Ausnahmejahr für die Innung - Immer noch Probleme mit der Nachwuchsgewinnung – Nur noch 20 Innungsbetriebe im Landkreis FFB

Metzgerinnung zur WHO-Warnung: "Die Kirche im Dorf lassen"

+
Der neue Vorstand der Metzgerinnung mit Kreishandwerksmeister Harald Volkwein (2. v. li.): Wolfgang Wirth (Beirat), Christian Widmann (Beirat), Engelbert Jais (Obermeister), Robert Breitsameter (Beirat), Bernhard Huber (stellvertr. Obermeister), Rudolf Makula (Beirat)

Fürstenfeldbruck – Von einem Ausnahmejahr für die Innung sprach Obermeister Engelbert Jais bei der Jahreshauptversammlung der Metzger am 27. Oktober im Gasthaus Frietinger in Luttenwang. Dabei dachte Jais aber weniger an die jüngst verbreitete Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass der Verzehr von Fleisch und Wurst krebserregend sei, sondern vielmehr an den vom Landesverband der Metzger Ende Mai im Veranstaltungsforum Fürstenfeld abgehaltenen Verbandstag.

  „Die Veranstaltung werde ich mein Leben lang nicht vergessen.“ Der später zur Mitgliederversammlung stoßende Geschäftsführer des Fleischerverbandes Bayern, Rainer Hechinger, sprach der Brucker Innung für die Durchführung der zweitägigen Veranstaltung ein großes Lob aus, kam aber nicht umhin, sich zu der in den Medien ausgelösten Debatte zu äußern. Er riet den Metzgern, nicht über zu reagieren. Auch die Medien hätten sich im Grunde genommen sehr distanziert dazu geäußert. „Wenn wir überreagieren, werden wir nicht mehr ernst genommen“, so Hechinger. Es gebe keine klinischen Hinweise dazu. Die Belege dafür, dass der Verzehr von Fleisch Krebs auslöse, sind begrenzt. Ihn ärgere, so Hechinger, dass die Wurst und das Fleisch dabei auf eine Stufe mit den Zigaretten gestellt werden. Man solle die Kirche im Dorf lassen, meinte Obermeister Engelbert Jais. „Man kann jedes Fleisch bedenkenlos essen. Es komme auf die Menge an. Wer verzehrt schon übermäßig Fleisch?“ Vier Betriebe haben im zurückliegenden Jahr ihr Geschäft aufgegeben, fuhr Jais in seinem Jahresbericht fort. Das werde hoffentlich nicht so weitergehen.

 Der Innung gehören nur noch 20 Betriebe an. Große Probleme bereitet den Metzgern die Nachwuchsgewinnung. Im Landkreis gebe es gerade einmal drei Lehrlinge. „Nur mit Anlernkräften kann man keinen Betrieb führen“, so Jais. „Die Kunden wollen eine fachlich versierte Beratung.“ Es fehle verstärkt an Fachpersonal. Nicht zufriedenstellend sei für den Metzger-Nachwuchs die Vocatium-Messe verlaufen, berichtete Jais. Sechs junge Menschen hätten Interesse signalisiert. „Doch die sind wohl nur gekommen, weil sie dann schulfrei hatten“, vermutete Jais. Die Integration von Asylbewerbern gestalte sich schwierig. Die Ausbildung eines 20-Jährigen aus Sierra Leone bei der Metzgerei Breitsameter in Mammendorf stelle eher schon eine Ausnahme dar. Man müsse dennoch jede Gelegenheit nutzen, um in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Darum plädierte Jais an seine Metzger im nächsten Jahr wieder an der FFB-Schau in Olching teilzunehmen. „Wenn wir nicht mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, dann können wir einpacken.“

 Das „Gastrozelt“ auf der FFB-Schau sollten sich die Metzger nicht von der Konkurrenz wegschnappen lassen, meinte auch Kreishandwerksmeister Harald Volkwein. „Das würde ich nicht kampflos einem Partyservice überlassen.“ Überhaupt sollten sich die Innungsmitglieder mehr auf Veranstaltungen wie den Berufsinfomarkt, den Sommerempfang der Kreishandwerkerschaft und der Freisprechung sehen lassen. Das sei wichtig für das gesamte Handwerk. Die Führung der Innung bleibt auch in den nächsten drei Jahren in bewährten Händen: Obermeister Engelbert Jais wurde ebenso wiedergewählt wie auch sein Stellvertreter Bernhard Huber. Komplettiert wird der Vorstand durch die vier Beiräte Rudolf Makula, Robert Breitsameter, Christian Widmann und Wolfgang Wirth. Ausgeschieden aus der Vorstandschaft sind Georg Eser und Johann Drexl.

Dieter Metzler

 

Auch interessant

Meistgelesen

Horror-Szenario als Übung
Horror-Szenario als Übung
Mit Picknickkorb zum Kloster
Mit Picknickkorb zum Kloster
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Ballenpresse fängt Feuer
Ballenpresse fängt Feuer

Kommentare