Jahreshauptversammlung des Bundes der Milchviehhalter in Landsberied

Nach Ende der Milchquote: Bauern wollen Marktrisiko nicht allein schultern

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Die BDM-Landkreisvertreter (v. li.):Hans Spicker, Johann Schamberger, Michael Drechsler und Anton Schwarzmann. Es fehlt Josef Reischl.

Landsberied – Die Ende des Monats nach über drei Jahrzehnten auslaufende Milchquoten-Regelung in Deutschland stand auch bei der Jahreshauptversammlung der Milchbauern des Landkreises am 25. März in der Landsberieder Dorfwirtschaft im Mittelpunkt. „Wir haben mittlerweile einen globalen Milchmarkt. Regionales Denken ist nicht mehr angesagt. Als Milchbauern sind wir alle Europäer. Wir haben keinen bayerischen, und auch keinen Milchmarkt in Fürstenfeldbruck“, sagte der bayerische Landesvorsitzende des Bundes der Milchviehhalter (BDM), Manfred Gilch, bei seinem Bericht über das Milchmarkt-Krisenmanagement-Programm des BDM.

Die EU ist mit 158 Millionen Tonnen der größte Milcherzeuger der Welt, gefolgt von Indien mit 132 Millionen Tonnen,  so beschrieb  Gilch die Entwicklung des Milchmarktes und des Welthandels.   Europa trage damit als der größte Milcherzeuger auch die Hauptverantwortung. 

So sind Mengenverschiebungen in Europa maßgebend für die Milchpreise. Bereits marginale Mengenveränderungen würden sich auf den Markt auswirken, besonders bei angespannten Marktsituationen, machte Gilch deutlich. So wirken sich bereits Wetterkapriolen aus, so sensibel sei der Markt inzwischen geworden. „Wir Milchbauern sind auf Planungssicherheit angewiesen, ab ersten April haben wir diese nicht mehr.“ Anhand von Zahlen zeigte der BDM-Vorsitzende auf, wie sich Produktion und Milchpreis einander bedingen, und das nicht nur in Bayern, sondern weltweit. Die Folgen der Milchpreisabstürze bezeichnete Gilch als eklatant. Ein Preisrückgang von zehn Cent bedeute massive Wertschöpfungsverluste für die Milchbauern und die ländlichen Räume, in Bayern beispielsweise einen Verlust von 750 Millionen Euro, für die Bundesrepublik 3,1 Milliarden Euro und für die EU gar 14,8 Milliarden Euro. Damit einhergehend bedeute dies für die Milchviehhalter eine Zunahme der Fremdkapitalbelastung. 

Wie sich der Milchpreis nun weiter entwickle, das könne man erst nach dem 31. März 2015 sagen, so Gilch. Eine Prognose der Rabobank (Finanzpartner der Lebensmittel- und Agrarindustrie) verspricht einen Marktumschwung frühestens zum dritten Quartal 2015. Voraussetzung ist aber eine Anpassung der Milchproduktion. Der BDM hat auf ausdrücklichen Wunsch der Politik mit einem Milchmarkt-Krisenmanagement-Konzept einen Vorschlag für ein effizientes Sicherheitsnetz für den EU-Milchmarkt vorgelegt. Das Konzept beinhaltet ein unabhängiges, kontinuierliches Markt-Monitoring und enthält Optionen für ein dreistufiges Frühwarnsystem. Damit müssen sich nun die Politik und die Wissenschaft anfreunden, meinte Gilch. Die Milchviehhalter haben jedenfalls gezeigt, dass sie Verantwortung für den Markt übernehmen wollen. Eine Ablehnung ohne entsprechende Alternativvorschläge sei für die Milchbauern nicht akzeptabel. „Wir erwarten einen offenen und lösungsorientierten Dialog mit dem Ziel, möglichen Milchmarktkrisen wirksam zu begegnen. Dass das Marktrisiko noch immer weitgehend alleine von den Michbauern getragen werden soll, ist nicht länger akzeptabel“, sagte der BDM-Vorsitzende Bayerns.

Wie schon zuvor der Kreisvorsitzende Johann Schamberger aus Moorenweis in seinem Jahresbericht die Politik wegen der ständigen Falschmeldungen angriff, so übte auch der aus dem Landkreis Roth angereiste Gilch vor allem an der Berichterstattung der Medien, selbst der Fachorgane, scharfe Kritik. Die Neuwahlen waren in Rekordzeit erledigt, stellte sich doch die gesamte „Mannschaft“ zur Wiederwahl. So werden Johann Schamberger und Hans Spicker auch in den nächsten zwei Jahren den BDM-Kreisverband vertreten und dabei vom bewährten Kreisteam Michael Drechsler, Anton Schwarzmann und Josef Reischl unterstützt. Schwache Gegenwehr von Schamberger gab es nur bei der Wahl des Landesdelegierten: „Will`s nicht mal ein anderer machen?“ fragte er in die Runde. Doch als sich niemand meldete, meinte der Moorenweiser: „Na ja, dann mach`s ich noch mal zwei Jahre.“ 

Dieter Metzler

 

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