Mit umgebauter Boing in die Sterne schauen

Den Sternen so nah: Mathe- und Physiklehrerin hebt mit Sternwarte ab

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Dagmar Ludwig neben dem Flugzeug SOFIA. Im März wird die Olchinger Lehrerin hiermit in die Stratosphase fliegen und die Entstehung von Sternen beobachten. Foto: Osman

Olching – Dagmar Ludwig unterrichtet am Gymnasium Olching Mathe und Physik. Und sie interessiert sich für Astronomie.

Als die 50-Jährige auf die Möglichkeit aufmerksam wurde, in einer fliegenden Sternwarte abzuheben, war für sie klar: Das würde sie probieren. Und ihre Bewerbung hatte Erfolg – im März geht Ludwig an Bord eines Forschungsfluges. Das Deutsche Luft- und Raumfahrtinstitut (DLR) und die NASA haben das Lehrermitflugprogramm ins Leben gerufen.

Mit umgebauter Boing in 14.000 Meter Höhe

SOFIA heißt das Flugzeug, in das Ludwig und vier weitere Lehrer aus dem gesamten Bundesgebiet steigen werden. Die Abkürzung steht für „Stratosphären-Observatorium für Infrarot Astronomie“. Dabei handelt es sich um eine verkürzte Boeing 747, die aufgrund ihrer Konstruktion eine größere Flughöhe erreicht als normale Passagierflugzeuge. SOFIA schafft es auf 14.000 Meter Höhe – bis hinauf in die Stratosphäre. Dort blicken Wissenschaftler mit einem Infrarot-Teleskop ins Weltall. Dass man ausgerechnet Lehrer als Gäste mitnimmt, hat seinen Grund. Sie sollen inspiriert werden und später ihre Begeisterung an die Schüler weitergeben. Denn bekanntlich mangelt es an wissenschaftlichem Nachwuchs. Die Hoffnung ist, auch Schüler zu erreichen, die mit Physik und Co. zunächst wenig am Hut haben. Bei ihrer Bewerbung musste Dagmar Ludwig deshalb ein gutes Konzept präsentieren, wie sie die Flugerfahrung später nachhaltig in den Unterricht einbauen will. Gegen wie viele Mitbewerber sie sich durchgesetzt hat, weiß die Mutter zweier Söhne im Teenager-Alter nicht. Nach Monaten des Wartens kam die Zusage, und dann schien plötzlich alles ganz schnell zu gehen. Der Flug sollte im Dezember stattfinden, wurde dann aber aufgrund eines Triebwerksproblems auf März verschoben. Immerhin konnten Ludwig und ihre Kollegen das Flugzeug im November schon mal am Boden besichtigen. SOFIA war zu Besuch in Stuttgart und absolvierte erstmals einen Flug über Europa. „Nun bin ich noch gespannter darauf, die ‚Dame‘ in Aktion zu erleben, mit den Forschern zu sprechen und Wissenschaft live zu erleben“, freut sich Ludwig.

Start ist in Amerika

Dazu wird sie nach Los Angeles fliegen und nach einem Tag Akklimatisierung ins nahegelegene Palmdale weiterreisen, wo SOFIA auf NASA-Gelände stationiert ist. Der Forschungsflug findet nachts statt und dauert zehn Stunden. Was beobachtet werden soll, weiß Ludwig bereits: die Entstehung von Sternen im Orion-Nebel. „Ich freue mich auf die tollen Bilder, die ich hoffentlich sehen werde“, sagt die Diplom-Physikerin, die als Quereinsteigerin zum Lehrberuf kam.

Für Sonnenfinsternis weit gereist

Für Astronomie interessiert sie sich seit der totalen Sonnenfinsternis von 1999. „Ich hatte das Glück, sie zu sehen. Es war, als wäre ein Loch in den Himmel gestanzt worden.“ Seither lässt sich die gebürtige Bonnerin keine Gelegenheit entgehen, Himmelsphänomene zu beobachten. 2017 reiste sie ins amerikanische Idaho, um dort eine weitere Sonnenfinsternis mitzuerleben. „Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels ist Astronomie auch eine Auseinandersetzung mit der Erde als Planet, mit ihrer Entstehung und mit der Frage, ob es irgendwo im Universum erdähnliche Planeten gibt“, so die promovierte Physikerin, die in ihrer Freizeit gerne Fahrrad fährt und in einem Kirchenchor singt. Ihre Schüler fiebern schon mit. Den Jüngeren musste Ludwig versprechen, an Bord nach dem Aufkleber zu suchen, den „Die Sendung mit der Maus“ an einer der Flugzeugtüren hinterlassen hat. Denn als SOFIA in Stuttgart war, rückte auch ein TV-Team an, um einen Beitrag für die Lach- und Sachgeschichten zu drehen.

Empfindliches Teleskop

Dass das Abenteuer körperlich anstrengend wird, darauf ist Ludwig gefasst. Schuld ist die Kombination aus Zeitverschiebung und Nachtflug. Auch die strengen Sicherheitsbestimmungen hat sie schon verinnerlicht. Eine der größten Gefahren für den Flug wäre, wenn ein Kleinteil sich in der Führung des Teleskops verkeilt. „Selbst, wenn jemandem nur ein Kuli herunterfällt – wird der nicht schnell wiedergefunden, muss der Flug abgebrochen werden“, weiß Ludwig. Den Deckel ihrer Kamera wird sie vorsichtshalber festbinden. 

Ulrike Osman

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