Mischwald ist krisensicherer - Begehung

Nahezu romantisch der dichte Buchenbestand vom „Purxl-Wald“ unmittelbar bei Purk im Gemeindegebiet von Moorenweis. Auf rund 10 Hektar im frisch gefallenen Schnee ein Erholungsvergnügen für Waldfreunde und für den Forstmann das wünschenswerte Paradebeispiel einer angehenden Mischkultur im Landkreis.

Für den Brucker Amtsleiter für Landwirtschaft und Forsten, Hans-Jürgen Gulder - „Erst seit 16 Monaten im Amt!“ - wäre es ein noch größeres Vergnügen, würden sich die Verhandlungen mit den privaten Waldbesitzern zum notwendigen Waldumbau aufgrund des Klimawandels nicht so zähleibig entwickeln. Der Purxl-Wald ist wirklich etwas Besonderes und die beneidenswerten Purker und die Kinder vom St. Josefs-Kinderheim nebenan können sich beglückwünschen zu dem schönen Aufenthalts- und großen Abenteuerspielplatz darin. Früher waren die inzwischen 120 Jahre alten Buchen mit Fichten durchmischt. Das erzählte der hier geborene Gemeindewaldnutzer Hermann Mahl, einer der so genannten 18 „Waldrechtler“ in Purk. Aufgrund natürlicher Vorgänge in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts verschwanden die Fichten nach und nach: Sie konnten sich in den vorhandenen Boden- und geringen Wasserverhältnissen nicht halten. Übrig blieb in einem gesunden Wachstum die tiefwurzelnde Buche. Und das gilt auch für den Gesamtbefund zu dieser wichtigsten Laubbaumart im bayerischen Waldzustandsbericht für 2008 - und ist für Hans-Jürgen Gulder das wichtigste Mischforstholz. Im Gegensatz zum negativen gesamtbayerischen Befund für die Tanne gibt es hierzu keine Aussagen für den Landkreis, da es kaum größere Vorkommen gibt. „Eine typische Baumart für den Alpenraum.“ Anders dagegen beim Problemholz Fichte, die im westlichen Oberbayern und Schwaben mit Abstand am dichtesten verbreitete Baumart. Sie ist und bleibt als extremer Flachwurzler gefährdet durch Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer. Zum Glück gab es im Landkreis in 2008 durch ausgebliebene Stürme und ausreichende Niederschläge in der Vegetationszeit eine gewisse Borkenkäfer-Schonzeit. Gulder: „In Südbayern gab es eher optimale Wachstumsbedingungen und dem Wald in unserem Landkreis geht es nach dem Extrem-Sommer 2003 insgesamt langsam wieder besser …" Angesichts der sich seit 1989/90 deutlich abzeichnenden Klimaveränderungen kann der Forstmann aber dennoch nicht umhin, zu warnen: „Ein reiner Fichtenanbau bedeutet ein untragbares Risiko. Er gehört nur noch dahin, wo die Bodenverhältnisse einfach stimmen und eine ausreichende Wasserspeicherung vorhanden ist. Im Grunde ist die Fichte nur noch in einer absichernden Mischwaldkoordination vertretbar.“ Am Purker Purxl-Wald hat man dafür inzwischen - eingezäunt - die Voraussetzungen geschaffen, in einer Umgebung von Roteichen, Weißtannen, Ahorn, Esche, Kirsche, Douglasien und noch anderes Gehölz. Ein anderer Kritikpunkt für den Forstamtsleiter sind die zum Teil unbefriedigenden Abschusszahlen im Jagdbereich im Landkreis. Das Wild habe sich durch gesunde Population und durch ein mehr als ausreichendes Nahrungsangebot stark vermehrt, was aber auch den Verbiß von Neuanpflanzungen und die Ausdünnung der Naturverjüngung bedeute. Eine Situation, die gegen den notwendigen Waldumbau liefe und dringend eines klärenden Dialogs bedürfe. Erfreut konnte Gulder jetzt offiziell den für das Forstrevier Geltendorf als Revierförster ernannten Andreas Brem, 28, vorstellen, was für Waldbesitzer und Beratungsgespräche verkürzte Wege bedeutet. Brem ist im Büro Geltendorf, Am Schlagberg 28, am Montagvormittag und Donnerstagnachmittag und nach tel. Vereinbarung zu erreichen und betreut forstlich das Gebiet zwischen Prittriching im Norden und Windach im Süden zwischen Jesenwang/Grafrath im Osten und Weil/ Penzing im Westen. Tel. 08193-990 6251, Fax 08193-990 6252, Mobil 0173-890 32 33.

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