Margret Kopp, Vorsitzende der PiT-Togohilfe Maisach,  derzeit mit Delegation in Westafrika unterwegs - Togo-Projekt "Santé pour tous"

Bundestagsdelegation informiert sich mit Margret Kopp in Togo

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Unterschrift des Kooperationsvertrages zur Durchführung des Projektes "Santé pour tous" - Gesundheit für alle", l. Margret Kopp, Vorsitzende der PiT-Togohilfe Maisach, r. Dr. Michel Kodom vom Partnerverein Aimes-Afrique.
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Die beiden Initiatoren des Projektes „Santé pour tous – Gesundheit für alle“, Margret Kopp und Dr. Michel Kodom.
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Barbara Zinstag aus Dachau, stellv. Vereinsvorsitzende,  assistiert bei der Entwurmungskur der Schulkinder.
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Mit Dr. Gerhard Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in der Kathedrale in Togos Hauptstadt  Lomé mit Margret Kopp und Dr. Michel Kodom.  
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Begegnung mit dem deutschen Entwicklungshilfeminister Dr. Müller in Togo, auf dem Bild Margret Kopp und Dr. Michel Kodom, Mediziner (Aimes-Afrique). PiT-Togohilfe Maisach
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Margret Kopp bei den Vorbereitungen für die Aktion (medizinisches Material).
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Deutsche und togoische Mediziner arbeiten intensiv zusammen, um möglichst viele Patienten operieren zu können.

Maisach - Margret Kopp, Vorsitzende der PiT-Togohilfe in Maisach,  tritt ab  2. April mit einer Bundestag- und Wirtschafts-Delegation ihren Flug nach Togo/Westafrika an.  Vorher informierte sie Spender und Förderer, die die Durchführung des Projektes „Santé pour tous – Gesundheit für alle“, das gemeinsam mit dem togoischen Partnerverein Aimes-Afrique geleistet wird, sicherstellen.

  Kopp: „Dank Ihrer großzügigen Spenden konnten wir im zurückliegenden Jahr genügend Eigenleistung aufbringen, um einen großen Zuschuss des Bundesministeriums für Zusammenarbeit (BMZ) in Berlin zu erhalten und damit zwei große vierzehntägige Ärzteeinsätze in der Region der Savanne ganz im Norden (im Oktober) und in der Zentralregion um Sokodé (im November) durchzuführen. Das hochgesteckte Ziel, nämlich 10.000 arme Patienten zu untersuchen und 1.000 Operationen kostenlos durchzuführen, wurde nicht nur erreicht, sondern sogar noch übertroffen.

Trotz der mitunter schwierigen Rahmenbedingung arbeiteten das Team von Aimes-Afrique und alle beteiligten Ärzte sehr professionell, sodass wir auch über alle Patientendaten und deren Erkrankungen bzw. angewandte Therapien verfügen. Insgesamt wurden 17.512 mittellose Patienten untersucht und sofort behandelt. 1.515 Operationen konnten ebenfalls kostenlos durchgeführt werden.

 Die erste Mission in der Savannenregion war von Aimes-Afrique allein sehr erfolgreich durchgeführt worden. Im November hatte sich noch ein 14-köpfiges deutsches Ärzteteam des Vereins „Ärztecamp“ angeschlossen. Die Verdreifachung des Teams stellte eine große logistische Herausforderung für unseren Partnerverein in Togo dar, welchen dieser – wenn man Togo kennt – mit Bravour gemeistert hat. Schon das Beladen des umfangreichen Materials auf die Fahrzeuge von Aimes-Afrique (auch das durch uns gespendete Ambulanzfahrzeug wurde vollgestopft und eingesetzt) nahm fast einen halben Tag in Anspruch, bis der Konvoi sich endlich mit allen Beteiligten in Bewegung setzen konnte.

Aber alle Arzneimittel und Medizinprodukte müssen stets sofort mitgebracht werden, um die Patienten dann wirklich gleich behandeln zu können. Nach der Unterbringung in mehreren kleinen, aber sauberen Hotels fing zunächst die Phase der Untersuchungen der Patienten in den kleinen Buschkrankenstationen an. Als wir im ersten Dorf eintrafen, bekam ich fast Panik, so viele Menschen standen erwartungsvoll vor dem kleinen Dispensaire.

 Doch die Mitarbeiter von Aimes-Afrique bewahrten die Ruhe, besprachen sich mit dem lokalen Personal, teilten die wenigen Räume auf die verschiedenen Fachärzte auf, manche bekamen auch einfach einen Tisch unter einem Baum aufgestellt. Dann wurden die Patienten nach ihren Beschwerden zu den jeweiligen Fachärzten eingeteilt. Nach relativ kurzer Zeit verwandelte sich das Chaos in lange, wohl geordnete Schlangen, die geduldig oft mit-ten in der prallen Sonne darauf warteten, zum ersten Mal in ihrem Leben einen richtigen Arzt zu treffen und ihm ihre Leiden vorstellen zu können.

Dank der Unterstützung durch sehr engagierte Dolmetscher konnten auch die deutschen Ärzte ein enormes Pensum an Behandlungen durchführen und zu den beeindruckenden Gesamtzahlen beitragen. Viele Menschen, vor allem Kinder litten glücklicherweise an harmlosen Erkrankungen wie Schnupfen, Bauchschmerzen, Ohrenweh oder oberflächlichen Verletzungen. Bei Malariaverdacht wurde der entsprechen-de Bluttest sofort im mitgebrachten ambulanten Labor durchgeführt. Doch bei vielen Fällen wurden notwendige Operationen diagnostiziert. Die Betroffenen wurden ebenfalls sofort zum Labor geschickt, um ein umfassendes Blutbild machen zu lassen.

 Danach wurden sie genau aufgeklärt, welcher Eingriff bei ihnen vorge-sehen ist, und ihnen der Termin und der Ort des Krankenhauses erklärt, wo sie sich nur wenige Tage später einfinden sollten. Alle Behandlungen und vorgesehenen OP’s wurden sorgfältig in die Patientenhefte und in Register eingetragen, um zuverlässige Statistiken und Nachweise der geleisteten Arbeit führen zu können. So ganz „nebenbei“ wurden die Kranken und vor allem ihre sie begleitenden Angehörigen stets auch zu Fragen der Prävention, Hygiene und Familienplanung informiert und sensibilisiert, um zu vermeiden, dass die momentane Behandlung nur kurzfristig wirkt und viele der gut vermeidbaren Leiden gleich wieder auftreten. Alle Ärzte und Helfer arbeiteten sehr konzentriert, um möglichst alle der wartenden Patienten auch tatsächlich behandeln zu können.

Trotzdem wurden die Schlangen während des ganzen Tages nicht kürzer, da ununterbrochen neue Menschen herbeiströmten und sich hinten wieder einreihten. Rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit mussten die Behandlungen einfach abgebrochen werden, auch wenn es allen sehr schwer fiel, die noch immer hoffnungsvoll wartenden Patienten unverrichteter Dinge nach Hause zu schicken und auf ein nächstes Mal zu vertrösten, ein belastender Moment für die Ärzte, die im Akkord gearbeitet hatten und todmüde in die Fahrzeuge stiegen. Am nächsten und allen folgenden Tagen fiel dasselbe Programm in weiteren abgelegenen Dörfern an. Parallel zu den Untersuchungen besuchten einige Mitarbeiter von Aimes-Afrique die Schulen der Dörfer und verabreichten allen Kindern eine Entwurmungstablette als Präventionsmaßnahme.

Bei dieser Aktion durften auch Barbara und ich mithelfen. Es war für die Schülerinnen und Schüler eine willkommene Unterbrechung des Unterrichts und ein einmaliges Ereignis, von einer Weißen die rosa Pille in den Mund gesteckt zu bekommen. In vier zentralen Dörfern wurde das lokale Gesundheitspersonal geschult und vor allem auf die Nachsorge der operierten Patienten vorbereitet.

 Die Krankenstationen wurden mit ausreichend Scheren, Pinzetten, Verbandsstoffen u. ä. ausgestattet, um diese Aufgaben professionell leisten zu können. Sogar Fotoapparate wurden ihnen zur Verfügung gestellt, um die Heilungsfortschritte ihrer Patienten dokumentieren zu können. Am fünften Tag der Einsätze begann parallel zu den Untersuchungen in den Dörfern die Arbeit der Chirurgen in den nächstgelegenen Regionalkrankenhäusern. Dort bot sich beim Eintreffen der Ärzte stets ein ähnlich chaotisches Bild der wartenden Menge an Patienten und Angehörigen. Und wieder gelang es dem routinierten Team von Aimes-Afrique innerhalb kürzester Zeit, die Patienten in der Reihenfolge der geplanten Operationen zu sortieren.

Als erstes wurden stets die Kinder operiert

Stets wurden als erstes alle Kinder operiert, um für sie die angstvolle Wartezeit möglichst kurz zu halten. Um die Vielzahl an Eingriffen zu bewältigen, wurden in den OP-Sälen stets mehrere Operationstische aufgestellt. Die deutschen Ärzte staunten über das Tempo, das ihre togoischen Kollegen an den Tag legten, passten sich aber schnell diesem Rhythmus an. Barbara wurde schnell als dolmetschende OP-Krankenschwester von einem deutschen Chirurgen-Ehepaar vereinnahmt und konnte hautnah miterleben, wie trotz der bedrückenden Enge und dem Gewimmel an Ärzten und Krankenpflegern auf ein höchstmögliches Maß an Sterilität und Professionalität bei der Arbeit geachtet wurde.

Keines der Krankenhäuser verfügte über ein funktionierendes Anästhesiegerät

Keines der Krankenhäuser verfügte über ein funktionierendes Anästhesiegerät. Doch die Ärzte von Aimes-Afrique bevorzugen sowieso die kostengünstigere Lokalanästhesie, die außerdem den Vorteil hat, dass die Patienten den Eingriff miterleben und später davon in ihren Dörfern berichten können. Das trägt zum Abbau von Ängsten und Abergauben bei und sensibilisiert die Menschen, sich besser um Vorsorge und Gesundheit zu kümmern. Die meisten Patienten, auch Kinder, wurden wegen Leistenbrüchen, die Frauen auch wegen Uterusvorfällen und anderen gynäkologischen Problemen operiert. Besonders glücklich waren viele Blinde, die nach einer Operation vom Grauen Star geheilt sind und wieder sehen können.

Alle Eingriffe werden dokumentiert

 Alle Eingriffe wurden genauestens dokumentiert. Jeder Patient bekam sein OP-Nachsorge-Set je nach erfolgtem Eingriff mit den notwendigen Verbandsstoffen und Medikamenten zugeordnet und ausgehändigt. In den benachbarten Krankensälen mussten sich die Kinder zu dritt oder viert ein Bett für die Aufwachphase teilen, was Dr. Kodom, dem Chef von Aimes-Afrique, ein großer Dorn im Auge ist. Aber das Platzangebot reicht einfach nicht aus.

Für zukünftige Einsätze wünscht er sich Zelte, um die Patienten angemessen nach den Operationen unterbringen zu können. Die Menschen selbst beschweren sich nicht. Im Gegenteil, ich konnte persönlich miterleben, wie ein Mann, der von einem langjährigen Leistenbruch befreit worden war, sich noch benommen und zitterig vom OP-Tisch erhob und dabei immer wieder das Wort „AKpe, Akpe“ (Danke, Danke) aussprach, bevor er am Arm eines Krankenpfle-gers aus dem OP-Saal geführt wurde. Das motivierte natürlich auch die Ärzte immer wieder, ihre anstrengende konzentrierte Arbeit fortzusetzen, auch wenn mitunter die Klimaanlage wegen Stromausfall versagte oder eine OP-Lampe einfach ihren Geist aufgab und kurzerhand durch eine normale Stehlampe oder eine Stirnlampe der deutschen Reisegruppe ersetzt werden musste. Das ursprünglich angedachte abendliche gemütliche Beisammensein fiel meistens aus, weil alle Beteiligten nach dem Abendessen nur noch todmüde ins Bett fielen.

 Doch die strahlenden und dankbaren Gesichter der behandelten Menschen und die gemeinsam erreichten Zahlen am Ende des Aufenthaltes entschädigten für alle oft übermenschliche Anstrengungen, die während dieser vierzehn Tagen in deutsch-togoischer Gemeinschaftsaktion geleistet werden konnten.

Im Januar besuchte der deutsche Entwicklungshilfeminister das Land Togo

 Im Januar besuchte übrigens  Entwicklungshilfeminister Dr. Gerd Müller das Land Togo und ließ sich an einem überaus traditionsreichen Ort, nämlich der aus deutscher Kolonialzeit stammenden Kathedrale, die Ergebnisse unserer Einsätze erläutern.  Er war so beeindruckt, dass er spontan weitere Unterstützung durch das BMZ zusagte.  Die Spender  haben die zurückliegenden Einsätze durch ihre Spenden möglich gemacht.

 Mit diesem Budget und dem Zuschuss des BMZ konnten die Medikamente, Verbandsstoffe, OP-Materialien und die notwendige Logistik bezahlt werden. Die Ärzte haben ausnahmslos ehrenamtlich gearbeitet. Kopp:  Im Namen der vielen, vielen behandelten Patienten auf dem Land in der Zentralregion und in der Savanne möchte ich Ihnen dafür danken. Nicht nur für die Patienten selbst, sondern meist auch für ihre vielköpfigen Familien bedeuten die Operationen eine deutliche und nachhaltige Verbesserung ihrer Lebensbedingungen. Für 2016 haben wir uns wieder vorgenommen, diese so erfolgreiche Zusammenarbeit fortzusetzen und weitere Ärzteeinsätze in allen 5 Regionen Togos, ergänzt durch noch mehr Fort- und Ausbildung, durchzuführen. Wir zählen auf Sie, um mit genügend Spenden für die Eigenleistunden in Aussicht gestellten Zuschuss des BMZ abrufen und den Menschen in Togo die benötigte ärztliche Hilfe bringen zu können. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe par excellence".

Margret Kopp,  Vorsitzende,  Telefon +49(8141) 5 27 22-68 Telefax +49(8141) 5 27 22-69

E-Mail info@aktionpit.de Web www.aktionpit.de

Spendenkonten: Sparkasse Fürstenfeldbruck IBAN: DE 34 7005 3070 0031 0399 10 BIC: BYLADEM1FFB

redkb

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