Sammler-Reihe: Rund 4.000 Kfz-Kennzeichen aus aller Welt

Puchheimer mit Schilder-Imperium

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Markus Tesar hält sein erstes Schild aus Kanada in den Händen.

Kanadische Kfz-Kennzeichen an der oberen Garagenabdeckung begrüßen Neuankömmlinge auf dem Weg zum Anwesen von Markus Tesar. Und auch wenn der 1953 Chevrolet Paneltruck in der Garage vermutlich die Herzen von Oldtimer-Fans höher schlagen lässt, nicht nur vor dem Haus befinden sich Schätze, sondern auch im Haus – genauer im Keller. 

Über eine kurze, leicht gebogene, hölzerne Wendeltreppe gelangt man zu einen Meer aus Schildern aller Farben, Materialien und Formen. 400 Stück an der Zahl hängen hier sortiert und geordnet an jedem freien Fleckchen, das die Wände beziehungsweise Türen hergeben. Und das sind nicht alle. Weitere 3.600 warten nur darauf sich neben AirForce, Bundesbahn und Elefanten- und Gepardenmotiven einzureihen. Markus Tesar sammelt sie seit dem Jugendalter und auch heute noch sind sie seine ständigen Begleiter. Kein Wunder, dass sie auch daran beteiligt waren, als es darum ging, seine Ehefrau zu finden, obwohl – wie könnte es anders sein – sich seine Suche eigentlich um Schilder drehte.

Sie sind aus Aluminium, Eisenblech, Kunststoff mit Plastik, Leder oder auch Holz: Kfz-Kennzeichen oder wie Markus Tesar sie lieber nennt, Schilder. Über den ganzen Globus verteilt gibt es sie in allen Formen und Farben. Einer, der es wissen muss, ist Markus Tesar. Der 50-jährige Kälte- und Schankanlagenbauer aus Puchheim sammelt seit seinem 15. Lebensjahr alte Kfz-Kennzeichen.

Alles begann in Kanada

Für seine Militärschilder hat Tesar eine eigene Ecke.

Begonnen hatte alles 1985 bei einem Verwandtenbesuch in Kanada. „Ein Freund der Familie hatte eine Autowerkstatt und ich bekam als Souvenir ein kanadisches Nummernschild geschenkt“, erzählt er. Kaum hielt er das Schild in der Hand, war er ebenso infiziert wie fasziniert von den blechernen Scheiben. „Ich hielt in den nächsten Tagen nach weiteren Ausschau“, sagt er. Das erste Mal fündig wurde er bei einem verlassenen amerikanischen Schlitten, der in einem kleinen Waldstück stand. „Beim Abschrauben habe ich mir so auf den Daumen gehauen, dass er blau wurde“, erinnert er sich. Davon abgehalten, weiter zu suchen, hat ihn das nicht. „Am Ende hatte ich fünf Schilder in drei Wochen ergattert“, berichtet Tesar. 

Zusammen mit der Familie reiste er weiter in den amerikanischen Bundesstaat Massachusetts, doch die Schilder ließen ihm keine Ruhe. „Damals mussten die Schilder noch jedes Jahr gewechselt werden“, erklärt er. Aus diesem Grund hatte er gute Chancen an gebrauchte Schilder zu kommen. Später wird er sagen, dass er sich bei diesem Urlaub den „Virus“ eingefangen habe. Nach einer dreijährigen Pause reiste er 1988 mit einem Interrail Ticket nach England und Island. Dort angekommen, machte er sich auf die Suche. „Ich fragte bei Schrottplätzen, Polizei, Taxifahrern und Werkstätten nach, ob sie Kennzeichen hätten“, erzählt er. 

Die Familie unterstützt ihn

Später ließ er sich auch durch Familie und Freunde bei seinem Hobby helfen und es wurde exotisch. „Meine Mutter machte eine Weltreise und musste unterwegs nach Schildern Ausschau halten“, sagt er. Die Mutter kam dieser Bitte gerne nach und machte unter anderem auch nicht vor den dunkelsten Ecken Marokkos halt. Damit war sie nicht die einzige. „Jeder der verreiste, bekam von mir einen Auftrag, ab und an kam dann etwas an“, erzählt er. „Damals kannte ich mich noch gar nicht aus und hab einfach alles gesammelt“.

Ein erster Rückschlag

Während die Decke frei bleiben soll...

So ging das dann bis in die neunziger Jahre, als er das Internet und Kleinanzeigen entdeckte. Doch mit der Euphorie, einen neue Möglichkeit gefunden zuhaben sein „Schilder-Imperium“ auszubauen, kam auch der erste Rückschlag. Ein Sammler aus München zog ihn übers Ohr. „Ich habe ein Schild, das ich auf Island an der Zulassungsstelle erstand gegen ein billiges Schild aus Illinois getauscht“, erzählt Tesar. Das ärgert ihn noch heute ein bisschen. Denn während ein isländisches Schild damals bis zu 50 Mark brachte, war das Schild aus dem amerikanischen Bundesstaat gerade einmal eine Mark wert, auch wenn es Tesar nie um den Wert der Schilder ging. „Ich bin nur Sammler, weil ich Spaß daran habe und nicht, weil ich daran etwas verdienen möchte“, sagt er. Ob ihm das noch einmal passiert sei? „Man lernt halt daraus, aber das passiert immer wieder“, gibt er zu. Um solche Fehler verhindern zu können, seien diese Leute viel zu raffiniert. Skeptisch werden sollte man schon dann, wenn ein Schild noch unbenutzt ist. „Dann sollten in jedem Fall die Alarmglocken schrillen“, sagt er. 

Kennzeichen-Clubs und Regierungsschilder

Tesar ist Mitglied in Kennzeichen-Clubs, drei an der Zahl: dem Autokennzeichensammelclub (AKS), dem Australischen Club und dem Europlate, seinem ersten Club, dem er im Jahr 1994 beitrat. „Die Mitglieder sind bunt gemischt und reichen von Senatoren, Angestellten und Nato-Mitgliedern durch alle Bevölkerungsschichten“, sagt Tesar. Regelmäßig finden Treffen statt, bei denen Mitglieder miteinander ins Gespräch kommen und Schilder tauschen können. Besonders beliebt sind hier Kennzeichen von Regierungsfahrzeugen. 

Eine Audienz bei der isländischen Präsidentin

Auch Tesar versuchte 1995 im Urlaub sein Glück – auf Island bei der damaligen Präsidentin. „Ich dachte mir, Mensch ein Präsidentenschild, das wäre was“. Er fuhr also zum Parlament. Vor dem Haus stand eine Limousine und Tesar schnappte sich kurzentschlossen den Chauffeur und bekundete Interesse an dem Kfz-Kennzeichen. Nachdem dieser dann mit einem WalkieTalkie seinen Gesprächspartner von dem Vorhaben und Wunsch des Deutschen informiert hatte, wurde Tesar in das Gebäude gebeten. Zu seinem Pech bekam er das Kennzeichen zwar nicht, allerdings konnte er im Gespräch mit einem Regierungsangestellten im Hintergrund einen Blick auf die Präsidentin erhaschen. Auch bei einem späteren Anruf beim Botschafter war ihm das Glück nicht hold. „Das waren beides keine Erfolge, aber das Erlebnis zählt“, sagt Tesar. „Ich bin ein sehr langsamer Sammler, ich kann ewig warten“, sagt er. Während andere Sammler Schilder unter anderem auch bei Ebay kaufen, wartet er geduldig bis sich eine Möglichkeit bietet. Das kann auch mal mehrere Jahre dauern, wie bei drei Schildern aus den dreißiger Jahren, die er von einer Münchner Brauerei bekam. 

... ist diese Türe bereits voll bestückt.

„Es kommen ständig neue Schilder raus, darauf stürzen sich dann die Sammler“, sagt er. In zehn Jahren habe das dann jeder. Viel mehr freue er sich, wenn ihm jemand einfach aus dem Urlaub ein Exemplar mitbringe. Dass allerdings nicht alle Länder dieses Sammelfieber tolerieren, erlebte Markus Tesar in Dubai, auf dem Rückflug von Australien. Im Gepäck hatte er 100 Schilder. „Ich saß dreieinhalb Stunden am Zoll, bis ich gehen durfte“. „Ich hätte schon gerne aus jedem Land eines“, sagt er. Das werde er aber wohl nie schaffen, da er eben kaum Geld investiert. Noch dazu komme, dass unter anderem die Schweiz es gar nicht gerne sieht, wenn man ihre Schilder außer Landes schafft. Und auch in Australien werden mittlerweile die Schilder beschlagnahmt, sollte man damit ausreisen wollen. Manchmal wird aber auch Tesar schwach: „Wenn ich ein wirklich interessantes Schild sehe, würde ich auch 100 Euro springen lassen“, sagt er. 

Von Kennzeichen an der Spülmaschine

Platz genug für seine Blechtafeln bietet der Keller, auch wenn nun ein weiterer Raum „undekoriert“ werden muss. „Momentan ist es schon eng, deshalb reihe ich die Schilder an wie ein Puzzle.“ Für die Air-Force Schilder hat er sogar eine eigene Ecke und den Rest sortiert er der Größe nach. „Ich kann es nicht haben, wenn Schilder überlappen“, sagt er. Und auch die Decke ist tabu, ebenso wie das Wohnzimmer. „Meine Frau Nancy unterstützt mich bei meinem Hobby, sagt aber ‚Nicht im Wohnzimmer‘.“ Ein paar hinein geschafft hätten es trotzdem, fügt er mit einem Lächeln hinzu. Über dem Eingang zur Küche. „Sie sind ungewöhnlich, weil es sich um kanadische Kennzeichen in Form von Eisbären handelt“, sagt er. Das seien allerdings auch die einzigen im Wohnzimmer. „Man erkennt sofort, ob ein Sammler Single ist, denn wenn er Single ist, dann hängen auch Schilder an der Spülmaschine“, verrät er. 

Als könnte es anders sein, lernte Markus Tesar seine Nancy indirekt beim Sammeln kennen. „Eigentlich hatte ich nur über ein Inserat nach Kfz-Kennzeichen gesucht“, sagt er schmunzelnd. Die gebürtige Britin meldete sich und konnte ihm über Bekannte dann noch das ein oder andere Kennzeichen aus dem Königreich vermitteln. Besonders stolz ist Tesar auf ein Exemplar von einem Schulfreund seines Vaters aus Puchheim. Dieser kaufte sich in den sechziger Jahren einen VW Bus und fuhr von Südafrika nach Deutschland, die Schilder übergab er nach dem Trip Tesar. „Am sammeln faszinieren mich die Treffen mit den Leuten, über Schilder zu sprechen, sich auszutauschen sowie der Tausch der Schilder“ , sagt er. 

Felix Hamann

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