen in den unterschiedlichen Arbeitsgruppen deutlich, dass es im Landkreis schon viele positive Beispiele für integrative Maßnahmen gibt. Oft müssten diese aber flächendeckend ausgeweitet und optimiert werden. Dies gilt unter anderem für die Deutschklasse in der Mittelschule Mammendorf, die Özge Tuna-Kerestecioglu leitet. Dort lernen Migranten-Kinder ein Jahr lang die deutsche Sprache, ehe sie in eine Regelklasse wechseln können. Tuna-Kerestecioglu, Fachberatung Migration im Schulamt Fürstenfeldbruck und ehrenamtlich im Arbeitskreis „Bildung und Sprache“ für das Integrationskonzept tätig, hält die Zeitspanne von einem Jahr für den Spracherwerb für zu kurz bemessen und würde sich zusätzlich eine eigene Nachmittagsbetreuung wünschen.

Orientierungshilfe von den Nachbarlandkreisen

Noch rund neun Monate haben die Haupt- und Ehrenamtlichen Zeit, um all diese Anregungen zu einem durchdachten Plan auszufeilen. Orientierungshilfe können sich die Mitarbeiter vom Nachbarlandkreis Starnberg sowie Germering und München holen, die bereits über umfassende Integrationskonzepte verfügen. Wie schließlich die optimale Lösung für Fürstenfeldbruck aussehen wird und welche Anregungen in die Realität umgesetzt werden, entscheidet der Kreistag im Sommer 2023.

Jutta Thiel

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