Metzgerinnung hielt Versammlung ab  –  Bürokratie, Nachwuchsmangel, Verbraucherschutz

Metzger kritisieren: Jedes Stückchen Speck in der Wurst rückverfolgen?

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Obermeister der Metzgerinnung Fürstenfeldbruck, Engelbert Jais aus Luttenwang, und sein Stellvertreter, Bernhard Huber aus Jesenwang bei der Frühjahrsversammlung in Hattenhofen

Fürstenfeldbruck – Nach wie vor ist der Nachwuchsmangel bei den Metzgern im Landkreis ein Dauerbrenner. Neben diesem Problem beschäftigte sich die Metzgerinnung bei ihrer Versammlung am 26. März im Gasthof Eberl in Hattenhofen mit dem Bayerischen Fleischerverbandstag, der heuer  in der Kreisstadt stattfindet. 

Der betriebswirtschaftliche Berater Lars Bubnick vom Fleischerverband Bayern informierte die Metzger über den Mindestlohn. Bei seinem Jahresbericht ging Obermeister Engelbert Jais zunächst auf einen Brief des EU-Abgeordneten Markus Ferber (CSU) ein. Der Augsburger EU-Parlamentarier kritisierte darin die von der Mehrheit der Abgeordneten des EU-Umweltausschusses beschlossene Resolution für die Einführung einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung für Fleisch in verarbeiteten Produkten. Für jedes Stückchen Speck in der Wurst jetzt ein neues Rückverfolgbarkeitssystem aufzubauen, würde ein Bürokratiemonster für die kleinen und mittelständischen Betriebe bedeuten. „Verbraucherschutz ja, aber solche Vorschriften müssen auch technisch machbar sein.“ Die Forderung sei für viele nicht zu stemmen und würde die Lebensmittel enorm verteuern. 

In der Nachwuchswerbung sei man nicht wirklich auf einen „grünen Zweig“ gekommen, meinte Jais. Wenn die Betriebe weiter bestehen sollen, dann ist dringend Nachwuchs erforderlich. Auch wenn sich der Verband Kampagnen einfallen hat lassen, so müsse man selber aktiv werden. „Ich gebe jedenfalls nicht auf“, berichtete Jais von seinen Bemühungen um neue Lehrlinge. Er habe zwei Schüler für den Metzgerberuf begeistern können. „Ich hoffe nur, die springen nicht wieder ab, wenn sie die Schule abgeschlossen haben.“ Bei den 24 Innungsbetrieben im Landkreis werden derzeit 17 Mädchen als Fachverkäuferinnen und neun Burschen als Metzger in den verschiedenen Lehrjahren ausgebildet. Der neue Kreishandwerksmeister Harald Volkwein, der sich kurz vorstellte, meinte, der Metzgerberuf müsse attraktiver dargestellt werden. Er hielt das Werbeplakat des Verbandes nicht für werbewirksam. 

Die abgebildeten Personen  seien zu alt, sie würden nicht die Jugend ansprechen. Ehrenkreishandwerksmeister Franz Höfelsauer erinnerte die Mitglieder an die Fachmesse für Ausbildung „Vocatium“, die am 6. und 7. Mai im Veranstaltungsforum Fürstenfeld stattfindet. Als eine große Ehre bezeichnete Obermeister Jais, das seine Innung heuer den Bayerischen Fleischerverbandstag am 30. und 31. Mai ausrichten darf. Das Veranstaltungsforum Fürstenfeld sei ein genialer Ort für so eine Veranstaltung. Bayerns Umwelt- und Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf hält die Festrede. Zum gesellschaftlichen Höhepunkt zählt der Festabend mit dem Nassenhausener Liedermacher Sepp Raith. Nachdem der Verband den Mitgliedsbeitrag erhöhte, musste die Innung nachziehen. 

Jais begründete die Erhöhung um satte 100 Euro auf 460 Euro mit dem verbesserten Angebot, dass der Verband für seine Mitglieder parat hält, wie beispielsweise arbeitsvertragsrechtliche oder betriebsvertragsrechtliche Beratungen, das Kalkulationskonzept, Hygienepaket oder auch den Stromvertrag. „Ihr müsst nur den Verband mehr in Anspruch nehmen.“ Beim Thema Mindestlohn gehe es nicht um die 8,50 Euro, berichtete der betriebswirtschaftliche Berater des Verbandes, Lars Bubnick. Das sei bei den Betrieben nicht das Hauptproblem, sondern vielmehr die Aufzeichnungs- und Dokumentationspflicht, die eine erhebliche Mehrarbeit verursachen. „Der Bürokratismus hat sich in den letzten Jahren verfünffacht“, so Bubnick. Aufpassen sollen die Metzger bei Praktikanten, riet Bubnick. Übersteigt das Praktikum drei Monate, dann ist der Mindestlohn fällig und damit die Aufzeichnungspflicht. Der Verband fordert eine Herabsetzung der Brutto-Verdienstobergrenze (2.958 Euro), bis zu deren Höhe Arbeitgeber Beginn, Dauer und Ende der Arbeitszeit dokumentieren müssen. Überraschenden Besuch der Zollbehörden darf man nicht abweisen, teilte Bubnick mit. „Man muss sie auch in den Produktionsbereich reinlassen.“ 

Dieter Metzler

 

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